Eine unermüdliche Wahlkämpferin: Angelika Gramkow, Oberbürgermeister-Kandidatin der Linken, versucht junge Wähler zu mobilisieren

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19. September 2008, 08:46 Uhr

Der erste Termin an diesem Donnerstagmorgen ist für Angelika Gramkow ein Heimspiel. An der Beruflichen Schule für Wirtschaft und Verwaltung Niklot ist sie zum Aktionstag „Schule gegen Gewalt“ eingeladen. Gramkow, die an der Fachschule für Finanzwirtschaft, aus der die Niklot-Schule hervorging, selbst einmal als Lehrerin gearbeitet hat, ist zur Eröffnung eingeladen.

Über das Projekt weiß sie bestens Bescheid: „Kurzfilme, Ausstellungen, Gesprächsrunden – die Schüler haben alles auf die Beine gestellt“, erzählt sie, bevor sie auf die Bühne geht, um einige Begrüßungsworte an die versammelte Schülerschaft zu richten.

Auch OB-Mitbewerber Dr. Gottfried Timm und sein Wahlkampfteam sind da. Die beiden OB-Kandidaten begrüßen sich freundlich. „Herr Timm und ich haben derzeit ein volles Programm“, sagt sie. Sie selbst möge ja solche kompakten Tage. „Pausen verleiten dazu, dass man nachlässt“, sagt sie. Sie schüttelt weitere Hände, blickt auf ihr Handy und geht auf die Bühne.

Nach dem Grußwort an die Berufsschüler sieht sie sich in der Schule um: „Nun wollen wir doch mal sehen, wie viele Schüler tatsächlich an den Workshops teilnehmen“, sagt sie und eilt durch die langen Flure, macht an einigen Türen Halt und schaut hinein. Man kann sie sich gut vorstellen, wie sie als Lehrerin durch die Schule in der Arsenalstraße gegangen ist.

Angelika Gramkow ist neugierig. Sie will wissen, was bei dem Filmprojekt herausgekommen ist, fragt die Schüler, wie sie ihre Ideen nach dem Aktionstag weiterführen wollen. In einer Diskussionsrunde mit der Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider bleibt sie stehen. „Was gehen mich die Nazis an?“, ist der Titel.

Die Schüler haben Fragen zur NPD, zu den Organisationsstrukturen der Rechten in Mecklenburg, zur Karriere einzelner Abgeordneter. „Antifaschismus ist ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt. Ich freue mich besonders, wenn sich junge Menschen dafür interessieren und engagieren“, sagt sie. Aus diesem Grund habe sie kürzlich auch das Konzert „Rock gegen Rechts“ im Komplex unterstützt und die Gage für drei Bands gesponsert.

Die Diskussion im Klassenzimmer verfolgt Angelika Gramkow länger als geplant. Zu lange, denn das Gespräch mit der Schulleiterin hat schon begonnen. Gottfried Timm hat bereits im Direktorenzimmer Platz genommen und führt das Gespräch. Angelika Gramkow braucht nicht lange, um mitzureden.

„Wichtig ist doch, dass Kontinuität in der Finanzierung hergestellt werden muss. Mittel, die eigentlich zur Qualitätsverbesserung eingeplant werden, werden inzwischen für die Grundsicherung genommen. Das darf nicht sein“, bringt sie sich in die Runde ein. Solche Themen liegen ihr.

„Ich bin Vorsitzende des Finanzausschusses im Landtag und mache seit 18 Jahren Kommunalpolitik. Natürlich weiß ich, wie die Gelder fließen und an welcher Stelle es sinnlos ist, auf finanzielle Hilfe vom Land zu hoffen. Ich kenne die Zahlen und lasse mir von keinem etwas vormachen“, sagt sie selbstbewusst auf dem Weg zum Auto.

Das gelte für Schulfördermittel ebenso wie für Theaterfinanzierung oder für den Versuch, den Telekomstandort in der Stadt zu erhalten. Ihr Konkurrent Timm habe sicherlich andere Gebiete, auf denen er sich besonders gut auskenne, erklärt sie unterwegs zum nächsten Termin. Zwischendurch blickt sie immer wieder auf ihr Handy.

Auf dem Armaturenbrett fahren Plüschfiguren mit, Pittiplatsch und Schnatterinchen. „Pittiplatsch mag ich am liebsten, weil er so listig ist. Freunde aus meiner Partei haben mir dann aber Schnatterinchen geschenkt, die passe besser zu mir, wegen der Emotionalität und wegen des Schnatterns.“ Die OB-Kandidatin sieht das als Kompliment.

Zu jedem, den die rührige OB-Kandidatin trifft, fallen ihr ein paar aufmerksame Wort ein. „Wird denn die Schulterverletzung bis zum Pokalspiel verheilt sein?“, fragt sie den Handballer und Sohn des Hauses bei ihrem nächsten Termin im Klempnerbetrieb Ulli Witt am Lankower See. Auch bei den Maurern, die auf dem Nachbargrundstück den Keller hochziehen, bleibt sie kurz auf einen Plausch stehen.

Mit Witt trifft sie sich, weil sie hören will, welche Sorgen im Mittelstand herrschen, was ein Schweriner Unternehmer vom neuen OB erwartet. Das Gespräch kommt immer wieder auf die schleppenden Baugenehmigungsverfahren in der Stadt. Hinterher resümiert sie: „Unternehmen wünschen sich einen Ansprechpartner in der Stadtverwaltung, jemanden, der sie bei ihren Projekten begleitet.“

Statt zu verzögern und zu sagen, wenn etwas nicht gehe, müssten die Mitarbeiter der Verwaltung aufzeigen, wann und wo etwas für die Unternehmer möglich sei. Das will sie ändern. Außerdem möchte sie die Zusammenarbeit zwischen dem Land und seiner Hauptstadt ausbauen. Dafür müsse man aber „runter vom hohen Ross und sich kooperativ zeigen“.

Für ein ausführliches Gespräch mit dem Geschäftsführer der Stadtfraktion der Linkspartei, Peter Menzlin, bleibt keine Zeit. Er war auch zum Termin mit Ulli Witt gekommen. Ein Blick auf das Handy und es geht weiter – zur Jubiläumsfeier des Schweriner Kinderschutzbundes.

„Zu den Terminen kommt immer ein Genosse von der Linkspartei mit, möglichst einer, der sich auf dem betreffenden Gebiet gut auskennt.“ Vorbereiten – das macht sie alleine.

„Im Wahlkampf muss ich einiges hinten anstellen. Die Arbeit im Landtag zum Beispiel“, sagt sie. In der heißen Phase vor der Stichwahl stimmt sie die Ausschusssitzungen mit der Landtagsfraktion telefonisch ab. Auch privat käme einiges zu kurz. Der Sport zum Beispiel.

Zeit für die Familie gäbe es auch nur beim Frühstück morgens um sechs oder am späten Abend, erzählt sie während eine band des Goethe-Gymnasiums ein Ständchen spielt. Es folgen Reden und Dankesworte. Nach jedem Beitrag ist Gramkow die erste, die laut applaudiert.

Nachdem sie beim Fest des Kinderschutzbundes alle Hände geschüttelt hat, sind gerade mal die Hälfte ihrer Termin geschafft. Als nächstes steht eine Spendenübergabe an. Der Erlös von „Rock gegen Rechts“ geht an die Initiative „Stolpersteine“, die an Opfer des Nationalsozialismus erinnert.

Die Menschen auf der Straße will sie in den letzten Tagen vor der Stichwahl auch erreichen, „besonders die jungen Leute“, betont sie immer wieder. Und so ist sie von 14 bis 16 Uhr in Lankow mit einem Info-Stand. Danach eine Sitzung der Sparkasse Schwerin-Mecklenburg. Gramkow ist dort Mitglied im Kreditausschuss.

Nach einer kurzen Pause und etwas Zeit zum Essen und Luftholen schließlich der letzte Termin des Tages, um 18 Uhr ist sie zu einer Bootsfahrt mit dem Förderverein der Buga eingeladen. Auch dort müssen noch einmal viele Hände geschüttelt werden. Dann geht es für die OB-Kandidatin endlich nach Hause.

„Um 20 Uhr mache ich das Handy aus. Dann möchte ich Ruhe haben, Zeit für meine Familie, etwas fernsehen und ausruhen“, sagt sie. Am nächsten Tag geht der Wahlkampf schließlich weiter.

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