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18. November 2017 | 17:04 Uhr

Erste Heringsfischer vor dem Aus

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erstellt am 27.Okt.2010 | 12:11 Uhr

Die Ostseefischer in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern fürchten finanzielle Einbußen, weil sie laut EU-Beschluss im kommenden Jahr weniger Hering fangen dürfen. In Luxemburg haben sich die EU-Fischereiminister Dienstagabend darauf geeinigt, die Fangquote für Deutschland um 30 Prozent zu senken. Demnach dürfen 2011 nur noch knapp 16.000 Tonnen Hering aus der westlichen Ostsee geholt werden. Für Deutschland sind das 8763 Tonnen, 30 Prozent weniger als 2010.

"Das geht jetzt vor allem bei den Heringsfischern am Greifswalder Bodden wirklich an die Substanz", sagt Michael Schütt, Geschäftsführer der Fischereigenossenschaft Freest in Mecklenburg-Vorpommern. Die Geschäftsführerin des Fischereiverbandes Schleswig-Holstein, Gretel Flindt, beklagt sich über die Bundesregierung: "Die osteuropäischen Regierungen haben gegenüber der EU-Kommission Zähne gezeigt. Das hätten wir uns auch von Berlin gewünscht."

Entscheidung für Fischereiverband nicht nachvollziehbar

Fischereiverbands-Vorsitzender Lorenz Marckwardt kann die Entscheidung für die Quotensenkung nicht nachvollziehen. "Der Bestand ist in Ordnung", sagt der Fischermeister. Die jährliche Fangmenge an Hering bringen zu 20 Prozent Fischer in Schleswig-Holstein an Land. 80 Prozent werden im Nachbarbundesland gefischt. "Das wurde nach der Wiedervereinigung so aufgeteilt", erklärt Marckwardt.

Wie hart es die Fischer dort trifft, sagt Michael Schütt: "Drei der 30 Kutterführer werden nach der Frühjahrsaison 2011 den Beruf an den Nagel hängen und in Seemannsrente gehen." Ihren Besatzungsmitgliedern bleibe nur der Gang zur Arbeitsagentur. Die Kutter würden vermutlich von anderen Betrieben gekauft, um deren Quote zu übernehmen. Aber auch, wenn diese Kutter nur noch im Hafen blieben, fielen Kosten wie Liegegebühren an, sagt Schütt. Bei den Besatzungen mache sich nun eine Ohnmacht breit. "Wir verstehen vor allem nicht, dass gerade die kleine, sogenannte stille Fischerei, die mit Stellnetzen umwelt- und bestandsschonend fischt, immer wieder über Gebühr reglementiert wird."

Finanzielle Probleme schon voriges Jahr

Die Stimmung in der größten Fischereigenossenschaft des Landes liege am Boden, so Schütt. Für die 30 Kutterbesatzungen in Freest am Peenestrom hätten sich die schlimmsten Befürchtungen erfüllt. Schon die Reduzierung von 39 Prozent vor einem Jahr habe die Betriebe in finanzielle Probleme gestürzt, so dass zum Beispiel Schiffsreparaturen immer wieder verschoben werden mussten.


Die von den EU-Fischereiministern beschlossene Quotensenkung bedeutet für die Erzeugergemeinschaft, zu der auch Besatzungen an der Haffküste und Usedomer Einzelfischer gehörten, dass die Grundquote von 1541 Tonnen Hering in diesem Jahr auf 1078 Tonnen im kommenden Jahr fällt. "Das ist vor allem für jene, die zu 75 Prozent vom Hering leben, nicht mehr verkraftbar", sagte Schütt. Die geringfügige Erhöhung der Dorschquote federe bei weitem nicht die Verluste aus dem Heringsgeschäft ab.

Beim Dorsch dürfen sechs Prozent mehr ins Netz gehen: 18.800 Tonnen in der westlichen Ostsee und 4000 Tonnen in deutschen Gewässern. Bei der Sprotte wurde die Quote um knapp ein Viertel gesenkt. Die Minister folgten bei der Festlegung der Quoten der Empfehlung der EU-Kommission. Die Fangquoten für die Nordsee werden im Dezember festgelegt.

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