Ein „Indianer“ auf Abwegen

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09. Juli 2008, 10:49 Uhr

Wipersdorf - In seinem Haus in Wipersdorf stapeln sich Filme en masse. Filme der verschiedensten Genres und Bildbreiten. So findet man in seinem „Allerheiligsten“ Stummfilme aus den 20ern ebenso wie Filme aus den 30er - und 40er- Jahren, Heimatfilme, Märchenfilme, Ballettfilme, politisch angehauchte Streifen aus DDR-Zeiten wie zum Beispiel Pionier- und Ernst-Thälmann-Filme.

Wie viele genau er inzwischen besitzt, das vermag Detlef Hüttig nicht exakt zu sagen. Denn eines Tages hörte er einfach auf zu zählen. Doch eines weiß der Hobbyfilmer ganz genau: Mindestens einmal in jeder Woche, zumeist aber öfter, schmeißt er den Filmprojektor an und schwelgt filmisch in Erinnerungen. Das ist für ihn ein Muss.

Doch Detlef Hüttig ist nicht nur Genießer der Filmkunst. Die meisten seiner Filme stammen aus der eigenen Hand. „Im Laufe der Jahre habe ich etwa 30 Filmrollen selbst gedreht; 8mm-Filme, 35mm-Filme usw. Und viele von ihnen habe ich auch selbst vertont.“

Doch eigentlich gehört zum Hobby von Detlef Hüttig neben der Motivsuche und dem Filmen selbst die Bearbeitung, Vertonung und Filmvorführung im hauseigenen Kino. Wenn er einen seiner neuesten Filmprojektoren anschmeißt, dann für gute Freunde und Bekannte.

Detlef Hüttig ist gebürtiger Fischländer, sein Geburtsort ist Wustrow. Schon als Junge interessierte er sich fürs Kino, besuchte oft das Zeltkino, wenn sich der Landfilm angesagt hatte. Oftmals fand Detlef Hürtig in dort aufgestellten Papierkörben alte Filmstreifen oder Teile davon mit Gesichtern, Köpfen, Landschaften. Er sammelte diese und klebte sie mit seinen geschickten Händen mit Kittifix wieder zusammen.

Um diese Filme aber auch nutzen zu können, sammelte der Junge fortan Altstoffe und sparte sich davon seine erste Filmausrüstung zusammen. „Ich weiß noch, dass es damals für ein Kilo Altpapier 20 Pfennige, für ein Glas 5 bis 10 Pfennige und für ein Kilo Alttextilien 50 Pfennige gab. Mein Jugendweihegeld habe ich dazugelegt und mir dafür meine erste Filmkamera, eine Aurora Super, und einen Projektor der Marke Meopta zugelegt.“ Und Detlef Hüttig weiß auch noch genau, dass er für einen Farbfilm 20,50 Mark und für einen Schwarz-Weiß-Film 10,50 Mark hinblättern musste.

Die Filme waren Umkehrfilme, also doppelseitig verwendbar. Und dann zog der Junge mit seinem Fotogeschirr los. Besonders hatten es ihm Naturaufnahmen angetan. So streifte er durch die Gegend – immer auf der Suche nach landschaftsprägenden Motiven. In diesem Falle war das vor allem die Steilküste seiner Heimat.

Von 1980 bis 1988 wurde er bei der Kreisbildstelle Ribnitz-Damgarten Landfilmvorführer, nachdem er erfolgreich eine Umschulung (war Kfz-Lackierer) gemacht hatte. „Von einer Rentnerin ließ ich mir später einen Projektor aus dem Westen mitbringen, für 2500 Mark. Und der läuft heute noch“, lacht Hüttig.

„Ein Regie-2000-Mischpult hatte ich mir schon zu DDR-Zeiten zugelegt – mit Diodenstecker, Plattenspieler, Tonband usw. Zusätzlich zu den Naturaufnahmen spielte ich auch klassische Musik ein, zum Beispiel die ,Vier Jahreszeiten’ von Vivaldi, und gab die entsprechenden Erläuterungen dazu. Die fertigen Filme führte ich dann im privaten Kreise vor. Es muss einfach knattern bei der mechanischen und optischen Filmwiedergabe“, schwärmt der Hobby-Fachmann. Auch Filmbörsen sind vor ihm nicht sicher. Über 30 Jahre hat er Filmformate weltweit gesammelt und schon fast alle zusammen.

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