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21. September 2017 | 10:36 Uhr

Entschiedenes Nein zur Biogasanlage

vom

svz.de von
erstellt am 02.Jun.2010 | 07:24 Uhr

Postlin | 381 Unterschriften machen deutlich, dass Postliner und Karstädter den Bau einer Biogasanlage im Gewerbegebiet Karstädt/Postlin ablehnen. Der Abstand würde teilweise nur bei 150 Metern liegen - zu nah, argumentieren die Bürger. Gisela Schulz verwies auf mögliche Havarien und Empfehlungen der Kommission für Anlagensicherheit zu Abstandsregelungen.

Weitere Gegenargumente: die Geruchsimmission - "die Anlage würde westlich vom Ort stehen und wir haben hauptsächlich Westwind", so die Bürger. Vor allem befürchten sie eine Zunahme der Verkehrsbelastung. "Bereits jetzt ist die Schmerzgrenze erreicht", machten die Postliner klar und kritisierten massiv den Zustand der L 13-Ortsdurchfahrt.

Mit der zwei Megawatt-Biogasanlage, die jährlich 60 000 Tonnen Substrat benötigt und damit 2000 Hektar für Monokulturen bindet, erhöhe sich das Verkehrsaufkommen weiter. "All das mindert unsere Lebensqualität und den Wert der Grundstücke, denn wer zieht schon in die Nähe einer Biogasanlage?", argumentieren Einwohner.

Sie fordern, dass die Gemeinde die Restfläche von 1,5 Hektar nicht für solch ein Bauvorhaben verkauft. Sie widersprachen dem Argument des Bürgermeisters Udo Staeck, dass die Gemeinde im Zugzwang sei und Fördermittel für ein weiteres Gewerbegebiet, das an der A 14 entstehen soll, erst beantragen kann, wenn die jetzigen Flächen vergeben sind. Dafür reiche ein Vermarktungsgrad von 75 Prozent, und der sei bereits erreicht.

"Entschieden ist gar nichts", entgegnet Staeck. Der Wirtschaftsausschuss sprach sich lediglich dafür aus, die 1,5 Hektar für eine Bebauung mit einer Bio masseanlage untersuchen zu lassen und beauftragte einen Makler, bis zum 30. Juni ein Ergebnis vorzulegen. Auch arbeite eine solche Anlage auf Substratbasis (Mais, Getreide), ohne Gülle oder Abfälle und sei mit herkömmlichen Anlagen, auch was den Geruch betreffe, wenig vergleichbar. "Hier gibt es keinen Schwefelgasausstoß, produziert wird Biogas in Erdgasqualität, das ins Netz eingespeist werden soll", erklärt Staeck.

Wie die Bürger forderte Staeck - auch mit Blick auf die geplante A 14 und die dann kurze Verbindung zur A 24 - den Ausbau der Ortslage Postlin. Auf eine Ortsumgehung brauche man nicht zu hoffen. Um mögliche Vorurteile abzubauen, organisierte die Gemeinde für Sonnabend eine Fahrt nach Flech tingen/Börde, wo eine ähnliche Biomasseanlage steht.

"Unsere für 3,2 Megawatt konzipierte Anlage arbeitet seit März und steht von der Wohnbebauung 150 bis 200 Meter entfernt. Allerdings stehen hier nur einzelne Häuser", äußerte Flechtingens Bürgermeister Dr. Dieter Schwarz gegenüber unserer Zeitung. Lärm- und Geruchsbelästigung durch die Anlage seien gleich Null, die tägliche Fütterung der Anlage, deren Biogas in fünf Blockheizkraftwerken zu Strom und Wärme umgewandelt wird, höre man kaum. Was Schwarz einräumte, sind "höhere Verkehrsfrequenzen", um die Silos zur Erntezeit mit Mais und weiteren Substraten zu füllen.

Abfahrt nach Flechtingen ist um 8 Uhr von der Bushaltestelle Dargardter Weg. Das Interesse war bis gestern allerdings gering, angemeldet hatten sich nur neun Bürger, so dass ein kleiner Bus gechartert wurde. Einige Plätze sind aber noch frei. Anmelden kann man sich unter der Telefonnummer 03877/77217 bei Wolfgang Fritze.

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