Entscheidung zwischen Gramkow und Timm

Zufriedene Gewinner am Abend des ersten Wahlgangs. Am 28. September mussten sich Angelika Gramkow und Gottfried Timm einer Stichwahl stellen.
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Zufriedene Gewinner am Abend des ersten Wahlgangs. Am 28. September mussten sich Angelika Gramkow und Gottfried Timm einer Stichwahl stellen.

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15. September 2008, 10:03 Uhr

Schwerin - Es kam, wie viele politische Beobachter es vermutet hatten: Am 28. September ist eine Stichwahl nötig, um den neuen Oberbürgermeister der Landeshauptstadt zu ermitteln. Bei der gestrigen Wahl konnte keiner der sieben Kandidaten die für einen direkten Einzug ins Stadthaus erforderliche Mehrheit von mehr als 50 Prozent der abgegebenen Stimmen erreichen. Nahezu gleichauf landeten Angelika Gramkow (Linke, 38,2 Prozent) und Dr. Gottfried Timm (SPD, 38,1 Prozent) auf der Zielgeraden. Zwischen ihnen müssen die Schweriner nun in zwei Wochen entscheiden.

Die beiden erfahrenen Politiker setzten sich deutlich gegen die übrigen fünf OB-Kandidaten durch, die als politische Neueinsteiger gelten. Der parteilose CDU-Bewerber Hans-Peter Kruse konnte immerhin noch 15,8 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinigen, blieb damit aber hinter den Erwartungen der Christdemokraten. Auch die Unabhängigen Bürger hatten sich für ihren Kandidaten Frank-Peter Krömer mehr als die erreichten drei Prozent ausgerechnet. Von den drei Einzelbewerbern schnitt Fred Kriebel mit 2,3 Prozent noch am besten ab, gefolgt von Andreas Helms (2,2 Prozent) und Volker Goebel (0,4 Prozent).

Sichtlich mit ihrem Wahlergebnis zufrieden, präsentierte sich gestern Abend Angelika Gramkow im Rathaus. „Ich hatte ein tolles Team, einen guten Wahlkampf und ich danke allen, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben“, sagte die Linke-Politikerin. Sie wolle jetzt ihre Ergebnisse in den einzelnen Stadtteilen auswerten und heute gemeinsam mit ihrer Partei über die Strategie der nächsten beiden Wochen beraten. Grundsätzlich werde sie im Kampf um weitere Stimmen an ihren Botschaften aber nichts ändern. „Ich bleibe meinem Kurs für mehr Gemeinsamkeit treu“, sagte Gramkow.

Auch Gottfried Timm zeigte sich gestern Abend sichtlich zufrieden. „Die Stichwahl zu erreichen, war mein Ziel.“ Seiner politischen Linie will der SPD-Kandidat auch im weiteren Wahlkampf treu bleiben. „Ich stehe für ein Miteinander für Schwerin, das alle gesellschaftlichen Gruppen zusammen bringt“, so Timm. Die „guten Vorschläge“ seines bisherigen CDU-Mitbewerbers Kruse zur Wirtschaftspolitik wolle er übernehmen, um weitere Wähler für sich zu gewinnen.

Zünglein an der Waage bei der Stichwahl könnte das bürgerliche Lager werden. Zwar hatte bei der ersten OB-Direktwahl vor sechs Jahren, als Norbert Claussen (CDU) und Gerd Böttger (Linke) in die Stichwahl gelangt waren und die SPD aus dem Rennen war, kein sozialdemokratisches Gremium offiziell eine Wahlempfehlung abgegeben. Dennoch hatten damals prominente SPD-Politiker davor gewarnt, den damaligen PDS-Kandidaten zu wählen. Offen ist nun, was die CDU empfiehlt, die jetzt aus dem OB-Rennen ist.

Kreischef Gerd-Ulrich Tanneberger, der aus seiner Enttäuschung über das gestrige Wahlergebnis keinen Hehl machte, kündigte an: „Die Schweriner Union wird am Dienstag im Kreisvorstand beraten. Ich halte eine Wahlempfehlung aber für den ehrlichsten Weg.“

Ob sich die treuen CDU-Wähler für die SPD-Unterstützung 2002 revanchieren und nun den SPD-Kandidaten unterstützen, gilt bei politischen Beobachtern als offen. Schließlich hätten die Sozialdemokraten den Bürgerentscheid über Norbert Claussen mit am entschiedensten gefordert, heißt es. Den hatten am 27. April die Schweriner deutlich abgewählt, bei einer Wahlbeteiligung von 44 Prozent.

Dass es gestern mit 43,8 Prozent fast ebenso viele Schweriner waren, die auch bei der Neubesetzung des OB-Amtes mitredeten, machte sowohl Wahlleiter Dr. Wolfram Friedersdorff als auch Stadtpräsident Stephan Nolte zufrieden. „Schließlich ist es immer leichter, gegen etwas zu sein, als politisch selbst zu gestalten“, so Nolte. Der amtierende OB Friedersdorff dankte den hunderten Wahlhelfern für ihre Arbeit, wünschte sich aber zugleich, dass sich für den 28. September noch mehr Freiwillige im Stadthaus melden.

Dann stehen auf den Wahlzetteln nur noch die Namen Gramkow und Timm. Beide machten auf SVZ-Anfrage schon einmal deutlich, warum sie sich im direkten Vergleich für den geeigneteren Kandidaten halten. „Wir sind beide verlässlich, aber ich habe mehr Verwaltungserfahrung“, sagte Ex-Innenminister Timm. Gramkow will mit ihrer „Schwerin-Kenntnis“ punkten: „Ich habe mehr Kompetenz in der Kommunalpolitik.“

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