Schlossfestspiele in Schwerin : Ein erster Blick in die Wolfsschlucht

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Es mutet ein wenig an wie das Gemälde der Klosterruine Eldena von Caspar David Friedrich, das gestern vorgestellte Bühnenbild der diesjährigen Schlossfestspiele in Schwerin.

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11. Februar 2011, 09:28 Uhr

Es mutet ein wenig an wie das Gemälde der Klosterruine Eldena von Caspar David Friedrich, das gestern vorgestellte Bühnenbild der diesjährigen Schlossfestspiele: Im Vordergrund riesige knorrige Eichen, zum Teil schon abgestorben, die ihre Äste wie Tentakeln ausstrecken, dahinter eine Ruine mit mehreren Rundbögen, etwas im Wald verborgen und oben drüber thront der Vollmond, der trübes Licht auf die Szenerie wirft. Romantik pur. "Und das ist auch so beabsichtigt", sagt Lutz Kreise l, langjähriger Chefbühnenbildner des Mecklenburgischen Staatstheaters, der zum achten Mal den szenischen Raum für die große Open-Air-Sommeroper des Staatstheaters entworfen hat. "Ich habe mich da durchaus von dem großen Greifswalder Maler, der wie kein anderer für die Romantik steht, inspirieren lassen."

Denn gespielt wird diesmal bei den Schlossfestspielen nicht Giuseppe Verdi, sondern Carl Maria von Weber, genauer gesagt: seine bekannteste Oper "Der Freischütz", musikalisches Symbol dieser Epoche der Kunst. Da muss das Umfeld natürlich stimmen. "Diese Oper der deutschen Romantik passt so optimal wie keine andere auf die Freilichtbühne, sie gehört geradezu dorthin", begründete Intendant Joachim Kümmritz die Wahl des Spielortes. Eine einmalige Entscheidung, die aus der Not geboren worden war, in diesem Jahr wegen der Bauarbeiten auf dem Alten Garten nicht auf dem gewohnten Platz inszenieren zu können, wie er betonte.

Dieser Wechsel indes dürfte nicht nur für die Zuschauer besonderen Reiz haben. Auch Regisseur Frank Bernd Gottschalk, der bereits 2008 "Carmen" für die Schlossfestspiele inszeniert hatte, verkündete schmunzelnd, er finde es schön, wenn Regeln unterbrochen werden, und der Schlossgarten biete sich einfach an als natürliche Kulisse für diese Oper. Gottschalk nannte den "Freischütz" "ein Abenteuer", und Abenteuer seien spannend. Diesem Anspruch werde seine Inszenierung gerecht, versprach der Regisseur und ließ am Modell einen ersten Blick in die Wolfsschlucht zu, die selbstverständlich in seiner Inszenierung der Weber-Oper eine zentrale Rolle spielen werde.

Doch ganz so optimal, wie der Spielort Freilichtbühne auf den ersten Blick scheint, ist er nicht, erläuterte Kreisel. So passe das Dach nicht ins Bild und müsse demontiert werden. Stattdessen werde ein riesiger Bilderrahmen konstruiert, der im oberen Bereich die Scheinwerfer aufnimmt. Die Bühne selbst wird erweitert und die Landschaft direkt an sie herangeführt. Besonders kompliziert werde es, die Garderoben, Masken und Aufenthaltsräume für die mehr als 200 Mitwirkenden so aufzubauen, dass sie trotz unmittel barer Bühnennähe nicht das Bild stören. Angesichts des fehlenden Orchestergrabens werde die Staatskapelle in der Ruine untergebracht, verrät Kreisel einige Details. Neu und attraktiv solle auch die Eingangssituation gestaltet werden: Von den Kaskaden bis zur Freilichtbühne werde ein eigenständiges Entree-Programm inszeniert mit wechselnden Ausstellungen, Konzerten und Schauspielereien.

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