Ein Auto mit Charakter

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195 PS, V8-Motor und 5,8-Liter-Hubraum: Diese Details stecken nicht in einem Ferrari, sondern in einem Tschaika. Der Wagen aus der Sowjetunion ist das Schmuckstück im Blaulichtmuseum in Beuster bei Wittenberge.

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30. Mai 2008, 06:51 Uhr

Beuster - In der Werkstatt des Blaulichtmuseum in Beuster, in der das Startrampen-Fahrzeug SIL 135 steht, liegt der Geruch von Öl und Metall in der Luft. Schraubstöcke sind fest montiert und Werkzeuge wohin man blickt – damit die Oldtimer jederzeit bei Bedarf repariert werden können. Ralf von Hagen, Leiter des Museums, bastelt am liebsten an seinem „Tschaika“ aus dem Jahre 1961. „Es ist eine Staatskarosse, die in der Sowjetunion gebaut wurde“, erzählt er und seine Augen leuchten. Der 56-Jährige besitzt den markanten Schlitten bereits seit 2005. Freunde erzählten ihm damals, dass in der Nähe von Magdeburg noch ein solches Gefährt stehe, das allerdings zu diesem Zeitpunkt nicht mehr fahrtüchtig war. Ralf von Hagen kaufte den Sechssitzer trotzdem.

Nach und nach bringt er seitdem die noble schwarz lackierte Karosse auf Vordermann. Über ein Jahr habe es gedauert, bis ein funktionierender Motor wieder eingebaut war. „Über Freunde habe ich einen originalen werksneuen Motor bekommen, der sogar noch in einer Holzkiste verpackt war“, erinnert sich von Hagen. Der V8-Motor mit einem 5,8-Liter-Hubraum und 195 PS – die Maschine hat es ganz schön in sich. „Bei 100 Kilometer pro Stunde verbraucht der Wagen zwischen 23 und 25 Liter“, sagt von Hagen. Der Wittenberger fährt den Tschaika auch privat und zu Präsentationszwecken. Der V8-Motor sei ein absolutes Faszinosum, erzählt er verschmitzt. Automatikgetriebe und Servolenkung gehörten 1961 ebenfalls schon zur Ausstattung.

Damit auch die äußere Erscheinung wieder in vollem Glanz erstrahlt, hat der Mittfünfziger leichte Veränderungen vorgenommen. Insbesondere die Räder, die der Wittenberger auswechselte, ziehen da die Blicke auf sich. Die sogenannten „Weißwandreifen“, die er in den USA bestellte, verleihen der Karosse erst richtig ihren staatstragenden Charakter. „Der Transport allein dauerte drei Monate.“
Die Innenausstattung der Nobelkarosse ließ – für den damaligen technischen Entwicklungsstand – kaum keinen Wunsch offen. Neben einer Elfenbein-Kunststoff-Armatur mit einem Lenkrad aus dem Material des Elefanten-Stoßzahn und einem eingebautem UKW-Radio hat der Wagen auch schon elektrische Fensterheber. „Er hat zusätzlich zu den sechs Plätzen noch zwei Notsitze“, erläutert von Hagen. Dann macht er die Hintertür auf, um an den Rückseiten der Vordersitze die beiden ausklappbaren Zusatzplätze zu präsentieren.

In von Hagens Augen weise der „Tschaika“, was übersetzt „Möwe“ heißt, Ähnlichkeit mit dem Wolga M 21 auf. „Den Wolga habe ich schon damals gefahren.“ Einen Tschaika zu besitzen, war da ein Traum. „Das Auto hat noch ein Gesicht, es spricht an“, schildert der Wittenberger fasziniert.
Welche Staatsmänner mit der Karosse chauffiert wurden, lasse sich gegenwärtig nicht mehr nachvollziehen. Nur so viel: Bis 1978/79 war der Wagen im Einsatz des Staatsrates, danach benutzen ihn Mitarbeiter beim Rat des Kreises.

Übrigens, auch den kleinsten Trabi der Welt kam man im Blaulichtmuseum entdecken, das montags bis freitags von 10 bis 16 und sonnabends von 10 bis 12 Uhr geöffnet hat.

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