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24. November 2017 | 07:03 Uhr

Eklige Funde in gelben Tonnen

vom

Verkommt die Weststadt zur Müllstadt? Die beiden großen Vermieter Wobau und PWG haben gemeinsam den Kampf gegen Schmutzfinken aufgenommen. Dabei sind sie aber auch auf die Mitwirkung der Bürger angewiesen.

svz.de von
erstellt am 17.Dez.2008 | 06:47 Uhr

Parchim | Hans-Jürgen Rose kann eigentlich nichts mehr umhauen. Der Parchimer ist seit 2000 Hausmeister bei der Parchimer Wohnungsbaugesellschaft (Wobau). Gemeinsam mit seinen beiden anderen für die Weststadt zuständigen Hausmeister-Kollegen dreht er jeden Morgen erst einmal eine Runde zu den Containerplätzen. Dönerspieße, 100 leere Wodkaflaschen, Babywindeln, ganze Tüten mit abgenagten Knochen und Speiseresten - es gibt nichts, was der Hausmeister nicht schon aus den gelben Behältern herausgezogen hat.

Aus den Tonnen, in die eigentlich ausschließlich mit dem grünen Punkt gekennzeichnete Verpackungsreste wandern sollen. Gegen 9 Uhr hatten Rose und seine Kollegen schon wieder ihren kleinen Transporter randvoll mit Müll beladen, der gleich nach Rom transportiert wird. Die ekligen Hinterlassenschaften, die sich an einem Stellplatz im Bereich Leninstraße/Walter-Hase-Straße getürmt hatten, passten schon gar nicht mehr auf die Ladefläche.

Hier befindet sich einer der Müll-Brennpunkte in dem Stadtteil. Wobau-Chefin Gerda Behrend mag sich gar nicht vorstellen, wie es hier wieder über die Weihnachtsfeiertage aussehen wird. Auch PWG-Vorstand Erhard Vick hat eine schlimme Vorahnung. Vor allem, seit vor etwa zwei Jahren mit einem neuen Entsorger andere Behälter in die Weststadt Einzug hielten, hat sich das Problem enorm zugespitzt. Kapitulieren wollen Wobau und PWG aber nicht. Im Gegenteil, sie setzen auf Schulterschluss im Kampf gegen die Müllsünder, die bei weitem nicht alle ihre Adresse in der Weststadt haben. Denn immer wieder beobachten Anwohner, wie im Schutze der Dunkelheit Fahrzeuge, einige sogar als Firmenwagen zu erkennen, vorfahren und die öffentlich zugänglichen Tonnen zumüllen. Es sollen sogar schon Parchimer gesehen worden sein, die verschämt Abfall in die Behälter schmuggelten, obwohl sie zuhause eine eigene Restmülltonne haben.

Dem wollen die Vermieter künftig konsequent einen Riegel vorschieben. Die Wobau hat bereits drei Stellflächen einzäunen lassen, die Kosten allein dafür beliefen sich auf rund 26 000 Euro. Querverbindungen zwischen einigen Wohnblöcken sollen ebenfalls geschlossen werden, um den "Mülltourismus" zu unterbinden. Im Innenhof-Bereich Karl-Liebknecht-Straße / Geschwister-Scholl-Straße sind vor wenigen Tagen drei gelbe Container "eingehaust" worden.

Eine kleine praktische Veränderung, die bereits Wirkung zeigte: Es sieht einfach ordentlicher aus. Im neuen Jahr wollen Wobau und PWG gemeinsam den Stellplatz auf dem Innenhof Beimlerstraße 13 bis 24 einzäunen lassen und in einem Aufwasch die marode Wohnstraße gleich mitmachen. Die Kosten teilen sich die beiden Vermieter.

Gefragt ist beim Kampf gegen Schmutzfinken die Unterstützung der Anwohner. Wer beobachtet, wie jemand ganze Kofferraumladungen in die Behälter stopft, sollte sich das Kennzeichen notieren und auf diese Weise helfen, die Verursacher ausfindig zu machen. Die sollen für den zusätzlichen Entsorgungsaufwand nämlich zur Kasse gebeten werden. Auch auf einige andere eindeutige Spuren, die Unverbesserliche in oder neben den gelben Behältern zurückließen, werden die Vermieter in den nächsten Tagen zurückkommen.

Nicht nur Familie Scheel hofft, dass das leidige Müllproblem in ihrer Weststadt aus der Welt geschafft wird. Das ältere Ehepaar wohnt seit 1971 in diesem Stadtteil und zog vor fünf Jahren sogar noch einmal in einen neu sanierten Block in die Leninstraße um. "Wir fühlen uns sehr wohl hier", freuten sich Scheels in den vergangenen Jahren darüber, wie sich das gesamte Wohnumfeld gemausert hat, sogar eine grüne Mitte entstanden ist. Dass es Leute gibt, die all das mit Füßen treten, stimmt sie regelrecht traurig.

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