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21. September 2017 | 10:52 Uhr

Einst Bandit, heute Schriftsteller

vom

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erstellt am 22.Okt.2010 | 09:35 Uhr

Bützow | "Du bis ein Bandit." Das sagte ein Richter 1963 zum damals 14-jährigen Wolfgang Severin-Iben. "Der Bandit" ist auch der Titel der Autobiografie, an der der 61-jährige Bützower gerade arbeitet. Eine erste Kostprobe gab er diese Woche in der Galerie "Stine" in Bützow.

Eine alte Erika-Schreibmaschine steht auf dem Schreibtisch, darauf liegen weiße, unbeschriebene Blätter. Daneben ein A 4-Block mit handschriftlichen Aufzeichnungen. Über den ganzen Tisch sind diverse Schriftstücke und offene Büchlein verstreut. Der Bützower Maler greift gegenwärtig weniger zu Farbe und Pinsel, sondern wälzt alte Aufzeichnungen oder macht sich Notizen zu Erinnerungen, die durch seinen Kopf schwirren. Severin-Iben schreibt an seiner Biografie und wählte dafür den provozierenden Titel "Der Bandit".

"Die meisten Menschen kennen mich nur als Maler, nun will ich auch mal erzählen, was ich alles erlebt habe", sagt der 61-Jährige. Die Fakten dafür stammen aus seinem Gedächtnis sowie aus diversen Dokumenten wie der Akte vom Volkspolizei-Kreisamt Bützow von 1963. "Ich bin damals mit 14 Jahren auf die schiefe Bahn geraten", erzählt Severin-Iben. In seiner Autobiografie widmet er sich dieser Zeit ausführlich. Beispielsweise schildert er, wie er eine Jugendbande gründete und mit ihr in diverse Bützower Einrichtungen einstieg. Schließlich wird die Bande bei einem ihrer Raubzüge von der Polizei gefasst. "Mit den Aussagen vor den Kriminalisten beginnt auch die Autobiografie", verrät der Autor. Er sei schonungs- und kompromisslos sich selbst gegenüber, beschreibt er. Er mache aber auch deutlich, warum es ihn zu solchen Taten trieb. "Ich fühlte mich nicht genug beachtet, es war eine unbestimmbare Rache gegenüber anderen, von denen ich dachte, dass sie Schuld an meiner Lage sind", erklärt der Bützower.

Einer, der in dieser Zeit zu ihm hielt, war sein Vater. Aussagen wie: "Ich habe bisher von anderen Personen keine Klagen über Wolfgang erfahren" oder: "Wenn ich meinen Sohn Wolfgang einschätze, so möchte ich sagen, dass er noch ein Spielkind ist" , sind in der Polizeiakte vermerkt. Doch der väterliche Beistand nützt nichts. Laut Severin-Iben kommt es zu einem Aufsehen erregenden Prozess am einstigen Amtsgericht Bützow. "Dort wurde ich als ,Bandit bezeichnet", sagt er mit Blick auf den Buchtitel. Damals sei er nur haarscharf an einer Strafe im Jugendwerkhof vorbeigeschrammt.

Neben seiner Jugendzeit soll auch sein Aufenthalt in der Justizvollzugsanstalt Platz in der Autobiografie einnehmen. Dort saß er 1979 wegen "Fahnenschändung" ein. Auch über ständigen Bespitzelung durch Mitarbeiter der Staatssicherheit will er schreiben.

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