Ekelwurst vom Minister

Hmm, lecker
Hmm, lecker

Lecker ist anders: Die mit großer Medienbegleitung von Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) in die Schulen geschickten 12 700 Bio-Brotboxen müssen zurück. Unappetitlich aussehende Würste machten die Pausen-Mahlzeit ungenießbar.

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14. Oktober 2009, 09:50 Uhr

Parchim | Verschrumpelte Würste haben eine der größten Rückrufaktionen der Lebensmittelbranche Mecklenburg-Vorpommerns ausgelöst. Der ungenießbar aussehende Inhalt der seit Dienstag verteilten 12 700 Bio-Brotboxen (eine Aktion des Landwirtschafts- und des Bildungsministers) hatte am Mittwoch diverse Lehrer im Landkreis Parchim alarmiert. Doch erst auf Nachfrage unserer Zeitung löste Backhaus am Mittwoch Vormittag die Rückrufaktion aus.

Als Helga Heinke, die Sekretärin der Mestliner Grundschule die Bio-Brot-Box bei der Verteilerstelle in der Landputen GmbH in Severin abholte, traute sie ihren Augen kaum: Die in der Plastebox liegende Salami einer Firma aus Nordvorpommern war weiß angelaufen, schmierig, sah ungenießbar aus und roch etwas.

Zuvor hatten bereits Mitarbeiter der Landpute etliche Boxen, die sie nur verteilen sollten, geöffnet und gleiches festgestellt. "Unsere Abteilung Qualitätssicherung hätte diese Charge gesperrt, wir haben das gemeldet, sollten aber dennoch ausliefern", so Frank Kremer von der Landpute. Damit nicht seine Firma in den Ruf kommt, diese Wurst geliefert zu haben, wurde den Sendungen ein Brief an die Schulen beigelegt, in dem sie sich von dem Wurst-Inhalt distanziert. Außerdem spendierten die Severiner kurzfristig kleine Minisalamis der Sorte "Putis", damit die Kinder nicht auf eine Wurst verzichten mussten.

Helga Heinke holte dann Obst aus dem eigenen Garten und so war das gesunde Frühstück an der Mestliner Schule doch noch gerettet. Auch in der Parchimer Grundschule West sah die Wurst nicht appetitlich aus. Die Diesterweg-Schule hatte ihre Boxen noch nicht abgeholt und in der Goethe-Grundschule wurde die Wurst aus den Boxen entnommen und nicht verteilt.

Ramona Witt vom Verein landaktiv e.V. in Dierhagen als Organisator der Aktion bestätigte am Mittwoch am Telefon, dass "die Salami zu frisch war und der Versand ein Risiko gewesen" sei. Sie bedauert den Vorfall, auch wenn es nur eine reine Äußerlichkeit war, so sei die Wirkung "katastrophal". "Eigentlich ist dies eine große Idee, die zum sechsten Male erfolgte und allen Beteiligten auch viel Spaß bereite", so Ramona Witt. Sie gab auch zu bedenken, ob die Plasteboxen die ideale Verpackung seien. Landwirtschaftsminister Till Backhaus wies darauf hin, dass "Veränderungen an der Oberfläche der Wurst keine Verderbnisanzeichen" seien.

Bleibt die Frage: Wenn alle Beteiligten, auch die Lebensmittelproduzenten, wussten, dass die Wurst "unappetitlich" aussehen könnte, warum stoppten sie dann die Aktion nicht gleich? "Da scheinen wir wohl nicht ganz richtig gehandelt zu haben und tragen damit eine gewisse Mitschuld", hieß es vom Verein landaktiv.Kommentar: Seite 2
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