Schlagsdorf: Chudaska und May berichteten über ihre Erlebnisse : Ehemalige Grenzer erinnern sich an 1989

Wolfgang May (61) aus Ratzeburg und Bernd Chudaska (59, r.) aus Schlagsdorf stehen im Grenzmuseum an einer Nachbildung der innerdeutschen Grenze. Beide Männer bewachten die echte Grenze bis zur Wiedervereinigung - einer im Westen, einer im Osten.
Wolfgang May (61) aus Ratzeburg und Bernd Chudaska (59, r.) aus Schlagsdorf stehen im Grenzmuseum an einer Nachbildung der innerdeutschen Grenze. Beide Männer bewachten die echte Grenze bis zur Wiedervereinigung - einer im Westen, einer im Osten.

21 Jahre nach dem Mauerfall haben in Schlagsdorf ehemalige Grenzer von ihren damaligen Erlebnissen berichtet: Bernd Chudaska und Wolfgang May - zwei Männer, zwei Seiten, zwei Geschichten.

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15. November 2010, 11:58 Uhr

"Grenzöffnung - dieses Ereignis werde ich nie vergessen. Dieses viertel Jahr war genial", erklärt Wolfgang May, ein ehemaliger Bundesgrenzschützer. Zu jenem Zeitpunkt, als SED-Funktionär Günter Schabowski am Rande einer Pressekonferenz die Öffnung der Mauer erklärte, war May 40 Jahre alt und anschließend auch seinen Job los. "Einfach so. Grenze weg, Job weg", sagt May.

Einer, der auf der "anderen Seite" stand, ist Bernd Chudaska, damals war er Grenzoffizier der DDR. Soldaten und Grenzer seien im Stich gelassen worden, sagt der 59-Jährige aus Schlagsdorf, fast so, als wolle er sich beschweren. "Eine gefähr liche Situation war das, es hätte auch böse ausgehen können", ist Chudaska überzeugt. Seiner Meinung nach hätten die Grenztruppen dazu beigetragen, dass vor 21 Jahren alles gut gegangen ist, dass nirgendwo eine Schusswaffe angewendet wurde. "Sowieso", erklärt er vor einigen Interessierten, die das Zeitzeugen-Gespräch im Grenzhus verfolgen, "ich kenne in meiner 20-jährigen Dienstzeit an der Grenze nicht einen Fall, bei dem jemand die Schusswaffe angewendet hat." Darüber sei er froh.

West-Grenzer Wolfgang May erzählt anders, ohne Kopfschütteln über einen Staat, der die Grenzer im Stich gelassen haben soll. "Jeder Flüchtling der rüber kam, wurde von uns versorgt." Einmal hätte er einen gesehen, der von einer Selbstschussanlage verletzt wurde. "Das schlimmste Erlebnis", sagt May.

Die Kommunikation sei eindeutig das Merkwürdigste während der Zeit am Grenzstreifen gewesen. Zwei Mal hatte der 61-Jährige Kontakt mit der anderen Seite, sagt Wolfgang May. "Das war alles. Wenn ich den Grenzern sonst begegnet bin, hab ich immer gegrüßt." Doch auf sein "Moin, Moin"hätte es nie eine Antwort gegeben.

Fiktion und Wirklichkeit an der Grenze - das miteinander verbunden zeigt an diesem Abend auch der Kurzfilm "Grenzerfahrung", eine Produktion des Therapie-Theaters aus Reinfeld (Schleswig-Holstein). Amateure haben den 15-Minuten-Film in den Außenanlagen des Grenzmuseums gedreht. Das Ergebnis verfolgen auch die ehemaligen Grenzer Bernd Chudaska und Wolfgang May. "Der Film ist gut, einiges wäre sicher anders gelaufen, dafür ist es ja fiktiv", sagt Chudaska. Regisseur Udo Reichle-Röber, von Hauptberuf Diakon, sieht sein Ziel, Geschichte lebendig zu erhalten, als erreicht an.

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