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Bremen: Gut gemeinte Ehrung wird zur Posse : Ein Parkplatz für Loriot

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Wie kann man Loriot ehren? Bremen hat da eine ungewöhnliche Idee: mit einem Parkplatz. Dieser liegt direkt vor Radio Bremen, wo Vicco von Bülow einst auf Sendung ging. Doch Kritiker halten den Platz für unwürdig.

svz.de von
erstellt am 16.Dez.2011 | 11:34 Uhr

Bremen | Der im August gestorbene Humorist Vicco von Bülow sollte in Bremen posthum mit einem nach ihm benannten Parkplatz geehrt werden. Es schien der ideale Platz zu sein, schließlich liegt er direkt am Funkhaus von Radio Bremen. Der Sender könnte seine Adresse in Loriot-Platz ändern. Doch es hagelte für den Senat unerwartet heftige Kritik. "Hässlicher geht’s gar nicht", empört sich auch die CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Elisabeth Motschmann. Nun soll auf Wunsch der Tochter Loriots, Susanne von Bülow, die Diskussion erst einmal ausgesetzt werden.

Nachdem Loriot im August im Alter von 87 Jahren gestorben war, hatte die Bremer SPD-Bürgerschaftsfraktion die Idee, eine Straße oder einen Platz nach dem Künstler zu benennen. "Loriot war eng mit Bremen verbunden", begründete die SPD-Abgeordnete Antje Grotheer ihren Vorschlag. "Seine vielen großartigen Fernsehsketche, die er für und mit Radio Bremen produziert hat, werden unvergessen bleiben." Doch die Suche gestaltete sich schwierig, da die Änderung eines Straßennamens weitreichende Konsequenzen nicht nur für die Anlieger hat. Stolz präsentierte der Beirat Mitte, das dafür zuständige Stadtteilparlament, deshalb Ende November seinen Beschluss: Der bislang namenlose Parkplatz vor Radio Bremen sollte dem berühmten Humoristen gewidmet werden. Im Foyer des Funkhauses steht passenderweise auch das berühmte Loriot-Sofa.

Lieber eine Skulptur oder eine Brücke?

Ein Aufschrei der Empörung war die Folge. Ein Gastwirt schlug vor, doch lieber den Platz vor seinem Restaurant nach Loriot zu benennen - dort habe der Humorist gerne und oft gegessen, wenn er in Bremen war. Der Gastwirt wollte sogar eine Loriot-Skulptur stiften.

Die Idee findet die CDU-Politikerin Motschmann charmant: "Loriot liebte belebte Plätze mit Cafés und Einkaufsmöglichkeiten." Grünen-Chef Hermann Kuhn schlug dann noch vor, einer Brücke in der Innenstadt einen neuen Namen zu geben. "Diese Brücke ist eines so großen Humoristen würdig", betont Kuhn. Andere brachten die Stadtteile Überseestadt, Huchting und Osterholz ins Spiel.

Der Leiter des Ortsamtes Mitte, Robert Bücking, ist von der Diskussion überrascht und hält sie für überflüssig. "Wenn Loriot im Himmel gelandet ist, rotiert er vor Lachen auf seiner Wolke", sagt Bücking. Er hält am Beschluss des Beirats fest. "Wir könnten auch Bremen in Loriot-Town umbenennen", sagt er. Für ihn ist der Parkplatz vor Radio Bremen aber die beste und einzige Möglichkeit für eine Namensgebung. "Es gibt nicht viel Besseres."

Die CDU-Abgeordnete kritisiert, dass die Familie des Künstlers in die Diskussion nicht einbezogen wurde. "Ohne das Einverständnis der Familie geht das gar nicht", betont sie. Sie schlägt zudem eine Bürgerbefragung vor. Senatssprecher Werner Wick räumt ein, dass die Tochter Susanne von Bülow zunächst nicht informiert worden sei. Es gebe dafür aber auch kein vorgeschriebenes Verfahren. Dennoch sucht der Senat nun eine einvernehmliche Lösung mit der Familie von Bülow und will deshalb den Beiratsbeschluss nicht wie sonst üblich übernehmen.

Die Angelegenheit wurde inzwischen dem Bausenator übergeben. Die Diskussion um den Loriot-Platz nimmt Senatssprecher Wick unterdessen mit Humor. "Wir schaffen gerade ein virtuelles Andenken für Loriot und das unfreiwillig. Besser geht es nicht."

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