Eine Welt aus Wasser

1 von 2

svz.de von
12. Juli 2010, 09:49 Uhr

Güstrow | Manchmal holt einen die Wirklichkeit ein. Gut drei Jahre ist es her, da fertigte Rogier Alleblas seine Serie mit Menschen, die gegen das Meer kämpfen. Eines der Bilder zeigt einen einzelnen Mann, der verzweifelt ein Rohr erklimmt, das von schwarzen Fluten umspült wird. Fast wie aufgespießt hängt er da. Als wolle er mit seinem Körper die Öffnung abdichten. An die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, an die das Bild Assoziationen weckt, konnte der Niederländer beim Malen noch nicht denken.

Die Aktualität seiner aus drei Bildern bestehenden Serie mag mit den Ausschlag gegeben haben, dass der 1969 in Rotterdam geborene Alleblas am Sonntag den "Kunstpreis Ökologie" der Stadt Güstrow verliehen bekam.

298 Künstler aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, Polen, Estland und den Niederlanden hatten sich bei der zwölften Ausschreibung beworben. 20 durften in den vergangenen Wochen in der Städtischen Galerie Wollhalle ihre Werke ausstellen. Der Sonntag hätte also der Tag der Niederländer werden können. Wenn die Fußballer bei der WM am Abend nachgezogen hätten.

Ihre Entscheidung für Alleblas begründete die aus der Malerin Ursula Strozynski, dem Bildhauer Günter Kaden sowie dem Geschäftsführer der Ernst Barlach Stiftung Dr. Volker Probst bestehende Jury mit der "Ausweglosigkeit", die der in Amsterdam lebende Künstler in seinen Gemälden aufzeige: "Der Mensch ist zwar Mitgestalter der Umwelt, aber die Naturgewalt ist nicht beherrschbar", sagte Kaden bei der Verleihung.

Das Preisgeld in Höhe von 2000 Euro kann Alleblas, der mit Familie extra angereist war, gut gebrauchen: "Meine Kasse war wieder bisschen knapp im letzten Jahr."

Aufgewachsen ist Rogier Alleblas in Westland. "Da, wo die Tomaten wachsen", wie er lachend erklärt. Gerade mal 15 Kilometer von der Küste entfernt. In einer Region, die schon heute mit dem ansteigenden Meeresspiegel zu kämpfen hat. "Im vergangenen Jahr ist dort wieder ein kleines Dorf abgerissen worden, weil das Wasser immer näher kommt." Das habe ihn auf die Idee mit der Serie gebracht.

Den Malgrund bilden Fotografien, die der Künstler, der an der Königlichen Hochschule für Bildende Künste studiert hat, anschließend mit Ölfarbe übermalt. Was Foto und was Gemälde ist, lässt sich kaum mehr unterscheiden. Wie schon der Name Rogier Alleblas erinnern auch die Bilder ein wenig an die hyperrealistischen Gemälde des Goldenen Zeitalters in Holland.

Typisch für das Güstrower Triptychon ist die düstere Atmosphäre, die die Einsamkeit der Individuen noch unterstreicht. Eine Welt aus Wasser. Element des Lebens und des Todes. Während auf einem Gemälde ein Mann damit beschäftigt ist, seine Matratze vor der herannahenden Flut in Sicherheit zu bringen, baut sich auf einem anderen eine Person aus Tischen und Stühlen eine Insel. "Menschen verbrauchen alle Ressourcen und essen alles auf", sagt Alleblas dazu. "Sie haben ein Problem mit sich selbst. Ich nehme mich da gar nicht aus. Auch, wenn ich versuche, bewusst zu leben und es besser zu machen."

Ein Umdenken wird nötig sein. Aktionen wie der von den Stadtwerken Güstrow gesponserte Umweltpreis können ein Stück weit dazu beitragen, die globale Klimaerwärmung ins Bewusstsein der Allgemeinheit zu heben.

Rogier Alleblas übrigens blieb seinem Element Wasser am Sonntag treu und nutzte die tropischen Temperaturen vor der Preisverleihung, um mit der Familie noch kurz in den See zu springen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen