Ein Land feiert königlich - Elftes Landesfest war auch Leistungsschau des heimischen Handwerks

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07. September 2008, 06:57 Uhr

Zu dem erstmals an zwei Tagen stattfindenden Landesfest kamen am Samstag und Sonntag mehr als 180 000 Menschen nach Königs Wusterhausen, erlebten Unterhaltung auf acht Bühnen und in sechs Festbereichen

Königswusterhausen - An Aufmerksamkeit hat es Roland Dabow auf dem Brandenburg-Tag in Königs Wusterhausen nicht gemangelt. Etliche Passanten blieben am Wochenende an seinem Stand stehen, während der Dachdecker aus Vetschau im Spreewald kleine Reetdächer für lauschige Gartenlauben zurechtzimmerte. Ob er überhaupt aus Brandenburg komme, wollten viele wissen. Denn die meisten glaubten, er käme von der Küste.

Mit seiner Antwort verwies der 51-Jährige auf die einstige Tradition des Reetdachs in der Mark. „Früher war fast jedes Haus in Brandenburg mit Schilf gedeckt. Reetdächer sind also keine Erfindung aus Mecklenburg“, klärte er auf.

„Viele traditionelle Handwerksberufe sind bei den Leuten in Vergessenheit geraten. Seilern, Sattlern und Böttchern geht es ähnlich“, sagte Dabow. Die Veranstalter hatten das elfte Landesfest deshalb auch zu einer Leistungsschau des heimischen Handwerks erklärt und Vertreter aller Innungen eingeladen.

Gefolgt waren dem Aufruf schließlich 55 Brandenburger Betriebe. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) zeigte sich bei seinem Rundgang zufrieden: „Hier kann man die ganze Bandbreite dessen sehen, was Brandenburgs Handwerker zu bieten haben.“

Die meisten Besucher waren an dem erstmals an zwei Tagen stattfindenden Brandenburg-Tag jedoch der Unterhaltung wegen nach Königs Wusterhausen gekommen. Unter dem Motto „Brandenburg feiert königlich“ war die komplette Innenstadt vom Bahnhof bis zum Nottekanal und vom Schloss bis zum Funkerberg am Samstag und Sonntag in einen einzigen Festplatz umgestaltet worden.

Auf mehreren Bühnen gab es ein buntes Programm mit nationalen und internationalen Künstlern. Unzählige Stände boten kulinarische Genüsse und Kunstgewerbe. Im Zelt der Landesregierung kamen Interessierte mit Politikern ins Gespräch.

Zu den Höhepunkten gehörte am Sonntag ein großer Festumzug mit rund 1250 Mitwirkenden: Der Umzug der Musikgruppen und Ensembles aus allen Regionen Brandenburgs wurde durch Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. und seine Gattin Sophie Dorothea angeführt, die von den Schauspielern Herbert Köfer und Ursula Karusseit verkörpert wurden.

Auch das Galakonzert auf dem Funkerberg am Samstagabend war sehr gut besucht. An der historischen Stelle, wo 1920 mit der Übertragung eines Weihnachtskonzerts das Zeitalter des öffentlichen Rundfunks in Deutschland eingeläutet wurde, begeisterten Sängerin Annett Louisan, die Berliner Band Zweiraumwohnung und das Filmorchester Babelsberg ihr Publikum.

Besonderes Interesse gab es auf dem Fest für das wohl größte Xylophon der Welt – gebaut aus Baumstämmen. Und am Nottekanal sahen Besucher den mit frischem Olympiagold dekorierten Kanutinnen Fanny Fischer und Katrin Wagner-Augustin sowie den Olympiazweiten Ronald Rauhe und Tim Wieskötter dabei zu, wie sie einheimischen Politikern beim Kampf um den Pokal der Kommunalpolitiker und Landräte ins richtige Fahrwasser verhalfen.

Der mittlerweile traditionelle Brandenburg-Tag geht auf eine Idee von Platzecks Vorgänger Manfred Stolpe (SPD) zurück. Der einstige Landesvater hatte 1995 das Volksfest unter Beteiligung von Vereinen und Organisationen ins Leben gerufen, um damit das Identitätsgefühl der Brandenburger zu stärken.

Platzeck forderte die Brandenburger beim diesjährigen Landesfest auf, ihr Selbstbewusstsein zu stärken. „Wir wissen, was wir können, und sollten das auch zeigen.“ Den Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands müsse Brandenburg nicht scheuen. Für das diesjährige Fest hatten das Land 310 000 und die Stadt 50 000 Euro bereitgestellt. An den Kosten beteiligten sich zudem Sponsoren.

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