Ein Dorf in Angst

Ruhig wirkt das kleine Dorf Kuhs, doch nachts  geht es heiß her. Anwohner haben Jugendliche im Verdacht.Foto: Frank Pubantz
Ruhig wirkt das kleine Dorf Kuhs, doch nachts geht es heiß her. Anwohner haben Jugendliche im Verdacht.Foto: Frank Pubantz

Ein Dorf sieht rot: Seit rund zwei Monaten häufen sich Straftaten im kleinen Kuhs an der B 103. Diebstahl, Einbruch, Sachbeschädigung – die Liste der Vorwürfe ist lang. Kuhser haben eine Gruppe Jugendlicher im Verdacht und wollen eine Bürgerwehr gründen.

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22. September 2008, 07:48 Uhr

Kuhs - Wut und Angst hängen in einem Raum, in dem sich gestern eine Gruppe Einwohner versammelt, um zu beraten, wie eine Serie von Straftaten in Kuhs beendet werden könnte. Mehrere Einbrüche habe es in den vergangenen Wochen gegeben, Technik sei verschwunden, dazu komme nächtlicher Lärm und Sachbeschädigung.
Was tun? Die Kuhser im Raum wollen eine Lösung ihres Problems. Seinen Namen möchte aber niemand in der Zeitung lesen (sind der Redaktion alle bekannt) – aus Angst, das nächste Opfer zu sein. „Das Maß ist voll“, sagt ein Mann erregt. „Es kann doch nicht sein, dass ein ganzes Dorf in Angst und Schrecken lebt“, sagt ein anderer. „Kuhs braucht Hilfe“, ein dritter.

Vor gut sechs Wochen habe die Serie von Vorfällen begonnen. Die Kuhser haben eine Gruppe Jugendlicher im Verdacht, 15 bis 17 Jahre alt, die sich um einen im Ort lebenden Jugendlichen schart. Sie schildern viele Taten, sprechen davon, dass die Clique das Dorf und auch die Umgegend terrorisiere. Anzeigen bei der Polizei seien bisher vergeblich gewesen. „Es tut sich nichts“, moniert ein Anwohner. Polizisten hätten zwar Anzeigen aufgenommen, aber die Straftaten gingen weiter. Das Jugendamt unternehme nichts, die Mutter des verdächtigen Jugendlichen sei überfordert. Dazu reagiert Rainer Boldt, Bezernent in der Kreisverwaltung: „Das Jugendamt ist keine allgemeine Erziehungsanstalt.“ Bei Straftaten sei die Polizei zuständig.

Einige Kuhser haben bereits reagiert. Eine Geschäftsfrau lässt ihr Unternehmen jetzt auch nachts bewachen, da sie weitere Überfälle befürchtet. Andere wollen eine Bürgerwehr gründen. Aber ist das der richtige Weg? Zweifeln in der Runde. „Es muss doch nicht sein, dass wir uns gegenseitig mit Knüppeln bekämpfen“, sagt ein Mann. Doch er sorgt sich: Was, wenn die Täter bei einem nächtlichen Zug einen Waffenschrank im Ort knacken?

Der Polizei liegen die Anzeigen der Kuhser vor. „Die Kripo ermittelt“, sagte gestern Norbert Niessen, Leiter des Bützower Reviers, das auch für Kuhs zuständig ist. Ein Tatverdächtiger sei der Polizei „einschlägig bekannt“. Eine Bürgerwehr beäugt der Polizeichef kritisch. Ihm wäre es lieber, die Kuhser würden sich mit allen ihren Anliegen an die Polizei wenden und darauf vertrauen, dass die Staatsgewalt das Problem löst

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