Erst gedroht, dann Geld abgebucht - Anrufer belästigen Rentnerin

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26. August 2008, 01:07 Uhr

Prignitz - Sie schauen auf Ihre Kontoauszüge und stellen fest, jemand hat unberechtigt Geld abgezogen. Das ist in den vergangenen Tagen mehreren Prignitzern passiert. Der Polizei liegen Anzeigen aus Glöwen, Bad Wilsnack und Perleberg vor. In allen Fällen handele es sich um eine Kölner Lottofirma, wie Polizeisprecherin Bianca Krege deutlich macht.

Eine Berger Bürgerin musste ziemlich nachdrücklich erfahren, wie hartnäckig dieses Unternehmen sein könne. Seit Monaten habe man der ehemaligen SKL-Spielerin immer wieder telefonisch neue Angebote unterbreiten wollen. „Ich sagte immer wieder ,Nein’“, berichtet die Prignitzerin. Beeindruckt hat das die Anrufer nicht. „Beim letzten Mal haben sie mir den ganzen Tag keine Ruhe gelassen.“ Mehrfach ignoriert sie das Telefon.

Doch dann klingelte es so lange, bis sie entnervt abhebt. Als die 78-Jährige dem Anrufer mitteilt, sie möchte jetzt endlich in Ruhe gelassen werden, habe er ihr gedroht: „Sie werden schon sehen, was sie davon haben.“

Drei Tage später waren 77 Euro abgebucht – vom Glücksspielunternehmen LottoTeam. Und das sei nicht die einzige Summe gewesen. „Einmal waren es 70 Euro, dann zweimal 48 Euro“, erinnert sich die Berger Leserin. Inzwischen ermittelt die Kölner Staatsanwaltschaft wegen Betrugsverdachts gegen das LottoTeam. Auch die Prignitzer Polizei strebt an, alle Anzeigen und Verfahren an die Kölner Staatsanwaltschaft abzugeben.

Das Glücksspielunternehmen bestreitet, Abbuchungen in betrügerischer Absicht vorgenommen zu haben: „Die LottoTeam-Gruppe hat – marktüblich – eine Mehrzahl von externen Vertriebspartnern mit Akquisetätigkeiten betraut. Diese bewerben auch Produkte im Bereich staatlicher Lotterien und Gewinnspielerservice“, heißt es in einer Stellungnahme zu den Vorwürfen.

Vergütet werden die Vertriebspartner aufgrund der von ihnen gemeldeten Vertragsabschlüsse. Im Vertrauen auf einen wirksamen Vertragsschluss bucht LottoTeam dann das Geld von den – vermeintlichen – Kunden ab.

Das Unternehmen sieht in den fingierten Verträgen „einen versuchten oder durchgeführten Provisionsbetrug von Vertriebspartnern zum Nachteil der LottoTeam-Gruppe“. Das Glücksspielunternehmen hat inzwischen seinerseits Anzeige gegen mehrere Vertriebspartner, sprich Call-Center, erstattet.

Was machen aber nun diejenigen, denen fälschlich Geld abgezogen wird. Sie müssen es rückbuchen lassen, wie das bei Einzugsermächtigungen möglich ist, erklärt Marena Hirsekorn von der Volks- und Raiffeisenbank Prignitz.

In Fällen wie dem oben geschilderten „buchen wir auch Einzüge zurück, die schon vor sechs Wochen erfolgten“, macht Marena Hirsekorn deutlich. Mehr Sicherheit vor falschen Abzügen gäben zudem Abbuchungsverfahren oder Daueraufträge.

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