Bad Segeberg: Gojko Mitic kehrt zurück : "Einen Freund lässt man nicht im Stich"

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Von 1992 bis 2006 ist Gojko Mitic als Winnetou durch das Freilichttheater geritten - in mehr als 1000 Vorstellungen, so oft wie kein anderer. Nun kehrt der DEFA-Star zu den Karl-May-Spielen nach Bad Segeberg zurück.

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21. Mai 2013, 06:47 Uhr

Bad Segeberg | Er kennt jeden Stein am Kalkberg. Von 1992 bis 2006 ist Gojko Mitic als gefeierter Winnetou durch das Freilichttheater geritten - in mehr als 1000 Vorstellungen, so oft wie kein anderer. Nun kehrt der einstige DEFA-Star zu den traditionsreichen Karl-May-Spielen nach Bad Segeberg zurück. In dem Stück "Winnetou I - Blutsbrüder" spielt der mittlerweile 72-Jährige vom 22. Juni an den Apachenhäuptling Intschu-tschuna, den Vater des Titelhelden. "Ich freue mich auf ein Wiedersehen mit diesem unglaublichen Publikum", sagt Mitic. Dem neuen Winnetou Jan Sosniok traut der selbsternannte "alte Hase" einiges zu. Seit Montag laufen die Proben

Er hat schon ein wenig überlegt, ob er das Angebot, Intschu-tschuna zu spielen, annehmen soll. Was er damals als Winnetou in Bad Segeberg gemacht habe, das könne man zwar nicht toppen. "Aber ich fühle mich den Karl-May-Spielen ein bisschen verpflichtet. Wir sind als Freunde auseinander gegangen, und einen Freund lässt man nicht im Stich", begründet Mitic seine Entscheidung. Zudem müsse er sich vom Alter her langsam umorientieren und die Väter spielen, schmunzelt der Mime. Die zuständige Kalkberg GmbH um Geschäftsführerin Ute Thienel ist sich sicher, dass Mitics Rückkehr die Zuschauer begeistern wird.

Seit 1952 werden die Spiele im Freilichttheater am Kalkberg aufgeführt. Zuletzt war Erol Sander in den Jahren 2007 bis 2012 in die Rolle des Winnetou geschlüpft. Im September vergangenen Jahres trennte sich die Kalkberg GmbH jedoch überraschend von dem Zuschauermagneten und präsentierte Anfang 2013 Sosniok ("Danni Lowinski") als Nachfolger. Er tritt ein schweres Erbe an, denn in der Ära Sander pilgerten im Durchschnitt rund 290 000 Besucher pro Saison nach Bad Segeberg.

Mitic denkt gerne an seine Zeit am Kalkberg zurück. Ihm seien nicht nur das Theater und die Menschen vertraut, sondern auch die Atmosphäre. "Das ist etwas ganz Eigenartiges, was sich dort bei den Aufführungen entwickelt. Man hat das Gefühl, dass man den Leuten etwas gegeben hat", sagt der Schauspieler in Erinnerungen schwelgend.

Am 13. Juni 1940 im heutigen Serbien geboren, wuchs Mitic in einer Bauernfamilie in einem kleinen Dorf südöstlich von Belgrad auf. Er studierte zunächst Sport und landete schließlich beim Film. Die Produzenten Artur Brauner und Horst Wendlandt entdeckten ihn Anfang der 1960er-Jahre für einige Karl-May-Verfilmungen. Doch erst die DEFA-Indianerfilme verhalfen ihm zum Durchbruch. Mit Streifen wie "Die Söhne der großen Bärin", "Chingachgook, die große Schlange" oder "Spur des Falken" avancierte Mitic insbesondere in der ehemaligen DDR zum Superstar. Er prägte eine ganze Generation.

Noch heute empfindet der 72-Jährige es als Erlebnis, wenn ihn die Menschen auf der Straße ansprechen. "Da stehen erwachsene Männer vor mir und sind plötzlich wieder Kinder. Was man als Kind erlebt hat, das bleibt irgendwie haften", sagt Mitic, der sich mit Fahrradfahren, Schwimmen und Paddeln fit hält. Es sei schön, dass man Spuren hinterlassen habe, dass die eigene Arbeit nicht vergebens gewesen sei.

Doch mit dem Fall der Mauer drohten dem erfolgsverwöhnten Künstler zunächst "die ewigen Jagdgründe", wie er es selbst ausdrückte. Mit dem Engagement bei den Karl-May-Spielen öffneten sich allerdings neue Türen. "Als ich 1992 in Bad Segeberg anfing, trat ich die Nachfolge von Pierre Brice an. Er war der Winnetou aus den Filmen und spielte die Rolle dann auch noch am Kalkberg. Da hatte ich wirklich kein leichtes Spiel", blickt Mitic zurück. Er musste "wieder bei null anfangen. Ich musste mich wirklich durchsetzen, weil ich versucht habe, die Rolle so zu präsentieren, dass mich die Leute auch annehmen", erklärt er.

Durch die Karl-May-Spiele habe er neue Fans hinzugewonnen, Fans aus den alten Bundesländern. "Das hat meiner Karriere natürlich sehr gut getan." Er blieb 15 Spielzeiten, wurde geliebt und unter Tränen vor sieben Jahren verabschiedet. Dieses Gefühl von Vertrautheit helfe ihm bei seiner Rückkehr, sagt Mitic, der zwischen 2007 und 2009 am Schweriner Staatstheater spielte und gerade in Südafrika als Komantschenhäuptling einen Film für Sat.1 abgedreht hat. Bad Segebergs neuer Winnetou Jan Sosniok gefällt ihm: "Ich glaube, der Junge wird gut ankommen. Und ich werde als sein Vater ein bisschen mithelfen." Dabei müsse Sosniok aber seinen eigenen Weg finden, seine eigene Darstellung des Titelhelden. "Er kriegt das auch hin", sagt Mitic.

Er selbst schlüpft jetzt erst einmal für die 62. Spielzeit, die vom 22. Juni bis 1. September geht, in die Rolle von Intschu-tschuna. Es ist das einzige Stück, in dem Winnetous Vater auftaucht und schließlich auch stirbt. "Diese Figur lebt also nur in diesem einen Jahr, und das kann man nicht jedes Jahr spielen", sagt Mitic. Doch wer weiß, wenn ihn seine alten Freunde 2014 wieder fragen?

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