„Ende des Klüngels“ - Pro und Kontra nach der CDU-Wahlempfehlung für Timm

Die Unterstützung der CDU für den SPD-Kandidaten Dr. Gottfried Timm, die der Kreisvorstand am Mittwoch beschlossen hatte, sorgt für Gesprächsstoff. So richtig zufrieden zeigen sich vor allem die Bündnisgrünen. „Das ist wohl endlich das Ende des unerträglichen Klüngels zwischen CDU- und Links-Fraktion in der Stadtvertretung“, so Stadtvertreter Dr. Edmund Haferbeck.

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18. September 2008, 08:09 Uhr

Schwerin - Als einen „Schlag ins Gesicht“ von CDU-Fraktionschef Gert Rudolf bezeichnete Dr. Edmund Haferbeck den Beschluss des CDU-Kreisvorstandes. „Dass sich eine unterlegene Partei vor einer Stichwahl positioniert, ist ein völlig normaler Vorgang. Aber in dieser Klarheit haben wir es nicht erwartet“, so der bündnisgrüne Politiker, dessen Partei sich schon vor dem Wahlkampf für die Unterstützung von Gottfried Timm ausgesprochen hatte.

Er hoffe, dass die Absprachen zwischen Links- und CDU-Fraktion nun ein Ende haben würden, die oftmals als Ziel nur eigene Parteiinteressen gehabt hätten, nicht aber das Wohl der Stadt.

Weniger euphorisch reagierte die CDU-Mittelstandsvereinigung MIT. „Wir sind mit beiden Kandidaten nicht glücklich“, sagt MIT-Kreischef Ralf Melzer mit Blick auf die Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters am 28. September zwischen Angelika Gramkow (Linke) und Dr. Gottfried Timm (SPD).

Die Wahlempfehlung seines Kreisvorstandes sehe er aber als eine logische Folge an, nachdem Timm versprochen hatte, wirtschaftliche Themen der CDU und ihres parteilosen Kandidaten Hans-Peter Kruse aufgreifen zu wollen.

„Ich schätze Frau Gramkows Kompetenz, doch für die Wirtschaft ist eine Oberbürgermeisterin der Linkspartei nicht gut“, sagt Melzer. Aber ohnehin sei der Beschluss des Kreisvorstandes nur eine Empfehlung. „Letztlich entscheidet an der Wahlurne jeder für sich selbst.“

In der Jungen Union hatte der Beschluss sogar für Erstaunen gesorgt. Sie hätte sich gewünscht, dass es zu keiner so deutlichen Positionierung kommen würde, gibt Junge-Union-Chefin Alexandra Vogel zu. „Es weiß doch schließlich jeder selbst, wen er unterstützen möchte.“

Die Schweriner Unternehmerin und langjährige Vizepräsidentin des Unternehmerverbandes, Veronika Wegrad-Paul, zeigte sich ebenfalls sehr erstaunt: „Dass sich der CDU-Kreisvorstand so explizit für die Unterstützung Timms ausgesprochen hat, überrascht mich genauso wie die Ankündigung des SPD-OB-Kandidaten, die wirtschaftspolitischen Grundsätze der Christdemokraten zu übernehmen.

So etwas klingt immer vordergründig und befremdlich. Ich habe gedacht, dass sich zwei große Volksparteien auch inhaltlich deutlich unterscheiden. Ich werde meine Wahlentscheidung von keiner Partei-Empfehlung abhängig machen.“

Ähnlich reagierten weitere Unternehmer wie etwa Verbands-Vizechefin Hannelore Glagla: „Ich entscheide selbst. Auf Empfehlungen kann ich verzichten.“

Die Linkspartei indes sieht den Beschluss als Ansporn: „Angelika Gramkow wird jetzt noch intensiver um Wählerstimmen werben. Sie wird den Wahlkampf weiterhin mit ihren eigenen Ideen für unsere Stadt gestalten. Die Schweriner entscheiden über ein Stadtoberhaupt und nicht über Parteien. Das wissen die Menschen und werden sich nicht durch parteitaktische Manöver beeinflussen lassen“, so Kreisvorsitzender Peter Brill.

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