Else Schoknecht wird 108 - Älteste Bürgerin von MV hatte nie einen Fernseher

Die Rentnerin Else Schoknecht. Die Demminerin, die nur Plattdeutsch spricht, feiert am 17. August 2008 ihren 108. Geburtstag und ist damit eine der ältesten Deutschen. Die 1900 in der vorpommerschen Kleinstadt an der Peene geborene Ilse Schoknecht lebt seit 1999 im Plegeheim. Zuvor hatte sie 78 Jahre im nahegelegenen Dörfchen Upost verbracht. Foto: Winfried Wagner, dpa
Die Rentnerin Else Schoknecht. Die Demminerin, die nur Plattdeutsch spricht, feiert am 17. August 2008 ihren 108. Geburtstag und ist damit eine der ältesten Deutschen. Die 1900 in der vorpommerschen Kleinstadt an der Peene geborene Ilse Schoknecht lebt seit 1999 im Plegeheim. Zuvor hatte sie 78 Jahre im nahegelegenen Dörfchen Upost verbracht. Foto: Winfried Wagner, dpa

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14. August 2008, 09:14 Uhr

Demmin - In ihren nunmehr 108 Lebensjahren hat sie das Kaiserreich erlebt, den Nationalsozialismus, 40 Jahre DDR und nun auch die Bundesrepublik.

„Mit Politik häw ick mie nie befasst“, sagt Else Schoknecht aus Demmin auf Plattdeutsch. Einen Fernseher habe sie zudem nie besessen. Und so verwundert es kaum, wenn sich die Jubilarin, die an diesem Sonntag einen außergewöhnlichen Geburtstag feiert, weder an Ex-DDR-Staatschef Erich Honecker erinnert, noch TV-Entertainer Thomas Gottschalk kennt.

Mit ihren 108 Jahren gehört die Rentnerin aus dem Peene-Städtchen zu den ältesten Menschen in Deutschland, in MV ist niemand älter.

Um auf dem Laufenden zu sein, brauche sie so etwas wie einen Fernseher nicht. „Was neu ist, erzählen mir die Kinder“, sagt die grauhaarige Frau, die heute im evangelischen Pflegeheim Gertraudenstift ihrer Geburtsstadt lebt. „Autos werden immer teurer, und der Sprit kostet so viel wie nie“, zeigt sich die Frau bestens informiert, obwohl sie selbst nie ein Auto hatte. Ihr Mann war Landarbeiter und starb 1977.

Heimleiterin Birgitt Kühte bescheinigt der rüstigen Rentnerin eine gute Verfassung. „Sie läuft noch allein mit dem Rollator durch das Haus und gehört zu unseren besten Sängerinnen.“ Ihren Rollator nennt sie scherzhaft Mercedes.

Else Schoknecht wurde am 17. August 1900 in Demmin geboren und war die älteste von zehn Geschwistern einer armen Landarbeiterfamilie. „Am 27. September 1914 hatte ich Konfirmation“, weiß die Rentnerin noch genau.

Die Jahre in Berlin, wo sie zwischen 1916 und 1920 war, blieben ihr anscheinend am besten im Gedächtnis. „Da wurden Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg umgebracht, da war Bürgerkrieg“, erzählt sie und macht damit deutlich, dass das politische Geschehen doch nicht ganz spurlos an ihr vorüberging. Auch an adelige Herrschaften, bei denen sie als Hausmädchen diente, erinnert sie sich und daran, wie ihr Vater sie zurückholte. Nach Berlin habe sie nie wieder gewollt.

Nachdem sie 1920 ihren Mann kennenlernte, lebte Else Schoknecht 78 Jahre im kleinen Upost, einem 95-Seelen-Dorf bei Demmin. „Das war immer schwere Arbeit in der Landwirtschaft, wie Garben binden und aufstellen“, blickt sie zurück. Dort zog sie zwei Jungen groß, wurde als 49-Jährige DDR-Bürgerin und fand sich als 90-Jährige in einem geeinten Deutschland wieder. Dem früheren Bundeskanzler Helmut Kohl hält sie zugute, „dass der uns die Rente erhöht hat“.

Heute gehören auch vier Enkel, neun Urenkel und fünf Ururenkel zu ihrer Familie. Noch bis ins hohe Alter von 99 Jahren hatte die geistig rege Frau allein gelebt. Erst dann kam sie ins Pflegeheim. „Hauptsache mein ,Mercedes’ lässt mich nicht im Stich und ich kann mich immer noch fast ganz selbst versorgen“, wünscht sich Else Schoknecht zu ihrem 108.

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