Ein Weltumsegler mit Kindern an Bord

Immer eine Brise um die Nase und die Segel im Wind: Bernt Lüchtenborg auf der „Horizons“. Foto: Matthias Bannert
Immer eine Brise um die Nase und die Segel im Wind: Bernt Lüchtenborg auf der „Horizons“. Foto: Matthias Bannert

Die Segel sind gehisst und es geht aufs weite Meer. Am Sonnabend ist die Expeditionsyacht „Horizons“ mit Skipper Bernt Lüchtenborg in See gestochen. Mit an Bord: sechs Kinder einer ASB-Wohngruppe.

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11. August 2008, 01:24 Uhr

Rostock / Warnemünde - Bernt Lüchtenborg hat braun gebrannte Haut, die von vielen Sonnenstunden auf dem Wasser zeugen. An der Wand der Bootskabine hängt eine Weltkarte mit einer schwarzen Linie. Sie zeigt die Route des Skippers um die ganze Erde. „Fünf Jahre hab ich für die Weltumseglung gebraucht“, sagt der Seemann. Alleine und mit einem anderen Schiff. An der Wand hängen Fotos von exotischen Plätzen der Erde.

Der Skipper zurrt ein paar Seile fest. Er und sein dreiköpfiges Team warten auf eine Kindergruppe, die heute mit der Segelyacht „Horizons“ auf der Ostsee schippern will. „Hier hast Du alles an Bord, was Du zum Leben brauchst“, sagt Werner Merten, Freund von Lüchtenborg und selbst Segler. An Bord befinden sich fünf Schlafplätze, zwei Bäder, eine kleine Küche und ein gemütlicher Salon. Alles ist in Holz gehalten und wirkt sehr wohnlich.

Die sechs Kinder einer Wohngruppe des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) springen an Bord. Mit dabei Betreuerin Christine Dietrich. Dem neunjährige Florian ist die Vorfreude ins Gesicht geschrieben. „Ich bin schon oft auf dem Boot meines Opas gewesen“, erzählt er begeistert.

Unten im Boot sitzt Kay Zimmermann. Er fummelt an einem Notebook und einer Videokamera herum. Der 33-Jährige kommt aus Berlin und gestaltet Internetseiten, so auch die des Projektes „Sail2Horizons“ um die Expeditionsyacht. Er möchte Videobilder während des Ausfluges live ins Internet übertragen. Unterdessen lösen Lüchtenborg und seine Crew die Seile, holen die Fender an Bord und legen ab. Es geht gemütlich durch den Stadthafen. Die vielen Schiffe, die zur Hanse Sail zu Besuch sind, geleiten die „Horizons“ mit aufs Meer hinaus.

Jetzt dürfen auch die Kinder mal ans Steuer. Aber vorher erklärt der Skipper: „Die rechte Seite beim Schiff nennt man Steuerbord.“ Wenn das sitzt, dürfen Florian, Fides, Aris, Susi und Anita ds Ruder übernehmen. „Wo fährst Du denn hin?“, sagt Kapitän Lüchtenborg. „Guck mal nach vorne!“ Der kleine zweijährige Emilio muss sich noch auf den Schoß von Lüchtenborg setzen, um das Steuer zu erreichen. Die Verbindung per UMTS steht, die Bilder laufen live im Internet. Der Skipper gibt das Zeichen zum Setzen der Segel. „Okay, dann kann’s ja losgehen“, sagt er. Unter einem knarrenden Geräusch werden die Segel ausgefahren.

Stille. Nur das Geräusch des Windes, wenn er in die Segel bläst. Es geht hinaus auf die Ostsee. Ringsherum unzählige Schiffe. „Gib mal mehr Tuch“, ruft Lüchtenborg zu Anita Zosso. Sie kommt aus Luzern in der Schweiz. Heute segelt sie mit Lüchtenborg und übernimmt organisatorische Aufgaben beim Projekt.

Umso weiter die Segelyacht aufs Meer hinaus fährt, desto stärker bläst der Wind den Kids um die Ohren. Die größer werdenden Wellen peitschen an die Reling. Werner Merten, der sich gerade am Bug des Schiffes aufhält, bekommt eine Ostsee-Dusche. Das Messgerät an Bord zeigt 30 Grad Neigung an. Für mehr reicht die Skala nicht. Kay Zimmermann hat Mühe zu stehen, hält aber die Kamera immer aufs Geschehen. Wenig später sitzt er leichenblass unter Deck. Einige der Kinder werden seekrank. Es geht zurück nach Warnemünde.

Nach einer kurzen Pause sticht die „Horizons“ wieder in See. Zusammen mit dem Großsegler „Krusenstern“ geht es unter der Abendsonne zurück in den Stadthafen.

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