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16. Dezember 2017 | 21:51 Uhr

Ein langer Weg zurück ins Leben

vom

svz.de von
erstellt am 07.Mai.2010 | 07:08 Uhr

Dörthe Horn kann sich weder an ihren Schlaganfall noch an die ersten Tage danach erinnern. Erst Ende Februar setzt das Gedächtnis wieder ein. "Seitdem bin ich hier in Leezen", sagt die 55-Jährige mit leiser, stockender Stimme. Anfangs musste sie künstlich ernährt werden, konnte nicht sprechen, ganz zu schweigen davon, zu laufen oder sich allein zu waschen. Mittlerweile ist die Magensonde entfernt, sie spricht langsam, aber schon wieder gut verständlich.

Vier Anwendungen stehen täglich auf dem Plan der kleingewachsenen Frau. Noch legt sie die Wege zu den einzelnen Fachabteilungen der Rehaklinik am Schweriner Außensee im Rollstuhl zurück. Doch eisern übt sie jeden Tag, nicht nur die Hände, sondern im Simulator auch die Beine und Füße wieder zu beherrschen. "Bis zum 25. Mai hat die Kasse Frau Horn die Reha bei uns genehmigt", erklärt Bereichspflegedienstleiterin Heike Fehlberg. Gegebenenfalls würde man sich auch um eine Verlängerung bemühen. Doch Frau Horn möchte so bald wie möglich nach Hause. "Ich hab solches Heimweh", sagt sie leise. Und: "Ich hab doch hier niemanden zum Reden." Denn die Schwestern gäben sich zwar alle Mühe, hätten aber nie richtig Zeit. Ihr Mann würde zwar jeden Abend anrufen. Doch weil er selbst nicht Auto fährt und weil zwischen ihrem Wohnort in der Nähe von Oldenburg und der Helios Klinik bei Schwerin rund 200 km liegen, kann er höchstens einmal pro Woche zu Besuch kommen.

So kämpft Dörthe Horn unverdrossen gegen das Heimweh und gegen die Folgen ihres Schlaganfalls. Mit Hilfe der Schwestern war sie inzwischen sogar schon einmal draußen - nur auf dem Vorplatz der Klinik, aber immerhin. Vom Balkon ihres Einzelzimmers aus kann sie am anderen Seeufer die Landeshauptstadt sehen. Doch bei der momentanen Kälte bleibt die Balkontür geschlossen, schweifen die Blicke nur durch das Glas nach draußen. Dabei drehen sich die Gedanken immer wieder um das Warum. Warum musste gerade sie einen Schlaganfall bekommen?

Eigentlich liegt die Antwort auf der Hand. "Ich bin Diabetikerin. Und ich hatte viel Stress in der Firma…" Dörthe Horn arbeitet bei einem Medizinproduktehersteller - in drei Schichten. Die Arbeit macht ihr Spaß. Überstunden lehnt sie aber auch deshalb nicht ab, weil sie das Geld braucht. "Mein Mann ist Frührentner und bekommt nur eine kleine Rente", erklärt sie. Doch dass der Körper überfordert ist, kündigt sich an. "Ich hab mich schlecht gefühlt, war dauernd schlapp und bin auch mal umgekippt", erinnert sie sich.

Jetzt, knapp drei Monate nach dem Schlaganfall, schaut sie in der Reha-Klinik schon ganz bewusst nach Produkten ihrer Firma und ist fündig geworden. "Diese Schmetterlinge zum Blutabnehmen, die kommen von uns, das erkenne ich an der Farbe." Ob sie jemals wieder arbeiten können wird, darüber denkt Dörthe Horn momentan noch nicht nach. Vorerst ist sie dabei zu organisieren, wie das Leben unmittelbar nach ihrer Entlassung aus der Reha weitergehen soll. Zuerst will sich ihre Mutter um Dörthe Horn kümmern. Alles Weitere muss sich finden.

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