Kritik an Tötung des gesamten Geflügelbestandes : Entenfarm Kobande wagt Neubeginn

entenfarm.jpg

Nach der Tötung von 17.000 Stück Geflügel am 13. und 14. November will der Geschäftsführer und Mitgesellschafter der Entenfarm Kobande neu durchstarten. Im Januar sollen wieder Tiere eingestallt werden.

von
30. November 2010, 08:57 Uhr

Kobande | In 35 Jahren im Beruf hat Dietmar Jopp schon vieles gesehen und manches durchgemacht. Doch die Tötung von 17 000 Stück Geflügel am 13. und 14. November setzt dem Geschäftsführer und Mitgesellschafter der Entenfarm Kobande noch heute zu. "Das war unser gesamter Bestand. Und was noch schlimmer ist: Das war vollkommen unnötig", sagt Jopp. Trotz dieses Tiefschlags geben die Kobander nicht auf. Im Januar sollen wieder Tiere eingestallt werden. Dieser Neubeginn ist aber auch ein Wagnis.

Denn die offizielle Begründung für die Keulung des Geflügels hieß Gefahrenabwehr. In Kobande war bei einer Kontrolle, an der das Unternehmen freiwillig teilnahm, bei auf Freiland gehaltenen Gänsen der Vogelgrippevirus vom Typ H5N2 festgestellt worden - bei 120 Tieren. Die Fachleute bezeichnen diesen Virus als niedrig pathogen - das bedeutet wenig krankmachend. Für die Menschen ist dieser Erreger ungefährlich. Sogar das Fleisch von infizierten Tieren kann verzehrt werden.

Nachdem die Viren nachgewiesen waren, wurden die Veterinärbehörden in Parchim und Schwerin aktiv. Landestierärztin Dr. Maria Dayen betonte: "Influenzaviren haben die Eigenschaft, sich von niedrig pathogen zu hoch pathogen zu entwickeln. Und genau darin liegt die Gefahr." Der Landkreis Parchim ordnete daraufhin die Tötung aller Tiere auf der Farm an. "Also nicht nur der 120 infizierten Gänse, sondern auch aller vollkommen gesunden Vögel", beklagt Dietmar Jopp. Das waren um die 4000 Gänse kurz vor der Schlachtreife. Und wie der Name des Betriebes es schon sagt, gab es in Kobande vor allem Enten: etwa 12 000. Auch die Pekingen ten, Flug enten und Mularden sollten als Weihnachtsbraten Kunden in ganz Deutschland schmecken. Insgesamt spricht Jopp von 85 Tonnen Geflügelfleisch. "Das wurde vernichtet, obwohl es für den menschlichen Verzehr uneingeschränkt geeignet war."

Der Kobander Unternehmer geht mit seiner Kritik noch weiter. Für ihn ist es nur eine unbewiesene Hypothese, dass sich das schwache Vogelgrippevirus zu einem gefährlichen entwickeln kann. "Wenn von dieser absurden Theorie nicht abgerückt wird, ist die gesamte Freilandhaltung von Geflügel einer ständigen Gefahr ausgesetzt", betont Jopp. Schon als er in die Branche einstieg, gingen alle Beteiligten davon aus, dass in Wildvögelbeständen

15 Prozent der Tiere mit Influenzaviren befallen sind. "Daran dürfte sich bis heute nichts geändert haben", so Jopp. Haustierbestände komplett abzuschotten, ist aber unmöglich. Es sei denn, alle Wildvögel werden abgeschossen oder die Freilandhaltung wird eingestellt. "Das geht natürlich beides nicht", weiß Jopp.

Er fordert daher einen angemessenen Umgang mit solchen Fällen und klare Entscheidungen von der zuständigen Behörde. "Das ist in unserem Fall das Veterinäramt des Kreises Parchim", betont Jopp. Dass in Kobande das Landwirt schaftsministe rium massiv eingriff und EU-Regelungen als Begründung herhalten mussten, kann Jopp nicht nachvollziehen. Und auch der in Aussicht gestellte Ausgleich für die Entenfarm Kobande aus der Seuchenschutzkasse kann den Landwirt nicht milde stimmen. "Da läuft jetzt die Regulierung an. Zudem ist unklar, wie hoch die Entschädigungszahlung letztlich ausfällt."

Noch schlimmer als der finanzielle Verlust wiegt für Dietmar Jopp der Imageschaden. Zwar ist es dem Kobander Unternehmen gelungen, für die Großkunden Ersatz zu beschaffen. Auch die vielen Stammkunden aus Westmecklenburg können ihren Weihnachtsbraten weiterhin in Kobande kaufen. Denn die Außenstelle des Betriebes in Dahlen (Sachsen) blieb von den gesamten Geschehnissen verschont. Dort werden die Tiere weiterhin geschlachtet und auch im Kobander Hofladen verkauft. "Doch viele Menschen sind einfach verunsichert", berichtet Dietmar Jopp. Zugleich freut sich der

Geschäftsführer der Entenfarm über den großen Zuspruch, der gerade vom Stammkunden kam. Das war letztlich der entscheidende Grund, den Betrieb nicht zu schließen. "Die ersten Tage nach der

Tötung waren einfach schlimm. Nicht nur für mich, sondern auch für die acht Angestellten hier", blickt Jopp zurück. Gemeinsam will die Belegschaft da rauskommen und weitermachen. "Wir wollen 2013 das 50-jährige Bestehen der Entenfarm groß feiern", betont Jopp.

Doch dafür muss jetzt einiges geschehen. Noch läuft die Reinigung der Ställe mit Hochdruck auf Hochtouren. Danach muss alles desinfiziert und kontrolliert werden. Um zu Ostern wieder Geflügel aus Kobande anbieten zu können, müssen schon im Januar Entenküken und Gössel eingestallt werden.

Zudem soll auch das zweite Geschäftsfeld der Entenfarm neu aufgebaut werden: Die Aufzucht von Jungtieren, die mit dem Verkaufswagen zu Kleintierhaltern in ganz Westmecklenburg gebracht werden. Im späten Frühjahr startet dieses Geschäft. Insgesamt werden auf der Entenfarm Kobande um die 200 000 Tiere gezüchtet, aufgezogen und zum Teil auch gemästet. "Das Weihnachtsgeschäft ist dabei unser absolut wichtigster Teil", macht Jopp nochmals klar. "Und das wurde uns in diesem Jahr ohne Not kaputt gemacht."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen