Einkaufsspaß und Händlerfrust

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10. Juni 2008, 10:56 Uhr

Rostock


Shoppen bis Mitternacht lässt die Umsätze hoch schnellen - Ein Blick auf die Öffnungszeiten vieler Geschäfte zeigt: Von den neuen Bestimmungen wird in Rostock nur bedingt Gebrauch gemacht. „Dass die Geschäfte in Rostock irgendwann rund um die Uhr aufhaben werden, ist nicht zu erwarten“, sagt Heinz Kopp vom Einzelhandelsverband Nord. Aktionen wie das Mitternachtsshopping ließen jedoch die Umsätze in die Höhe schnellen. Inzwischen werde auch der Sonnabendnachmittag verstärkt zum Einkaufen genutzt. Silke Röpke, Inhaberin eines Uhren- und Schmuckgeschäftes, kann aus anderen Gründen nicht sonntags öffnen. „Die Parksituation hier im Barnstorfer Weg erlaubt es einfach nicht“, sagt sie. Das „Trendfloristik und Design“-Geschäft hat wochentags von 10 bis 19 Uhr und sonnabends von 10 bis14 Uhr auf. „Länger lohnt sich nicht“, sagt Cindy Mönnich.


Hagenow


Konsum-Filialen sonnabends eine Stunde länger offen - „Unsere Kunden haben das Angebot angenommen, montags bis sonnabends von 7 bis 22 Uhr im Rewe-Markt einkaufen zu können“, so die Hagenower Marktleiterin Simara Tober. „Mit dem Zuspruch sind wir zufrieden, gerade am Freitag und am Sonnabend suchen noch sehr viele Käufer abends unseren Einkaufsmarkt auf.“ Henry Keller, Chef vom Sky-Markt: „Montags bis sonnabends haben wir von 7 bis 20 Uhr geöffnet, wenn es nach uns geht, wollen wir das auch nicht ändern. Das ist völlig ausreichend.“ Auch Gesa Schwerdtfeger vom Vorstand der Konsumgenossenschaft Hagenow sieht keinen Anlass, die Öffnungszeiten der drei Frische-Märkte zu verändern. „Von 7 bis 18.30 Uhr können die Kunden einkaufen. Seit dem 7. Juni gibt es eine Neuerung, am Sonnabend haben unsere Märkte jetzt eine Stunde länger bis 13 Uhr geöffnet. Wir wollen erst einmal das Kaufverhalten der Kunden testen, ob das Angebot angenommen wird.“


Güstrow


Güstrower fahren lieber nach Rostock einkaufen - „Wo unsere Kunden es annehmen, öffnen wir länger. In der Güstrower Südstadt ist das der Fall. Wir sind zufrieden“, sagt Margit Kühn, Geschäftsführerin der OHG netto Supermarkt. Andere Supermärkte schließen in Güstrow weiter um 20 Uhr. In der Innenstadt hat sich mit dem neuen Ladenschlussgesetz vor einem Jahr nichts geändert. Um 18 Uhr ist Feierabend. Am Sonnabend halten die Händler bis 12 bzw. 13 Uhr durch. Den Versuch am Sonnabend länger zu öffnen, hat u. a. Annegret Dräger mit ihrem Sportgeschäft wieder aufgegeben. „Die Kunden nehmen es nicht an“, erklärt sie und kommt auf das in Güstrow seit Jahren leidige Thema: Die Güstrower fahren lieber nach Rostock zum Einkaufen. Und als Einzelkämpfer habe man ohnehin keine Chance. Wenn, dann müsste das Gros der Einzelhändler öffnen. Solche Einigkeit ist in Güstrow nicht zu machen.


Schwerin


Öffnung bis 22 Uhr war keine Eintagsfliege - Vor einem Jahr gehörte die Rewe-Gruppe zu den ersten Handelsriesen, die ihre Ladenöffnungszeiten bis 22 Uhr erweiterten. Inzwischen sind in der Landeshauptstadt weitere Supermärkte gefolgt. So können die Kunden in zwei Real-Märkten von donnerstags bis sonnabends bis 22 Uhr einkaufen. Die längeren Öffnungszeiten blieben keine Eintagsfliege, veränderten sich aber entsprechend der Nachfrage durch die Kunden. Einige Penny-Märkte, die zur Rewe-Gruppe gehören, verkürzten die Öffnungszeiten wieder um eine Stunde auf 21 Uhr, andere gingen sogar auf 20 Uhr zurück, die meisten blieben aber bei 22 Uhr. Wie der Sprecher der Rewe-Gruppe in Köln, Wolfram Schmuck, resümiert, werde es auch künftig bei verlängerten Öffnungszeiten bleiben, wo die Kunden, wie in Schwerin, diesen zusätzlichen Service nutzen.


Parchim


Ab 19 Uhr wird die Einkaufsmeile leer - Es gibt sie in Parchim, die Geschäfte, die an einem oder mehreren Wochentagen bis 22 Uhr ihre Ladentüren offen halten. Die Handelsketten Rewe und Real denken auch vorerst nicht daran, von dieser Praxis abzurücken, denn auch nach 20 Uhr strömen noch Kunden in die Häuser. Ganz anders stellt sich die Situation in der Einkaufsmeile, der Fußgängerzone Lange Straße dar. Das Kaufhaus Stolz hält die Fahne hoch und empfängt Kunden bis 19 Uhr, an langen Sonnabenden sogar bis 18 Uhr (sonst 16 Uhr). Der Einzelhandel schließt meist um 18 Uhr, Filialisten bleiben auch mal bis 18.30 oder 19 Uhr offen. Allerdings nutzen die Eldestädter die neuen Möglichkeiten des Ladenschlussgesetzes und veranstalten an diesem Sonnabend die 4. Parchimer Einkaufsnacht – von 19 bis 24 Uhr sind Kunden willkommen.


Lübz


Um 18 Uhr werden die Bürgersteige hoch geklappt - Wer in Lübz nach 18 Uhr einkaufen möchte, muss an den Rand der Stadt ins neu gebaute Einkaufszentrum fahren. Dort hat der Sky-Markt bis 20 Uhr geöffnet, die kleineren Geschäfte teils bis 19 Uhr. In der Lübzer Innenstadt hingegen werden die Bürgersteige schon um 18 Uhr mit dem Schließen der Läden hochgeklappt. „Später kommt auch keiner mehr“, sagt Sylvia Kurtz, Angestellte im Juwelier Kettler direkt am Markt. Ihr Chef plane eventuell, im Sommer oder zu Weihnachten den Laden länger zu öffnen. Aber das sei bisher nur eine Idee. „Fakt aber ist“, so Sylvia Kurtz, „dass sich viele Lübzer über die unterschiedlichen Öffnungszeiten über die Mittagszeit ärgern.“ Während die einen Händler durchgehend für ihre Kunden da seien, schlössen andere – wie im Süden Europas – die Türen einfach zu und machten eine ein- bis zweistündige Siesta.


Gadebusch


Hier ticken die Uhren noch wie vor einem Jahr - In Gadebusch wird von der Neuerung kaum Gebrauch gemacht. Zwar haben auch hier die Verbrauchermärkte werktags bis 20 Uhr geöffnet – einer von ihnen gar bis 22 Uhr – doch nur wenige Inhaber kleinerer Geschäfte haben ihre Öffnungszeiten im Vergleich zum letzten Jahr geändert. „Als Kunde nutze ich zwar die längeren Öffnungszeiten, als Anbieter aber nicht“, sagt Juwelier Gerd Lorenz. Er hält das Käuferpotenzial in Gadebusch nicht für ausreichend, um gerade im Non-Food-Bereich die Geschäfte länger zu öffnen, nicht zuletzt, weil auch nur wenige Besucher in den Ort kommen. Als Kunde empfindet er längere Öffnungszeiten zwar als angenehm, sagt aber auch: „Man kann sein Geld immer nur einmal ausgeben. Längere Ladenöffnungszeiten sind nur eine Verschiebung dieses Zeitpunkts“.


Bützow


Ladenschluss ist nicht angekommen - Spätestens um 20 Uhr sind in Bützow alle Läden dicht. So lange haben ohnehin nur ein paar Supermärkte
geöffnet. Der Bützower Penny-Markt versuchte kurzzeitig längere Öffnungszeiten bis 22 Uhr. Nach ein paar Tagen gab man das aber wieder auf. In der Bützower Innenstadt herrscht unter der Woche ab 18 Uhr gähnende Leere. Dann schließen die Einzelhändler ihre Geschäfte, einige wenige sogar noch früher. Einzig das Kaufhaus Stolz hat bis 18.30 Uhr geöffnet und sucht seit Jahren weitere Mitstreiter, die auch sonnabends länger öffnen. Bislang allerdings Fehlanzeige. Nicht einmal bei den Öffnungszeiten über Mittag gibt es in Bützow Einigkeit. Genauso ist es in der Nachbarstadt Schwaan. Am vergangenen Sonnabend organisierten Bützows Händler einen Einkaufsabend bis 22 Uhr.


Ludwigslust


In der Kreisstadt änderte sich nichts - In Ludwigslust wurde das Gesetz zwar von den Einzelhändlern begrüßt, doch verändert hat sich hier nichts. Alle Geschäfte in der Haupteinkaufsstraße und dem Lindencenter haben maximal bis 20 Uhr geöffnet. „Die Einzelhändler passen sich nur dem Kaufverhalten der Lindenstädter an. In einer Kleinstadt lohnen sich lange Öffnungszeiten bis 22 Uhr oder gar länger einfach nicht“, sagt die verantwortliche Mitarbeiterin für Gewerbeangelegenheiten der Stadt Ludwigslust, Andrea Enzmann. Margit Harloff ist Einzelhändlerin in der Schlossstraße und betreibt ihr Geschäft in der Woche bis maximal 18 Uhr. „Danach ist kein Mensch mehr auf der Straße“, sagt sie. Aber ist die Stadt am Sonnabend gefüllt, öffne sie individuell auch länger als 13 Uhr. Man müsste auch an Sonntagen öffnen können, wünscht sich die Selbstständige.


Sternberg


Nicht die Uhrzeit, sondern der Wochentag ist maßgeblich - „Seit ich im Jahr 2001 den Einkaufsmarkt übernommen habe, gibt es die gleichen Öffnungszeiten“, sagt Karsten Bohnhorst von Edeka neukauf in Sternberg. Geöffnet ist Montag bis Mittwoch von 8 bis 19 Uhr, Donnerstag und Freitag von 8 bis 20 Uhr und samstags von 8 bis 14 Uhr. Freitag ist Haupteinkaufstag, am Dienstag bleibt es relativ ruhig, weiß er. „Bei Zeiten zwischen 8 und 20 Uhr haben sicherlich auch Berufstätige die Möglichkeit, zu kommen“, ist er sich sicher. Auch mit Blick auf die Urlauber will Bohnhorst ab 28. Juni bis Anfang September allerdings am Sonnabend den Einkaufsmarkt erst um 16 Uhr schließen. Kundin Martina Burow gehen Öffnungszeiten bis 20 Uhr allerdings zu weit. „Denkt denn da auch jemand an die Verkäuferinnen? Was, wenn diese auch noch kleine Kinder haben?“
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