Erst Mahnmal, jetzt Schrott - Schweriner T34-Panzer wird in Bad Oldesloe zerlegt

Einst erinnerte er in Schwerin an das Ende des Weltkrieges. Jetzt wird der russische Panzer von Carlo Rahlfs   zerlegt. Foto: Malte Behnk
Einst erinnerte er in Schwerin an das Ende des Weltkrieges. Jetzt wird der russische Panzer von Carlo Rahlfs zerlegt. Foto: Malte Behnk

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29. Juli 2008, 08:49 Uhr

Nordwestmecklenburg - Metallschrott ist das Geschäft des Entsorgungsunternehmens Borowski & Hopp im schleswig-holsteinischen Bad Oldesloe. Doch was jetzt auf dem Gelände des Familienbetriebs steht, ist auch für die Verwerter von altem Metall nicht alltäglich. 30 Tonnen purer Stahl, zum Teil mehrere Zentimeter dick, bilden den T 34, einen russischen Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg. Vielen Mecklenburgern ist dieser Panzer noch als Mahnmal an der B 104 am Ortseingang Schwerins am ehemaligen Jagdhaus Schelfwerder bekannt.

Gemeinsam mit einem weiteren T 34 in der Schweriner Schillerstraße wurde das Gefährt der russischen Armee kurz nach der Wende entfernt, wogegen sich der Künstler Joachim John aus Frauenmark noch ausgesprochen hatte. „Ich hatte gefordert, dass der Panzer als mahnende Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkrieges stehen bleiben sollte“, erinnert sich der Künstler jetzt.

„Dabei war der russische Panzer hier eigentlich unrealistisch, wurde Schwerin doch von den Amerikanern vom Nationalsozialismus befreit“, so Rainer Blumenthal vom Schweriner Stadtarchiv. Ein Amerikanischer Panzer hätte aber wohl nicht ins ideologische Bild der DDR gepasst. Außerdem wurde der T34 in der DDR von Oppositionellen benutzt. 1988 fand man über Nacht an ihm die Losung „Befreit uns noch mal!“

Ganz zufällig waren Einkäufer der Oldesloer Firma in Bad Segeberg bei einem Nutzfahrzeughändler auf den Panzer gestoßen. „Die Mitarbeiter wollten Teile für unseren Schrotthandel abholen und dann stand noch der Panzer da rum – völlig zu gewachsen“, berichtet Betriebsleiter Lennert Hopp von dem Fund, der für ihn ein lohnendes Geschäft bedeutet.

Einen vierstelligen Betrag hat er für das russische Militärfahrzeug gezahlt. Ist der dicke und hochwertige Stahl mit dem Schneidbrenner erst einmal in handliche Stücke geschnitten, lässt sich im Stahlwerk wiederum gutes Geld mit dem Schrott verdienen. Die Preise für Stahlschrott sind im April 2008 um fast 30 Prozent gestiegen und haben so bundesweit ein Rekordhoch erreicht. Eine Tonne kostet derzeit durchschnittlich zwischen 320 und 350 Euro.

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