Elternkurse sollen bei Erziehung helfen

Kinder sind ein großes Glück, aber sie bringen ihre Eltern auch manchmal zum Wahnsinn. Egal ob es der scheinbar grundlos schreiende Säugling ist, die trotzende Vierjährige oder der pubertierende 13-Jährige, der nicht verstehen will, dass er nicht in die Disco darf. Wohl kaum ein Elternpaar überkommt nicht gelegentlich ein Gefühl der Macht- und Hilflosigkeit.

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19. März 2008, 03:29 Uhr

Werte und Normen der Vergangenheit, die Eltern einen Halt in Erziehungsfragen gaben, sind heutzutage nicht mehr so klar definiert. Und auch die Elternrolle hat sich gewandelt. Eltern und Kinder begegnen sich öfter auf Augenhöhe. „Die Bedeutung der Vorbildrolle ist enorm gewachsen“, sagt Heidemarie Arnhold, Vorsitzende des Arbeitskreises Neue Erziehung in Berlin. „Eltern müssen als Persönlichkeit eine Autorität darstellen.“

Die Erziehungswissenschaftlerin Sigrid Tschöpe-Scheffler aus Köln mahnt, dass es „wohl kaum einen “Beruf„ gibt, für den so fahrlässig wenig Aus-, Weiter- und Fortbildung in Anspruch genommen wird wie für die Elternschaft und Erziehung“. Dabei erfordere Engagement in der Erziehung auch spezielles Wissen, sagt Rose Volz-Schmidt. Die Sozialpädagogin ist Initiatorin der Organisation wellcome in Hamburg, die Eltern in den ersten Wochen nach der Geburt unterstützt.

Doch wo bekommen Eltern das Wissen am besten her? Die Frage scheint im ersten Moment leicht zu beantworten, denn Angebote gibt es genug: Die Anzahl der gebundenen Erziehungsratgeber ist enorm. Eine Lösung der eigenen Probleme sind sie aber selten: „Gerade Eltern, die bewusst erziehen, verzweifeln oft angesichts ihrer eigenen Unzulänglichkeiten, zumal wenn sie in zahlreichen Erziehungsratgebern sogenannte Patentrezepte erhalten“, sagt Tschöpfe-Scheffler. Und häufig stünden in den Büchern gegensätzliche Empfehlungen.

Elternkurse sollen Abhilfe aus dem Erziehungsdilemma schaffen. „In die Eltern-Rolle findet man sich am besten ein, indem man seine Sorgen und Probleme mit anderen teilt, denen es ähnlich geht“, sagt Volz-Schmidt. In den Kursen diskutieren Eltern in Gruppen unter Anleitung über Erziehungsprobleme und tauschen Erfahrungen aus. Außerdem bekommen sie Informationen über die kindliche Entwicklung.

Welcher Kurs der richtige ist, muss jeder selbst entscheiden. „Zuerst muss ich sehen, an wen wenden sich die Kurse? Geht es um einen Erfahrungsaustausch für Erstgebärende, geht es um die Stärkung von Erziehungskompetenzen oder um konkrete Probleme?“, sagt Arnhold. Ein entscheidendes Auswahlkriterium ist der Leiter des Kurses. „Eltern sollten zu den Kursleitern Kontakt aufnehmen. Es ist wichtig, dass ihnen die Leitung sympathisch ist.“ Zudem lohnt ein Blick auf das hinter dem Kurs stehende Erziehungskonzept. Die meisten Kurse beruhen auf einem der folgenden Modelle:

STARKE ELTERN - STARKE KINDER: Der Kurs wurde vom Deutschen Kinderschutzbund entwickelt. Die Familie wird hier als System begriffen, dessen Angehörige sich gegenseitig beeinflussen. In Gesprächen sollen sich Eltern ihrer Stärken, aber auch ihrer negativen Verhaltensmuster bewusst werden. Ziel ist eine Verbesserung der Kommunikation und des Verständnisses innerhalb der Familie.

TRIPLE P (POSITIVE PARENTING PROGRAMM): In diesen Kursen lernen Eltern, das kindliche Verhalten zu lenken. Triple P macht Eltern konkrete Vorschläge, wie sie in verschiedenen Situationen positiv und kindgerecht reagieren können. Das Programm wurde auch als Kriseninterventionsprogramm entwickelt und richtet sich an Eltern mit Kindern zwischen zwei und zwölf Jahren.

STEP (SYSTEMATIC TRAINING FOR EFFECTIVE PARENTING): In wöchentlichen Gruppentreffen lernen Eltern herauszufinden, was das Kind mit seinem Verhalten bewirken will, und angemessen, nachvollziehbar und konsequent zu reagieren. Es geht nicht um Strafen und Belohnen, sondern um Einsicht und Kooperation. Das Training verlangt von den Eltern eine hohe Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit Erziehungsfragen und arbeitet mit Hilfsmaterialien wie Videos.

GORDON FAMILIEN-TRAINING: Das Trainingsprogramm des amerikanischen Psychologen Thomas Gordon basiert auf der Kommunikation von Eltern und Kindern. Tägliche Familienkonferenzen sollen Kommunikationstechniken üben. Eltern und Kinder begegnen sich auf Augenhöhe. Autoritäre und hierarchische Erziehungsmittel werden abgelehnt. Das Training richtet sich ausdrücklich gemeinsam an Eltern und Kinder ab elf Jahren sowie präventiv an Eltern kleinerer Kinder.

Schnelle Konfliktlösungen sollten Eltern von den Kursen nicht erwarten, sagt Sigrid Tschöpe-Scheffler: „Ich halte es für außerordentlich problematisch, wenn Eltern mit “Erziehungrezepten„ oder abstrakten Informationen konfrontiert werden.“ Denn jede Familie ist anders, und was für die eine gut ist, muss bei der anderen längst nicht passen. (Internet: www.ane.de/familienberatung/101-tipps/alle-tipps-alphabetisch-sortiert.html; www.erziehungstrends.de; www.familienhandbuch.de/cmain/a_Hauptseite.html; www.dksb.de; www.triplep.de; www.instep-online.de, www.gordontraining.org).

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