Noch ist die Fahrrinne nach Hiddensee passierbar : Eisbeobachter vor Hiddensee

Ostseeinsel unter Schnee: Wenn das Eis zu dick wird, sollen Hubschrauber die Versorgung der Insel sichern. dpa
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Ostseeinsel unter Schnee: Wenn das Eis zu dick wird, sollen Hubschrauber die Versorgung der Insel sichern. dpa

Noch ist die Fahrrinne frei, doch das Eis an den Rändern der Boddengewässer zwischen Hiddensee und Rügen wächst. Erinnerungen an den Chaos-Winter 2009/10 werden wach.

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06. Dezember 2010, 10:05 Uhr

"Wir sind den Ereignissen hinterher gelaufen. Das darf nicht noch einmal passieren", sagt Hiddensees neuer Bürgermeister Thomas Gens (CDU).

Nach dem Verkehrschaos im vergangenen Eiswinter soll das "söte Länneken" in diesem Winter besser erreichbar bleiben. Die Reederei Hiddensee, ein Tochterunternehmen der Weißen Flotte Stralsund, hat nach eigenen Angaben zusammen mit der Gemeinde einen Notfallplan entwickelt, um bei zugefrorenen Boddengewässern schnell reagieren zu können. Im letzten Winter war die Insel tagelang von der Außenwelt abgeschnitten und musste wegen des bis zu 40 Zentimeter dicken Eispanzers per Luftbrücke versorgt werden.

Mit dem dreistufigen Notfallplan soll gesichert werden, dass Notärzte, Versorgungseinrichtungen und auch die betroffenen Bewohner rechtzeitig informiert werden, sagt der Betriebsleiter der Weißen Flotte, Jörg Lettau. Sicherer werden sollen zudem die Prognosen über die erwartete Eisentwicklung. Dazu arbeiten die Kapitäne der Hiddensee-Fähren erstmals als Eisbeobachter für das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie. Die Rostocker Behörde erstellt aus den Meldungen Vier-Tagesprognosen zur erwarteten Eisentwicklung vor der Insel. "Mit diesen Informationen können alle Beteiligten schneller reagieren und Vorbereitungen treffen", zeigt sich Lettau optimistisch.

Auch das Wasser- und Schifffahrtsamt in Stralsund hat sich gerüstet. Nach einer Woche Dauerfrost bildet sich inzwischen auf den Boddengewässern das erste Eis. "Die Eisbrecher-Flotte ist einsatzbereit", sagt Amtsleiter Holger Brydda. Aus der Erfahrung des vergangenen Jahres hat das Amt erstmals zusätzlich einen kleinen Eisbrecher mit hoher Leistung und niedrigem Tiefgang ausgeschrieben, der in den flachen Boddengewässern eingesetzt werden kann.

Er soll die Flotte um den Eisbrecher "Arkona" und die eisbrechenden Tonnenleger "Görmitz" und "Ranzow" sowie drei weitere Tonnenleger ergänzen.

Im Winter setzen täglich zwischen 100 und 200 Menschen zur und von der Insel Hiddensee über. Im vergangenen Winter hatten Insulaner und Urlauber das mangelhafte Informationssystem der Reederei kritisiert. Urlauber warteten am Fähranleger mit gepackten Koffern, Hiddenseer mussten kurzfristig Arzttermine absagen, weil die Fähre nicht auslaufen konnte.

Darauf hat die Reederei reagiert: Insel-Bewohner, Pendler und Urlauber können sich über ein Fahrplaninformationssystem per SMS oder E-mail schnell über Fahrplanänderungen informieren lassen - auch wenn es am Donnerstag beim ersten "Stresstest" eine Panne gab und die Kurznachrichten nicht ankamen. "Anfangsschwierigkeiten", meint Bürgermeister Gens. Er, der erst im September das Bürgermeisteramt übernahm, gehörte im vorigen Jahr zu den schärfsten Kritikern des damals verpatzten Krisenmanagements. In diesem Jahr soll es auch dann besser laufen, wenn die Reederei den Fährverkehr zwischen Rügen und Hiddensee wegen des Eises einstellen muss. Denn Flottenchef Lettau stellt klar: "Ab einer festen Eisdecke von 30 Zentimetern wird die Hiddensee-Fähre nicht mehr verkehren." Im vergangenen Jahr hatte sich die "Vitte" im Eis festgefahren und musste aufwändig repariert werden. Notverträge mit Helikopter-Unternehmen sollen nun sicherstellen, dass die Versorgung aus der Luft im Ernstfall schnell gewährleistet ist, wie Gens sagt. Er dringt nach ersten mündlichen Absprachen auf verbindliche Aussagen des Landes zur finanziellen Beteiligung an den Kosten.

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