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Landkreis Güstrow sperrt Gehweg vor dem Haus in der Domstraße 14 : Einzeldenkmal ohne Zukunft

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Das Haus ist zur Gefahr geworden. Größere Putzflächen sind herabgestürzt. Der über Jahre stille Verfall des Gebäudes hat ein Maß erreicht, dass die Bauaufsicht des Landkreises einschreiten musste.

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erstellt am 14.Jul.2011 | 08:00 Uhr

Güstrow | Das Haus in der Domstraße 14 ist zur Gefahr geworden. Größere Putzflächen sind herabgestürzt. Der über Jahre stille Verfall des Gebäudes hat ein Maß erreicht, dass die Bauaufsicht des Landkreises einschreiten musste. Dass für die Absperrung ein sehr massiver Zaun gewählt wurde, macht deutlich, dass mit einer Lösung des Problems in absehbarer Zukunft nicht zu rechnen ist. Mehr noch: Der Landkreis kündigt an, die Domstraße und die Kerstingstraße im nächsten Jahr zu sperren, für den Fall, dass nichts zur Sicherung des Hauses passiert.

"Die Fassade ist so weit geschädigt, dass die Sicherheit der Passanten nicht mehr gewährleistet werden kann", sagt Uta Batarow, Bereichsingenieurin bei der Bauaufsicht des Landkreises. Putzbrocken seien herabgestürzt. "In der Domstraße hat jemand etwas auf den Kopf bekommen", fügt sie hinzu und macht das Ausmaß der Gefahr deutlich. Die Eigentümer seien darüber informiert worden. Weil diese nicht handelten, sah sich der Landkreis zu einer so genannten Ersatzvornahme gezwungen. Er ließ den Zaun aufstellen und wird die Kosten dafür den Eigentümern in Rechnung stellen.

Umfangreiche Sicherungen im Dachbereich schon 2010

Dieses Prozedere läuft nicht zum ersten Mal. Seit sieben Jahren sei die Bauaufsicht immer wieder mit der Domstraße 14 befasst. "Im vergangenen Jahr haben wir Schornsteinköpfe herunter nehmen und Gauben und Attika neu abdecken lassen", berichtet Uta Batarow. Da nicht abzusehen sei, was als nächstes passieren kann, sei ein Abschlagen des gesamten Putzes erwägt, aber wieder verworfen worden, weil das auf Dauer die Standsicherheit des Hauses gefährden könnte, erklärt die Mitarbeiterin der Bauaufsicht.

Das Haus gehörte einer jüdischen Familie, die 1939 nach Palästina emigrierte. Ansprechpartner für den Landkreis ist jetzt eine Erbengemeinschaft.

Das etwa 300 Jahre alte Gebäude mit Palais-Charakter sei eines der wenigen Baudenkmale der barocken Residenzstadt, betont Jürgen Höhnke von der Gesellschaft für Denkmalpflege in Güstrow. "Hier muss jetzt was passieren", betont der passionierte Denkmalschützer. Man könne dem Verfall nicht tatenlos zusehen. Höhnke erinnert sich an einen Interessenten für das Haus. Ein Verkauf sei seinerzeit aber letztendlich nicht zu Stande gekommen, bedauert der Güstrower.

Die Stadt verhandle seit Jahren mit den Erben in Israel und den USA. Auf Angebote seien diese bisher nicht eingegangen, betont Arne Schuldt. "Es ist Privateigentum. Als Stadt sind wir auf den Goodwill angewiesen", fügt der Bürgermeister hinzu und verweist auf den Landkreis. Der allein könne sich als Untere Bauaufsicht und Denkmalschutzbehörde - die Domstraße 14 ist ein Einzeldenkmal - über Privateigentum hinwegsetzen und auf eigene Rechnung handeln.

"Wir können beim Zaun nicht Halt machen", bestätigt auch Burkhard Krause, 2. Beigeordneter des Landrates, und kündigt an, dass der Landkreis das Gebäude unter Kontrolle hält und gegebenenfalls weitere Sicherungsmaßnahmen veranlassen wird.

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