Eltern empört über Lehrer-Verlust

<strong>So dokumentieren die</strong> Kleinen ihren Willen, die Lehrerin zu behalten. <foto>privat</foto>
So dokumentieren die Kleinen ihren Willen, die Lehrerin zu behalten. privat

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07. Juli 2010, 09:33 Uhr

techentin | Ungetrübt ist die Freude auf die Ferien nicht in Teilen der Elternschaft von der Grundschule Techentin. Die erste Klasse wird ihre Klassenleiterin nicht behalten. Am Dienstag bekamen die Kinder ein Schreiben mit ins Hausaufgabenheft, in dem mitgeteilt wird, dass die Lehrerin im kommenden Schuljahr nicht mehr an der Schule sein wird. "Wir vom Elternrat finden es einfach unmöglich, wie mit Lehrern und Schülern umgegangen wird. Dass solche Entscheidungen auf den letzten Drücker bekannt gegeben werden, ist nicht akzeptabel", sagt Axel Herud. Er hat gestern viele Anrufe erhalten. Viele Eltern sind tief traurig über diese Entwicklung.

Bereits am 9. Juni hatte Herud sich gemeinsam mit Martina Richter, der Vorsitzenden des Schulelternrates der Techentiner Grundschule, an das Staatliche Schulamt in Schwerin gewandt und auf das Problem aufmerksam gemacht. Dass das Lehrerpersonalkarussell sich in jedem Jahr zur Sommerferienzeit dreht, ist inzwischen fast Alltag. In diesem Jahr kommt dazu, dass die Förderschulen nicht wie in der bisherigen Form bestehen bleiben. Kinder, die besondere Zuwendung benötigen, sollen dies in "normalen" Schulen bekommen. Lehrer mit unbefristeten Verträgen werden frei, die untergebracht werden müssen.

Kollegium arbeitete aus Sicht der Eltern sehr gut zusammen

Das ist der Hintergrund, vor dem sich die aktuelle Situation widerspiegelt. "Für eine kontinuierliche und gute Zusammenarbeit des Lehrerteams im Sinne der Selbstständigen Schule, wäre es förderlich, wenn das Team so bestehen bleibt. Aus der Sicht der Elternschaft arbeitet das jetzige Kollegium sehr engagiert zusammen", heißt es in dem Brief der Eltern. Und: "Die Grundschulzeit legt einen wichtigen Grundstein für die spätere lebenslange Lernentwicklung." Deshalb ist die Forderung der Eltern konsequent: Die Kinder brauchen in den ersten vier Jahren ihre Klassenlehrerin.

In einem zweiten Brief vom 28. Juni hinterfragen Martina Richter und Axel Herud allgemein die personelle Besetzung an den Grundschulen kritisch. "Eine Lehrkraft in der ersten Klasse kann nicht für ca. 25 Kinder (in unserem speziellen Fall sogar 28) einen maßgeschneiderten, individuellen Lernplan, der sich voll und ganz nach den Bedürfnissen, Fähigkeiten und Möglichkeiten eines jeden einzelnen Kindes orientiert, erstellen und diesen nachhaltig umsetzen. In unserem konkreten Fall befürchten wir, dass die Klassenwiederholung der jetzigen Erstklässler (3) nicht den geforderten und notwendigen Erfolg bringen wird und nicht leisten kann. Letztlich wird diesen Kindern nur der Weg zur Förderschule bleiben - Fazit: Integration nicht gelungen!"

Die Ungewissheit, wie es im nächsten Schuljahr weitergehen werde, sei bedrückend, sagt Martina Richter. Notwendig wäre eine Doppelbesetzung mit Lehrern in der ersten und zweiten Klasse, um individuelle Lehrpläne erstellen zu können. Letztlich zeigt die Entscheidung des Lehrerwechsels, dass die Stimme der Eltern ungehört zu verhallen scheint.

Landräte und Oberbürgermeister aus Westmecklenburg haben einen offenen Brief verfasst (SVZ berichtete). Darin äußern sie sich ebenfalls besorgt, dass ab dem kommenden Schuljahr keine ersten Klassen an allgemeinen Förderschulen mehr gebildet werden sollen.

Aus unserer Sicht sind die Schulen auf einen solchen Schritt nicht vorbereitet. Gerade hinsichtlich notwendiger Fortbildung bedarf es eines längeren Anlaufs", so die Forderung. Schulleiter und -sozialarbeiter üben ebenfalls Kritik. Sie monieren, dass es keine Fortbildung für Grundschullehrer gegeben habe und personelle Verstärkung nicht in Aussicht stünde.

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