Erdbeben lässt den Norden zittern

Das Erdbeben im Süden Schwedens hat gestern auch in Mecklenburg-Vorpommern Schränke zum Wackeln gebracht. Auf Rügen wurden eine Bebenstärke von 5,2 auf der Richterskala gemessen.

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16. Dezember 2008, 07:39 Uhr

Rostock/Stockholm - Mehrere besorgte Anrufer aus Stralsund, von der Insel Rügen oder auch aus Rostock hatten sich kurz nach 6.30 Uhr bei Polizei, Landesbehörden, Radiosendern und unserer Zeitung gemeldet, weil sie Erschütterungen gespürt hatten. Die Rostockerin Susan Schnittler, die in der dritten Etage eines Altbaus wohnt, berichtete: „Kurz vorm Aufstehen heute Morgen dachte ich, dass das ganze Haus wackelt. Das war ziemlich gruselig.“

Die seismologische Messstation bei Neuenkirchen auf Rügen verzeichnete für das Beben eine Stärke von 5,2 auf der Richterskala, wie der Geophysiker Gottfried Grünthal vom Geoforschungszentrum Potsdam sagte. Allerdings sei dieser Wert wegen der unterschiedlichen Laufbewegungen der Wellen allein nicht aussagekräftig.
Außer Verunsicherung und Erstaunen hatte das Erdbeben im Nordosten Deutschlands offenbar keine weiteren Folgen. Schäden wurden nicht gemeldet.

Das Epizentrum lag nahe der schwedischen Stadt Malmö und nur einen Kilometer entfernt vom Flughafen Sturup. Der SOS-Notdienst in Schonen nahm zwischen sechs und sieben Uhr über 1600 Anrufe von verängstigten Bewohnern entgegen. Einige befürchteten sogar Anschläge von Terroristen.

Die in der Nähe des Epizentrums verlaufende knapp zwanzig Kilometer lange Brücken- und Tunnelverbindung über den und unter dem Öresund zwischen Malmö und Kopenhagen soll genau auf mögliche Schäden untersucht werden. Sie wurde aber nicht gesperrt.

In Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen war das Beben einschließlich einer Explosion etwa fünf Sekunden lang zu spüren. Tische wackelten und Mauern zitterten. Zuletzt wurde ein ähnlich starkes Beben im südlichen Skandinavien 1930 registriert.

Der Geophysiker Birger Lühr vom Deutschen Geoforschungszentrum Potsdam meinte zu den Hintergründen, dass Skandinavien in der Eiszeit von einer kilometerdicken Eisschicht bedeckt gewesen sei. Vor etwa 10 000 Jahren sei das Eis weggeschmolzen. Auf die Wegnahme der Last reagiere die Erde noch heute. Dieser Spannungsabbau verursacht in der Regel kleinere und ungefährliche Beben.

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