Eingeständnis wieder verweigert

Nach dem Mord an einem 55-Jährigen und einem Überfall auf einen 16-Jährigen in Templin (Uckermark) haben Vertreter von Politik und Kirche mehr Zivilcourage und Einsatz gegen Gewalt und Rechtsextremismus gefordert.

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24. August 2008, 05:57 Uhr

Templin - Es gehe darum, nicht wegzuschauen, sagte Superintendent Uwe Simon am Samstagabend bei einer Benefizveranstaltung, zu der aber gerade einmal 250 Menschen in der 17 000-Einwohner-Stadt Templin den Weg fanden.

Mit Livemusik lokaler Bands und einer Lichterkette erinnerten Templiner und zugereiste Antifa-Mitglieder an das Mordopfer. Die Atmosphäre blieb den ganzen Abend über locker, lediglich die Rede des Bürgermeisters versprach einige Spannung. Schließlich erwarteten die Anwesenden vom parteilosen Stadtoberhaupt Ulrich Schoeneich ein klares Bekenntnis gegen rechte Strukturen in seiner Stadt.

Doch auch am Tag des Benefizkonzertes blieb der viel gescholtene Bürgermeister seinen Zuhörern genau das schuldig. In seiner Rede sprach Schoeneich von „Zeichen, die Templin gegen jede Form von Gewalt setzen“ müsse. Dabei vermied der Politiker ausdrücklich einen Zusammenhang zwischen dem Mord an Bernd K. und der Existenz einer rechten Szene in seiner Stadt. Es sei egal, ob „die Gewalt von rechts, links oder aus der Mitte“ komme.

Entsprechend groß war die Kritik am Rande der Veranstaltung. So warf Johanna Kretschmann vom Verein Opferperspektive dem Bürgermeister vor, weiterhin die Augen vor den Tatsachen zu verschließen. „Templin hat ausschließlich ein Problem mit rechten Jugendlichen“, sagte Kretschmann. Sie verwies darauf, dass ihr Verein in den vergangenen zwölf Monaten allein zwölf Taten erfasst habe, die auf das Konto rechter Jugendlicher gingen. Umso enttäuschter zeigte sie sich von der Rede Schoeneichs: „Die Veranstaltung wäre eine Chance gewesen, um sich endlich klar zu positionieren.“ Ähnlich äußerten sich andere Initiativen gegen rechte Gewalt.

Derweil räumte Schoeneich dringenden Hilfebedarf ein. „Wir schaffen das nicht alleine“, bekannte er. Zwar leiste sich seine Stadt vier hauptamtliche Mitarbeiter in zwei Jugendzentren, mehr könne sie aber nicht finanzieren. Unterstützung forderte er deshalb von Politik, Polizei und Justiz. „Das Problem gewalttätiger Jugendlicher gehört in die Hände des Staates“, sagte der seit 18 Jahren amtierende Bürgermeister.

Staatliche Hilfe soll Templin bereits kommenden Monat erhalten. Für den 8. September steht ein Treffen mit Vertretern des Verfassungsschutzes, der Polizei und des Mobilen Beratungsteams an. Dabei sollen zunächst grundsätzlichen Fragen erörtert werden, erklärte Jürgen Lorenz vom Mobilen Beratungsteam. Anschließend wolle man in Schulen und Betriebe gehen, um dort für einen breiten Konsens gegen Rechts zu werben.

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