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23. Oktober 2017 | 04:42 Uhr

Einheit durch Vielfalt

vom

svz.de von
erstellt am 30.Sep.2010 | 08:59 Uhr

Das Ergebnis ist eindeutig: Nach einer Studie der Schweriner Volkszeitung unter 800 Bürgerinnen und Bürgern in ganz Mecklenburg sehen knapp 98 Prozent der Befragten Unterschiede zwischen Ost und West. Eine Katastrophe 20 Jahre nach der Wiedervereinigung? Nein, ganz im Gegenteil. Es wird auch in 100 Jahren Unterschiede zwischen Ost und West, zwischen Nord und Süd, zwischen Hamburg und Dresden, zwischen Flensburg und Schwerin geben. Und das ist gut so.

Heimat ist kein uniformes Gebilde, in dem sich alles gleicht. Heimat ist unmittelbares Lebensumfeld, ist von rauhem Seewind oder dem Charme der Mecklenburger Seenplatte geprägt. Und wäre es nicht schade, wenn es im vereinigten Deutschland die landmannschaftlichen Unterschiede zwischen den gemütlichen Sachsen, den zurückhaltenden Hanseaten oder den bierseeligen Bayern nicht mehr gäbe.

Nein, entscheidend für die Einheit Deutschlands sind bei allen Unterschieden in den Regionen die gleichen Chancen auf Bildung, Arbeit, Lebensgestaltung. Und da ist unser Land viel weiter, als es die Funktions- und Bedenkenträger in den unzähligen (und zumeist auch unerträglichen) Talkrunden spätabends im Fernsehen von sich geben.

Die Studie der Schweriner Volkszeitung besagt nämlich auch, dass die Norddeutschen trotz der klar gesehenen Unterschiede zwischen Ost und West die Einheit besonders positiv sehen. 83,8 Prozent der Befragten bewerten die Wiedervereinigung als richtig - im Schnitt der neuen Bundesländer sind dies nur 75 Prozent. Überraschend: Obwohl acht von zehn Mecklenburgern dem Arbeiter- und Bauernstaat keine Träne nachweinen, halten genauso viele die Aufarbeitung der DDR-Geschichte für sehr wichtig.

Wer in seine Zukunft sehen will, muss die Vergangenheit kennen. Wichtig dabei ist es, die Betrachtung der Lebensleistung des einzelnen in der DDR von der Bewertung des Systems zu trennen. Es gibt viele Dinge, auf welche die Kinder der friedlichen Revolution stolz sein können - und es zu Recht sind. Sie leben inzwischen in ganz Deutschland. In einem Land, in dem es bereits Hinweistafeln bedarf, damit noch zu erkennen ist, wo einst die Mauer stand. Und auch das ist gut so.

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