Ostsee-Pipeline wird am 8. November offiziell in Betrieb genommen : Erst das Gas, dann die Kraftwerke?

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Während die Hotels am Strand des Greifswalder Boddens noch Herbsturlauber empfangen, trifft das russisch dominierte Firmenkonsortium Nord Stream nur drei Kilometer weiter Vorkehrungen für prominenten Besuch.

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31. Oktober 2011, 10:15 Uhr

Lubmin | Ein dichter Kiefernwald trennt das Seebad Lubmin vom europäischen Gasgeschäft. Während die kleinen maritimen Hotels am Strand des Greifswalder Boddens noch vereinzelte Herbsturlauber empfangen, trifft das russisch dominierte Firmenkonsortium Nord Stream nur drei Kilometer weiter Vorkehrungen für weit prominenteren Besuch. Kreml-Chef Dimitri Medwedew und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werden hier gemeinsam am 8. November in einem symbolischen Akt den Gashahn der Ostsee-Pipeline aufdrehen. In anderthalb Jahren war die 1224 Kilometer lange Leitung durch die Ostsee verlegt worden. Im Westen wird das Gas nun sehnlichst erwartet. Fast die gesamte Kapazität des ersten Stranges von 27,5 Milliarden Kubikmeter pro Jahr ist nach Nord Stream-Angaben bereits verkauft.

Trotz der mehr als 100 Millionen-Euro schweren Investition allein am Anlandepunkt im Industriehafen von Lubmin wird das Projekt für die Gemeinde nicht zur Jobmaschine. Zwölf Arbeitsplätze - zwei in der Betriebsführung von Nord Stream, sowie zehn in Betriebsführung, Betreuung und Wartung der weiterführenden Wingas-Leitungen OPAL und NEL - entstehen den beiden Firmen zufolge im Nordosten. "Wir hoffen ganz stark, dass mit der Pipeline die Pläne zum Bau von Gastkraftwerken Auftrieb erhalten", sagt sich Lubmins Bürgermeister Axel Vogt (CDU). Nord Stream geht davon aus, dass die Pipeline "eine der relevanten Voraussetzungen" am Standort für den Bau von Gaskraftwerken schafft, wie Unternehmens-Sprecher Steffen Ebert sagt.

Doch die Pläne zum Bau von Gaskraftwerken am früheren Atom-Standort Lubmin treten auf der Stelle. Auch wenn die Schweriner Landesregierung im druckfrischen Koalitionsvertrag erneut ihren Willen bekundet, sich für die Ansiedlung solcher Kraftwerke einzusetzen. Der Energiekonzern EnBW teilte auf Anfrage mit, dass die Inbetriebnahme der Pipeline zunächst nichts an den grundsätzlichen Positionen ändere. "Es gibt keine Investitionsentscheidung", hieß es.m Auch die Energiewerke Nord (EWN), die die Rumpfplanungen vom gescheiterten Kohlekraftwerks-Investor Dong Energy für ein kleineres Gaskraftwerk übernommen haben, halten sich bedeckt. "Wir sprechen mit mehreren potenziellen Investoren", sagt EWN-Chef Henry Cordes. "Es gibt aber keine finalen Beschlüsse."

Land und Gemeinde könnten von künftigen Steuereinnahmen aus dem Gasgeschäft profitieren. Das im schweizerischen Zug angesiedelte Konsortium Nord Stream betreibt in Lubmin seine deutsche Betriebsstätte. Aufgrund der internationalen Gewinnzurechnung werde ein Teil des Gesamtgewinns in Deutschland versteuert, erklärt Ebert. Grundlage dafür sei das Besteuerungsprinzip für ausländische Tochtergesellschaften. Lubmins Bürgermeister Axel Vogt bremst überzogene u Erwartungen an Gewerbesteuereinnahmen. "Etwas profitiert habe Lubmin immerhin schon, so der Gemeindechef. Die Fußballer des Vereins "Sturmvogel Lubmin" bekämen Unterstützung vom Sponsor Wingas. Im Kindergarten und bei der Jugendfeuerwehr habe Nord Stream Computer-Technik aufgerüstet.

Der Standort Sassnitz, an dem ein Großteil der Pipeline-Rohre mit Beton ummantelt wurde, konnte hingegen bislang keinen langfristigen Gewinn aus dem Rohrwerk schöpfen. Das Werk des französischen Pipeline-Spezialisten Eupec stellt den Betrieb nach dem Nord Stream-Auftrag ein, wenn es keine Folgeaufträge gibt. Für die 200 Mitarbeiter laufen die Arbeitsverträge damit aus.

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