Ein Strandkorb erobert die Welt

Schöne Bilder, gutes Wetter, beste Stimmung und ein Strandkorb – Mecklenburg-Vorpommern setzt bei seiner G8-Bilanz vor allem auf prima Klima. „Das Wichtigste ist, dass nach der ersten Demonstration in Rostock vor allem positive Bilder unseres Landes um die Welt gingen“, sagt Ministerpräsident Ringstorff. Gut auch: Der Gipfel wurde preiswerter als erwartet. Dennoch ist er die teuerste Imagekampagne, die sich das Land je leistete.

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05. Juni 2008, 09:32 Uhr

Schwerin - Das Geld spielte immer eine große Rolle. Unmittelbar nach dem Regierungswechsel im Herbst 2006 musste der Landtag noch vor dem offiziellen Start in die neue Legislatur in einer Sondersitzung am 15. November zwölf Millionen Euro per Gesetz freigeben, damit der Zaun bestellt werden konnte, hinter dem die neun wichtigsten Staats- und Regierungschefs ein- bzw. vor dem die Tausenden Demonstranten ausgesperrt werden sollten. Geld war auch schon die größte Erwartung der gastgebenden Bundesregierung, der sich die Landesregierung in Schwerin stellen musste.

Die 12 Millionen waren nur der Anfang. Insgesamt waren 92 Millionen aus der Landeskasse geplant: Geld für den Zaun, Geld für den Einsatz von 17 400 Polizisten, Geld für neue Straßen und Polizeigebäude, Geld für ein Festdinner der Regierungschefs mit Damen und einem Herren, dem Gatten der Bundeskanzlerin, im Schloss Hohen Luckow. Während des dreitägigen Gipfels selbst war Ministerpräsident Harald Ringstorff nicht einmal im Zentrum der Macht, dem Kempinski-Hotel. Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Gäste ließen sich alleine im größten Strandkorb der Welt fotografieren. Das aber war zumindest ein Werbeclou der Staatskanzlei in Schwerin. Das Bild mit dem Strandkorb ging um die Welt. Der Strandkorb machte Fernsehkarriere – bis er am 15. Dezember auf der Benefizgala „Ein Herz für Kinder“ im ZDF von Ministerpräsident Ringstorff versteigert wurde. 4,5 Millionen Zuschauer. Millionenfacher Werbeeffekt für MV. Ein Strandkorb war seit dem Gipfel Mitbringsel bei mancher Ministerreise ins Ausland, im Gepäck immer die Botschaft: So ist Mecklenburg-Vorpommern.

Ringstorff lobt ein Jahr nach dem Gipfel diesen enormen Imagegewinn. Und er lobt auch sich selbst, nämlich das Management durch die Landesregierung: „Weit über die Landesgrenzen hinaus konnte man erkennen: Mecklenburg-Vorpommern ist modern, weltoffen, tolerant und liebenswert.“

Wenn sich aber die Landesregierung gleichzeitig damit brüstet, dass statt der veranschlagten 78 Millionen Euro Sicherheitskosten bislang lediglich 64 Millionen ausgegeben wurden, so muss man auch dazu sagen, dass mit diesen 64 Millionen Steuermitteln nicht nur die möglicherweise erfolgreichste sondern auch bislang teuerste Werbekampagne für das Land finanziert wurde. Langzeitwirkung ungewiss...

Aber selbst bei den Gegnern sorgte der Gipfel für prima Klima: Nach Worten des Koordinators des Anti-G8-Bündnisses, Monty Schädel, ist die Anti-Globalisierungsszene hinterher näher zusammengerückt. „Wir haben noch keine Ziele durchgesetzt, die Zusammenarbeit ist aber besser geworden - ein Qualitätssprung im Vergleich zur Zeit davor“, sagt Schädel. Und weil es so schön war, findet an diesem Wochenende schon wieder ein Alternativ-Gipfel statt. Auch die etablierte Politik ließ Energiekonferenzen, Ernährungsgipfel und Reisemessen en masse folgen. Gegner und Veranstalter zufrieden. Was will man mehr?

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