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Der Schauspieler Peter Sodann wird heute 75 Jahre alt : Ein bisschen Diva auch mit 75

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Peter Sodann sitzt im Café des Neuen Theaters in Halle. Die Wand mit den zahlreichen Fotografien aus der Vergangenheit, auch seiner, hat er im Blick, trinkt seinen Kaffee und raucht eine Zigarette.

Peter Sodann sitzt nachdenklich im Café des Neuen Theaters in Halle. Die Wand mit den zahlreichen Fotografien aus der Vergangenheit, auch seiner, hat er im Blick, trinkt seinen Kaffee und raucht eine Zigarette. Bis 2005 war er Intendant des Hauses. Heute feiert der gebürtige Sachse seinen 75. Geburtstag. Wenn es nach ihm ginge, würde er gern 125 Jahre alt werden, sagt Sodann und begründet auch gleich schmunzelnd: "Weil ich dann all diejenigen noch beerdigen kann, die mich geärgert haben."

Geärgert hat ihn wohl so einiges im Leben. Das Neue Theater, das er in den 1980er-Jahren auf- und mit viel Engagement zu einer Kulturinsel ausbaute, hat er nach der Auflösung seines Intendantenvertrages mit der Stadt jahrelang nicht betreten.

Schauspieldozenten hielten ihn für talentlos

Die Frage nach seiner Motivation für die Schauspielerei und seine zahlreichen anderen Projekte lässt sich für Sodann nicht in einem Satz erklären. Es ist keine Frage, die sich für ihn stellt. Sodann trinkt noch einen Kaffee und raucht noch eine Zigarette, denkt nach.

Schauspieler sei er geworden, "weil ich es gern wollte", obwohl ihn die fünf Dozenten der Schauspielschule Leipzig bei seinem ersten Vorsprechen für talentlos hielten. Es folgten vier Semester Jura, er leitete ein Studentenkabarett, wurde wegen staatsfeindlicher Hetze verhaftet und zu zwei Jahren Haft verurteilt.


Erstes Theaterengagement bei Helene Weigel

Sein erstes Theaterengagement führte ihn 1964 ans Berliner Ensemble zu Helene Weigel, zwei Jahre später ging er wieder, weil er größere Rollen spielen wollte, in die Provinz. Sodann entschied nach eigenen Worten stets nach dem Motto: "Haste noch nicht gemacht, dümmer wirste dabei auch nicht." Darum hatte er sich auch 2009 als Bundespräsidentschaftskandidat der Linken aufstellen lassen. Mit dem Ergebnis war Sodann zufrieden.

Vom Fernsehen ist Peter Sodann ein wenig enttäuscht. Lange Jahre spielte er den Leipziger "Tatort"-Kommissar Bruno Ehrlicher, musste dann gehen, hörte nie wieder etwas von den "versprochenen großen Rollen". Er selbst sieht sich auch kaum einen "Tatort" im Fernsehen an, sagt Sodann. Medien und Politik seien schwierige Felder für ihn. Die Linke unterstützt er aber nach wie vor. Sodann hält sie noch immer für "die einzige Partei, die wählbar ist, weil sie der Wahrheit am nächsten kommt". Und gerne führt er auch sein politisches Engagement an, um zu erklären, warum er eben nicht mehr den "Tatort" machen darf.

Überraschender Ausstieg bei Schlossfestspielen in Schwerin

Prominent ist er immer noch, und als ihn das Schweriner Staatstheater als Gaststar für die Schlossfestspiele 2011 verpflichten wollte, sagte Sodann zu. Eben nach dem Motto "Haste noch nicht gemacht…", wie er bei den ersten Pressekonferenzen erklärte. Aber es dauerte nur wenige Wochen, und er warf die extra für ihn erweiterte Sprechrolle des Schwarzen Jägers im "Freischütz" nach den ersten Proben wieder hin. "Sie geht nicht in meinen Kopf", begründete er die überraschende Absage, und er fürchte "unvorhergesehene Ereignisse" während der Vorstellungen. AberAlzheimer habe er nicht, betonte er auf entsprechende Nachfragen, und die Textmenge sei eigentlich "ein Klacks". Den Rückzug wolle er bitte als Dienst an den Schlossfestspielen und den Kollegen verstanden wissen… Ein bisschen Diva - das ist er schon, und wäre er Österreicher, hätte er sich das Etikett "Grantler" redlich verdient.

Gern zitiert Sodann aus der Literatur, um deutlich zu machen, was er meint. Zum Wahlausgang in Sachsen-Anhalt fällt ihm sofort ein Hamlet-Zitat ein. Goethe bleibt für ihn ebenfalls immer aktuell. In Reichardts Garten in Halle setze er sich oft auf eine Bank, auf der schon Goethe gesessen haben soll. "In dem Moment habe ich manchmal einen heiteren Gedanken." Das Hasten und Hetzen in dieser Welt gefällt ihm nicht. Aber er verzweifle nicht daran, sagt er, der Mensch sei nach wie vor lernfähig.

An seinem Geburtstag will er keine Rede halten, aber ein Gedicht hat er ausgewählt. Das wolle er den Gästen vortragen. Sein größtes Projekt ist derzeit seine Sammlung von aktuell 600 000 Büchern aus der DDR, die er nach Staucha in Sachsen ausgelagert hat. Die Bücher sollen in den kommenden Jahren ausgepackt und katalogisiert werden.

Sodann ist sich sicher, dass die von ihm geplante DDR-Bibliothek Zukunft hat. Zu seinem Geburtstag wünscht er sich Spenden und Unterstützung für seine Bibliothek. Bücher zu sammeln, dies werde er bis zum Lebensende tun, sagt er.

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erstellt am 01.Jun.2011 | 09:51 Uhr

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