Förderverein Grambower Moor : Durchreisende im Moor zu Gast

Kraniche in großer Anzahl sind derzeit wieder im Grambower Moor und der Umgebung zu Gast - wie schon in den Jahren zuvor. Walter thiel
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Kraniche in großer Anzahl sind derzeit wieder im Grambower Moor und der Umgebung zu Gast - wie schon in den Jahren zuvor. Walter thiel

Die markanten, trompetenartigen Rufe haben es den Kennern längst verraten: Die Kraniche sind wieder da. Am 19. Februar wurden die ersten durchziehenden Gruppen im Grambower Moor gesehen.

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28. Februar 2011, 11:21 Uhr

Die markanten, trompetenartigen Rufe haben es den Kennern längst verraten: Die Kraniche sind wieder da. "Am 19. Februar habe ich die ersten durchziehenden Gruppen im Grambower Moor gesehen, etwa 130 Tiere", erzählt der Schweriner Walter Thiel (74), stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins für dieses Regenmoor und zugleich Kranichfachmann. Jetzt am Wochenende waren es bereits bedeutend mehr Tiere. 500 Kraniche konnten Vereinsmitglieder in der Nacht zu Sonnabend zählen, weitere hören. Thiel schätzt die Zahl der Kraniche, die sich derzeit rund um das Moor aufhalten und eine ehemalige Torfabbaufläche als Schlafplatz nutzen, auf 700 Stück. Das ist ein sehr hoher Wert für das Grambower Moor. Die höchste Anzahl, die Walter Thiel an diesem Ort bislang feststellen konnte, liegt bei 850.


Zahl der durchreisenden und sesshaften Kraniche wächst

Der Schweriner beobachtet und betreut den Schlafplatz seit 1977. Zugleich weiß Thiel, dass der Schaalsee und die Langhägener Wiesen bei Goldberg von noch mehr Kranichen zum Übernachten angeflogen werden. Und selbst diese Flächen können sich nicht mit der Ostseeküste am Bock und dem Linumer Bruch bei Berlin messen. "Die Anzahl der Kraniche wächst, das gilt sowohl für die durchreisenden als auch für die hier lebenden", freut sich Thiel. Der Fachmann kennt auch Gründe dafür: "Diese Vogelart gehört zu den Gewinnern der derzeitigen Ausrichtung unserer Landwirtschaft. Auf immer mehr Flächen wird Mais angebaut. Dafür werden sogar Wiesen umgebrochen. Hinzu kommen deutlich gestiegene Erträge beim Weizen. Mais und Weizen sind das Lieblingsfutter der Kraniche." Thiel weist aber auch auf die Kehrseite der Medaille hin: Heimische Singvögel und Störche finden wegen dieser Entwicklung immer weniger Futter.

Dennoch ist es für den Schweriner immer wieder ein eindrucksvolles Erlebnis, Kraniche aus nächster Nähe zu beobachten. Dafür nimmt der 74-Jährige auch so manche Nachtschicht in Kauf. In der Nacht zu Sonnabend begleiteten Walter Thiel zudem drei "Neulinge". "Wir haben einige neue Mitglieder im Moorverein, denen wollte ich den Schlafplatz und den Ausflug der Kraniche zeigen sowie für den Schutz dieser Vogelart begeistern", erzählt Thiel.

Sonnabend um 5.30 Uhr ging es dazu ins Moor. Da war es noch stockdunkel. Und das Thermometer zeigte minus sieben Grad. Zudem mussten sich die Naturfreunde still verhalten, um die Tiere nicht zu stören. Eine Stunde später - in der Dämmerung - wurde klar, dass die Mühe vergeblich war: Der Schlafplatz war leer. "Vermutlich wurden die Kraniche am späten Abend zuvor gestört", sagt Thiel. Immerhin waren die markanten Rufe von beiden Seiten des Moores deutlich zu hören. Und eine Gruppe meinte es gut mit den Naturfreunden: 500 Kraniche flogen nur wenige Meter über den Köpfen der vier Beobachter hinweg. "Es war überwältigend", erzählt Jacqueline Linke (32). Die Groß Rogahnerin war zu sehr fasziniert, um ihre zuvor aufgebaute Fototechnik schnell umzustellen. Und zudem sollten die Tiere ja gezählt werden. Immerhin konnte sie wenig später zumindest den "tollen Sonnenaufgang mit einem roten Stern" festhalten.

Jacqueline Linke hat das Naturschutzgebiet Grambower Moor als Refugium für sich schon vor Jahren entdeckt. "Zuerst war es nur die Landschaft, inzwischen befasse ich mich mit Pflanzen und Tieren", erzählt die zahnärztliche Prophylaxehelferin. Um mehr zu erfahren und sich mit Fachleuten auszutauschen, ist sie jetzt dem Moorverein beigetreten. Auf die Nachtschicht bei der Kranichbeobachtung hatte sich die 32-Jährige gut vorbereitet: Skikleidung schützte gegen die Kälte. "Das lange Stillsitzen war dennoch zu spüren, gerade an Füßen und Händen", so die Groß Rogahnerin. Bereut hat sie diese Nacht aber keinesfalls.

Der Durchzug der Kraniche dauert noch bis Anfang April. Schubweise geht es von Süden über Mecklenburg-Vorpommern weiter nach Skandinavien, Polen und Weißrussland. Doch MV selbst ist auch Kranichland. So um die 25 000 dieser Vögel leben hier. Darunter sind 3300 Brutpaare, die Hälfte des deutschen Bestandes, wie Walter Thiel stolz berichtet. Im Grambower Moor ziehen zwei Brutpaare ihren Nachwuchs groß. Im Umkreis von zirka 15 Kilometern sind es 40 bis 50 Paare. Hinzu kommen die "Junggesellen", zumeist nicht geschlechtsreife Jungtiere, die zum Übernachten auch im Sommer das Moor nutzen. Deren Anzahl liegt bei zirka 150, sagt Thiel.

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