Ein Dorf kämpft um sein "Schloss"

Bewohnt wurde das Schloss bis 1945 u.a. von den Familien Maue, von Stern, von Schack, von Konsul Köster sowie von der Familie Briesemann.  Unter Denkmalschutz steht nicht nur das Gebäude, sondern auch der Park. Für seine Gestaltung sollen Studenten der Hochschulen aus Neubrandenburg oder Wismar ein Konzept, das die Denkmalbehörde begleitet, erarbeiten. Foto: Hans-Jürgen Kowalzik
Bewohnt wurde das Schloss bis 1945 u.a. von den Familien Maue, von Stern, von Schack, von Konsul Köster sowie von der Familie Briesemann. Unter Denkmalschutz steht nicht nur das Gebäude, sondern auch der Park. Für seine Gestaltung sollen Studenten der Hochschulen aus Neubrandenburg oder Wismar ein Konzept, das die Denkmalbehörde begleitet, erarbeiten. Foto: Hans-Jürgen Kowalzik

Für das von der "Urbevölkerung" liebevoll als "unser Schloss" bezeichnete Herrenhaus Brookhusen gibt es wieder Hoffnung, dass es genutzt wird. Ein neuer Investor ist da, und es läuft die Rückübertragung.

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18. Dezember 2008, 09:34 Uhr

Brookhusen | Dieter Krauel ist Brookhusener mit Leib und Seele, Gemeindevertreter und stellvertretender Bürgermeister. Das prädestiniert ihn, sich besonders mit dem Sorgenkind Brookhusener Schloss zu beschäftigen. Das führt seit Jahren ein kümmerliches Dasein, weil der Besitzer, der es Anfang 2000 von der Gemeinde Benitz-Brookhusen kaufte, nichts unternahm, um das unter Denkmalschutz stehende Haus zu erhalten. Dieter Krauel: "Der Kaufvertrag sieht vor, das Haus zu sanieren und ein vernünftiges Nutzungskonzept umzusetzen. Aber der Besitzer unternahm nichts. Im Gegenteil: Er verschwand in Richtung Litauen, und das Haus verfällt weiter."

Das wurmte Krauel, die anderen Gemeindevertreter und die Brookhusener, die das Herrenhaus liebevoll "unser Schloss" nennen. Zumal sich jetzt ein neuer Investor für das Schloss gefunden hat. Krauel: "Es ist ein Rostocker Geschäftsmann, der es kaufen und für sich und mit Ferienwohnungen nutzen will."

Gemeinde leitet Rückübertragung einDie Gemeinde ging daher in die Spur, um das Gebäude zu retten. Zuallererst versuchte sie noch einmal über das Amt, den Besitzer zu erreichen. Ergebnis: keine Antwort. Krauel: "Unsere weiteren Recherchen ergaben, dass wir als Gemeinde im Grundbuch als Erste stehen. Da in dem Vertrag eine Rückgabeklausel enthalten ist, die greift, wenn der Investor seinen Verpflichtungen nicht nachkommt, streben wir eine Rückübertragung an." Dieter Krauel ist guter Hoffnung, dass der neue Investor den Zuschlag erhält: "Es ist für uns die beste, wenn nicht sogar einzige Lösung, das Schloss zu retten. Wenn uns der neuerliche Verkauf nicht gelingt, fällt das Haus zusammen, und auf dem privaten Gelände bleibt eine Ruine zurück, die vermutlich nie weggeräumt wird oder aber hohe Kosten verursacht, wenn die Gemeinde handeln muss, weil Gefahr im Verzug ist."

Die Gemeinde will das Schloss auch erhalten, weil es das Dorfbild prägt, und das seit Jahrhunderten. Zwar ist nicht genau belegt, wann das Herrenhaus gebaut wurde, aber erste Grundrisse und Lagepläne stammen von 1728.

Denkmalexperten gehen davon aus, dass das Haus nach und nach in drei Teilen errichtet wurde. So wie es jetzt aussieht, wurde es Ende des 19. Jahrhunderts im Stil der Neorenaissance von Familie Briesemann umgebaut. Die sollen dort bis in die 1940er-Jahre gelebt haben, sagt Krauel.

Nach 1945 war es Konsum, Kino, Arztpraxis, und bis Anfang der 90er-Jahre wohnten dort Familien.

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