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14. Dezember 2017 | 03:43 Uhr

Ein Vorfall stempelt Badestelle ab

vom

svz.de von
erstellt am 20.Mai.2010 | 01:09 Uhr

Borkow | Vor einem Jahr, irgendwann zwischen Mitte Mai und Anfang Juni, fiel in Borkow vermutlich ein Haufen Kot in die Mildenitz. Ein Vorgang mit Folgen: Die Badewasserkarte des Landes stempelt die naturnahe Badestelle noch für das ganze Jahr 2010 ab. "Zum Baden noch geeignet", heißt der Hinweis, den Borkow als eine von nur zwei der 450 beprobten Badestellen in MV trägt - zweitschlechteste Kategorie, kurz vor der Sperrung. Und das, obwohl weitere fünf Proben in Borkow seither deutlich besser ausfielen. So will es die Landesverordnung für Badegewässer, auf der Basis von EU-Recht.

"Das ist ein Schlag ins Gesicht für den Tourismus vor Ort", sagt Stephan Meyer, der in Borkow unmittelbar an der Mildenitz auch Touristen begrüßt. So bietet er Touren in einer Dschungel-Schute auf der Mildenitz an. Er könne nicht verstehen, dass ein einziger Wert die Wasserqualität für ein ganzes Jahr präge. Meyer: "Das ist schlechte Reklame." Die Badestelle werde gut angenommen, viele Gäste seien froh, dass es sie gibt.

Ein Blick auf die Badewasserkarte MV für 2010 zeigt: Neben der Mildenitz in Borkow leuchtet auch der Langhagener See bei Güstrow rot: "noch geeignet". Alle anderen Badestellen sind mit "gut" oder "sehr gut" bewertet. Die Karte werde auf der Basis von Proben des Vorjahres erstellt, erklärt Vera Schwartz vom Gesundheitsamt des Kreises Parchim.

Der Borkower Fall: Bei einer Probe vom 10. Juni 2009 habe es überschrittene Grenzwerte mikrobiologischer Parameter gegeben. "Das Ergebnis der Probe wies auf eine fäkale Belastung des Badewassers hin", so Schwartz. Bakterien, die Darmerkrankungen verursachen können. Tierischen oder menschlichen Urprungs - das lasse sich nicht prüfen. Ursache könnte z. B. "ein Abwassereintrag oder eine fäkale Verunreinigung durch Wasservögel" sein. Bereits fünf Tage später seien die Grenzwerte nicht mehr überschritten gewesen. Bewertung: zum Baden "gut geeignet". Weitere Proben im Juli, August und September erhielten wieder die Güte "sehr gut" - so wie in Vorjahren auch. In der Summe jedoch habe die eine negative Probe vom Juni das Gesamtergebnis bestimmt, erklärt die Amtsärztin: mit entsprechender Kennzeichnung in der landesweiten Badewasserkarte 2010, die interessierte Touristen wahrnehmen. So fordere es die Badegewässerverordnung des Landes. Paradox: Erst vor wenigen Tagen, am 12. Mai, hat das Gesundheitsamt erneut die Wasserqualität an der Mildenitz geprüft. Ergebnis: die Bewertung "zum Baden gut geeignet".

Das Landesamt für Gesundheit und Soziales bestätigt die Verfahrensweise: eine schlechte Probe bestimmt das kommende Jahr. "Wenn Grenzwerte einmal überschritten sind, ist es sofort rot", so Sprecherin Anja Neutzling. "Das ist der EU-Badewasserrichtlinie geschuldet." Ihr Hinweis: Parallel würden auf der Badewasser-Karte aber auch aktuelle Messwerte veröffentlicht. Dies werde auch mit der Probe aus der Mildenitz vom 12. Mai geschehen.

Die EU-Strenge sorgt für Unmut. "Das ist ein Unding", erklärt Sven-Erik Muskulus, der an der Mildenitz in Borkow ein Kanu-Camp betreibt. Ein Probewert dürfe nicht das Niveau des gesamten Jahres prägen. Regeln seien sicher wichtig, so Muskulus, der Schaden für das Camp durch die Badewasser-Einstufung fürchtet. Aber: "Gut gemeint ist hier nicht gut." Er fordert ein Umdenken bei Behörden.
Für den Borkower Stephan Meyer steht fest: Er geht weiter in der Mildenitz baden, egal welche Note auf der MV-Karte steht: "Im Sommer fast täglich."

HINTERGRUND:

Kategorien der Badewasserqualität:

blau – zum Baden sehr gut geeignet
grün – zum Baden gut geeignet
rot – zum Baden noch geeignet
schwarz – zeitweises Badeverbot

Top-Wasserqualität haben in der Region für 2010: u.a. Sternberger See, Luckower See, Oberer See, Roter See, Groß-Labenzer See, Tempziner See, Steeder See, Wariner See, Priester See, Holzendorfer See, Klein-Pritzer See, Dobbertiner See, Gardener See, Ortmannsee, Neukloster See, Bibower See, Tramser See, Ventschower See Quelle: Ministerium für Gesundheit

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