"Stolpersteine" in Güstrow : Erinnerung direkt vor den Füßen

Ein Foto aus glücklichen Tagen: Herta, Lieschen und Vater Leo Ehrlich (v.l.) in den 1930er-Jahren. Mutter und Tochter kamen 1940 nach Güstrow. Jörg Kaps
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Ein Foto aus glücklichen Tagen: Herta, Lieschen und Vater Leo Ehrlich (v.l.) in den 1930er-Jahren. Mutter und Tochter kamen 1940 nach Güstrow. Jörg Kaps

Es sind nur zwei von sechs Millionen - doch ihr Schicksal steht exemplarisch für die von den Nazis ermordeten Juden: Herta Jacobsohn und ihre Mutter Lieschen Ehrlich. Seit gestern erinnern zwei "Stolpersteine" an sie.

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05. November 2010, 12:00 Uhr

Güstrow | Die beiden Frauen, die im Haus Hansenstraße 1 wohnten, wurden am 10. Juli 1942 von Güstrow aus nach Auschwitz deportiert und ermordet. Ebenso wie die Güstrower Max Jacobsohn, den Herta Ehrlich 1941 in Güstrow heiratete, sowie sein Sohn aus erster Ehe, Hans. Für Max und Hans Jakobsohn existierten bereits "Stolpersteine" vor ihrem ehemaligen Wohnhaus in der Hansenstraße 1 - eingelassen in den Gehweg. Daneben sind jetzt auch Herta und Lieschen verewigt, um der "bleibenden Betroffenheit angesichts der unvorstellbaren Verbrechen der Nationalsozialisten" Ausdruck zu verleihen, wie gestern bei der Verlegung der "Stolpersteine" Folker Hachtmann, Pastor i.R., sagte. Hachtmann, Initiator der "Stolpersteine" in Güstrow, waren Herta Jacobsohn und Lieschen Ehrlich noch nicht bekannt, als im vergangenen Jahr 15 "Stolpersteine" in Güstrow verlegt wurden. Erst die Recherchen von Jörg Kaps, Beauftragter für das Projekt "Stolpersteine" im thüringischen Arnstadt, der sich mit der Geschichte der jüdischen Familie Ehrlich beschäftigte, brachten das Schicksal von Herta und Lieschen Müller nach Jahrzehnten wieder ans Tageslicht. Beide kamen 1940 von Cuxhaven nach Güstrow, wo Herta 1941 den letzten Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, den Witwer Max Jacobsohn, heiratete. "Das war für mich überraschend und unerwartet, da mir diese Heirat nicht bekannt war", so Hachtmann.

Jörg Kaps steht zudem in Kontakt mit Hertas Schwester Erika Newman, die heute 96-jährig in den USA lebt. "Das ihrer Familie nach so langer Zeit in Güs trow gedacht wird, macht sie sehr glücklich", so Kaps. Er will Erika Newman telefonisch ausführlich über die Güstrower Gedenkfeier berichten. ",Stolpersteine holen die Erinnerung raus aus den Gedenkstätten und Archiven direkt vor unsere Füße und in unser Bewusstsein", würdigte Kaps gestern diese Form des Gedenkens. Sie stammt vom Künstler Gunter Demnig, der bereits 25 000 dieser Steine in ganz Europa verlegt hat.

Zur Verlegung der "Stolpersteine" präsentierte gestern Burkhard Bauer vom Förderverein Region Güstrow die neue Broschüre "Stolpersteine in Güstrow", erstellt von Sarah Ruhnow, Schülerin am Brinckmangymnasium, mit Hilfe des Bilse-Instituts Güstrow. Hier sind alle ermordeten Güstrower Juden mit Kurzbiografien aufgeführt.

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