Parchim liest 2010 : Ein Bestseller im Kulturkalender

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Gestern Nachmittag war Finale bei Parchim liest. Bei Sternchen-Kindermoden und im Irish Pub klang das Lesefest 2010 mit Märchen und Beatles-Songs aus.

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22. November 2010, 11:23 Uhr

Parchim | Zum fünften Mal gelang es einem Kreis kulturinteressierter Parchimer, ein anspruchsvolles literarisches Veranstaltungspaket mit 13 Kapiteln an elf unterschiedlichen Lese-Schauplätzen zu schnüren. Parallel dazu klinkten sich erstmals alle Parchimer Schulen mit ein.

Über Liebe & mehr geplaudert

Als Parchim am Freitagabend in das lange Lesewochenende startete, war Lyrik auch in der Stadthalle Programm. Auf der Bühne des großen Saals: Schauspielern Karin Düwel, die Gedichte von Erwin Berner interpretierte, und Sängerin Veronika Fischer, die neue und alt bekannte Lieder sang. An der Seite der beiden Künstlerinnen spielte Pianist Andreas Gundlach. "Über die Liebe und andere Unzulänglichkeiten" plauderten Fischer und Düwel ein wenig aus dem eigenen Nähkästchen. Dabei erinnerten sie sich an ihre Jugendzeit, ohne Wemut, mit Humor. Wie wichtig die richtige Klamotte in Teeniejahren war oder das Tragen eines BHs, welches Make up zu DDR-Zeiten taugte oder nicht und wie sie es heute halten mit der Liebe und dem Leben. Dabei ließen sie auch Themen wie die Wechseljahre bei Männern, weg gelaufene Ehemänner und Schadenfreude nicht aus, wenngleich sie erst im zweiten Teil des gut 90minütigen Programms so richtig ihre Form gefunden zu haben schienen. Und so rezitierte Düwel auf ihre ganz eigene Art und sorgte für einige Lachfältchen, während Fischers Songs bisweilen unter die Haut gingen.

Sehr zur Freude des Publikums sang sie auch bekannte Lieder wie "Auf der Wiese haben wir gelegen" oder "Schneeflocke". Die Botschaft des Trios: sich immer wieder auf eine neue Liebe einlassen können, trotz mancher schlechten Erfahrungen, macht unser Leben reicher und interessanter.

Ein Forum für Schreibende

Hut ab vor den Mitarbeiterinnen der Parchimer Stadtbibliothek, denen es zum fünften Mal gelang, Schreibenden das gewohnt ansprechende Forum zu bieten: Ist die Bibo doch derzeit eine Baustelle. Isolde Böhme, Theodor Fischer, Hannelore Mussar, Ingrid Helene Vetter, Karin Preuß, Petra Radde, Burkhard Bartsch, Michael Boehm und Vivieen Meyer lasen hier aus (bisher) unveröffentlichten Manuskripten.

Gamuppel landete bei tabula

Auf einem Sonnenstrahl rutschte ein kleiner runder Kerl namens Gamuppel mit freundlichem Gesicht, blitzenden blauen Augen und einem lustigen roten Mund direkt in die Buchhandlung "tabula". Seine Schöpferin, die Autorin Ulrike Gau, hatte wohl den weitesten Anfahrtsweg zu "Parchim liest!" auf sich genommen: Sie ist im Schwarzwald zu Hause. Der Empfang in der wie eine urgemütliche Stube wirkenden Buchhandlung von Antje Meinke war überaus herzlich. Doch genau diese familiäre Atmosphäre hatte Verlegerin Elke Knoblauch vom prignitz-pur Verlag der Debütantin, die das Schreiben ihres Erstlings als echtes Abenteuer empfand, schon prophezeit. Bislang erlebte jedes von Elke Knoblauch herausgebrachte Buch seine Premiere oder eine der ersten Präsentationen bei tabula. Eine Überraschung in "Gamuppels Sternenreise" sind übrigens die Illustrationen von Martina Badstuber. Sie schreien förmlich danach, dass die kleinen Leser zum Buntstift greifen und ihrer Phantasie freien Lauf lassen. Einige Abschnitte sind sogar völlig weiß und warten nur darauf, gefüllt zu werden!

Gänsehaut pur im anno poll

"Leben, was sonst" ist ein Buch, das Gedichte von Gabriele Berthel und Portraits von Helga Kaffke vereint. Herausgegeben wurde es durch den Parchimer Galeristen Eckhard Bergmann. Diese Symbiose, die Bilder auf eine Leinwand projiziert und die Gedichte auf der Bühne interpretiert erlebten die "Parchim liest" - Gäste im anno poll. Es war Gänsehaut pur, als der Schauspieler Dieter Wien den Gedichten von Berthel Leben einhauchte und das mit Wucht und Leichtigkeit und Leidenschaft. Hinter sich Kaffkes Portraits von hoffnungslos scheinenden Jugendlichen, schien es, als würde der aus vielen DEFA - Kinofilmen, Fernsehfilmen, Theater - und Hörfunkproduktionen bekannte Schauspieler sie mit den emotionalen Texten fast zum Leben erwecken. Mit eindringlich intensiver Stimme, reduzierten Gesten, Blicken, mal verhalten, mal fordernd, gab der heute Sechsundsiebzigjährige dem Publikum eine nachhaltige Vorstellung seines Könnens. Abgerundet wurde dieser literarisch - musikalische Abend durch "The I Wonder", einer vierköpfigen Band aus Berlin, die mit ihren eingängigen Rocksongs ebenfalls begeistern konnte.

Vorfreude auf sechste Auflage

Parchims Lesefest 2010 ist leider zu Ende, doch zum Glück bleiben noch viele lange Winter- und lauschige Sommer(urlaubs)abende, um sich die Zeit bis zur sechsten Auflage von "Parchim liest" zu vertreiben. Dürfen wir hoffen, dass auch 2011 wieder Mecklenburgisches Landesteater, Buchhandlung Fette, Café Melange, Stadthalle, St. Marienkirche, Stadtbibliothek, Fritz-Reuter-Klub, Buchhandlung tabula, Musikkneipe anno poll, Sternchen Kindermoden und Irish Pub zum Schauplatz werden?

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