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Zeitungsladen zieht während des Straßenumbaus in Ludwigslust um : Ein Kiosk hängt am Haken

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Spezialkranführer Egon Ott hatte schon viel am Haken hängen. An diesem Tag zieht er an der Ecke Breite Straße/Lindenstraße etwas in die Höhe, das er nur selten durch die Luft baumeln lässt: einen Kiosk.

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erstellt am 21.Jun.2011 | 11:13 Uhr

Spezialkranführer Egon Ott hatte schon viel am Haken hängen. Lastkraftwagen, Autos, vornehmlich Baumaterial. An diesem Tag zieht Ott an der Ecke Breite Straße/Lindenstraße etwas in die Höhe, das er nur selten durch die Luft baumeln lässt: einen Kiosk.

Die Gurte aus Chemiefaser sind unter dem Blechcontainer durchgezogen und unterhalb der Kranspitze mit einem Eisenkarabiner verbunden. Die beiden Gurte können zusammen 16 Tonnen tragen, doch die Existenzgrundlage von Monika Henning wiegt nur geschätzte zweieinhalb. Trotzdem hat die Kioskbesitzerin ein mulmiges Gefühl. Sie hofft, das die Bänder nicht reißen, doch Egon Ott ist da ganz gelassen. "Ich mache das seit 40 Jahren, und da ist noch nie etwas vom Haken gefallen", sagt der 58-Jährige. Man müsse nur immer gut aufpassen. Kranführer Ott passt auch an diesem Tag gut auf - und zieht den Kiosk behutsam in die Höhe.

1400 Magazine und Zeitungen auf zehn Quadratmetern

Ein paar Hundert Meter weiter unten, dort wo die Lindenstraße am Mecklenburger Hof endet, da haben an diesem Montag die Bauarbeiten angefangen. Eine riesige Fräse frisst sich durch den Asphalt und spuckt die Reste des Straßenbelags über ein Fließband auf die Ladefläche eines Lkw. Die Bauarbeiten sind der Grund, warum Hennings Container weg muss, denn auch die Breite Straße wird in die Komplettsanierung eingebunden. "In sechs, sieben Monaten soll der Kiosk wieder zurück in die Breite Straße",, sagt Monika Henning, und zeigt auf die andere Straßenseite. 20 Meter vom alten Standort entfernt soll ihr Geschäft wieder platziert werden. Doch jetzt kommt erst einmal der Umzug zur neuen Stellfläche auf dem Parkplatz vor der Sparkasse. Das sei, sagt Henning, mit der Stadt so vereinbart worden.

Sonntag ist Ruhetag, aber an den anderen Tagen steht die Kioskbesitzerin um 4 Uhr in der Frühe auf. Von Loosen geht es nach Ludwigslust, um 5.20 Uhr zieht sie die Rollos ihres kleinen Ladens hoch. Ein paar Blumen, ein großes Angebot an Tabakwaren, ein noch umfangreicheres Sortiment an bedrucktem Papier. "Da habe ich allein 1400 verschiedene Titel", sagt Monika Henning, die zehn Quadratmeter Verkaufsfläche besitzt und den Laden seit 2006 betreibt. "Die SVZ und die Bild-Zeitung, die laufen jeden Tag am besten", ergänzt Monika Henning. Und all die Tageszeitungen und Wochenmagazine, all die Liebes-Romane und Kinderheftchen, all die Fachblätter für Heimwerker, Sportfans oder Autoliebhaber, die musste sie jetzt alle verpacken und ausräumen.

Mittlerweile hängt der Container über dem Sattelschlepper. Langsam ablassen. Noch ein paar Zentimeter nach rechts, dann passt es. Die Fahrzeuge sind zwei Kurven später schon am Ziel. Jetzt wird der Kiosk auf den neuen Stellplatz gehievt. Für Kranführer Ott reine Routine, für Monika Henning reine Erleichterung. Einräumen, auf den Stromanschluss warten - und dann geht der Verkauf weiter.

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