Düstere Prognosen

von
08. Oktober 2008, 06:59 Uhr

Der Instrumentenkasten ist noch nicht leer geräumt – wenigstens das. Mit ihrer konzertierten Zinssenkung haben sechs Notenbanken gestern einen weiteren Versuch unternommen, gegen die grassierende Finanzkrise vorzugehen. Es ist hohe Zeit, auch zu solchen Ausnahmemethoden zu greifen. Denn die Krise ist seit nun mehr als einem Jahr stets in neue, besorgniserregendere Stadien getreten. Aus der amerikanischen Immobilienkrise um faule Kredite wurde eine weltweite Finanzkrise. Und die dramatische Entwicklung ist inzwischen nicht mehr auf den Sektor der Banken und Versicherungen beschränkt, sondern greift auf die gesamte Wirtschaft über, ebenfalls weltweit.

Die neuen Prognosen des Internationalen Währungsfonds’ zeichnen ein düsteres Bild von der Konjunkturentwicklung im nächsten Jahr. Während die Schwellenländer immerhin noch auf vorzeigbare Wachstumsraten hoffen können, wird den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union Wachstum kaum über Null vorausgesagt. Die Reaktionen der Börsen auf die Zinsschritte waren alles andere als euphorisch.

Dennoch ist es richtig, diese Signale jetzt auszusenden und auch alles weitere zu tun, um Vertrauen wieder herzustellen. Dazu zählen die schärferen Regularien, die der Bundesfinanzminister fordert, aber auch Maßnahmen wie die Teil-Verstaatlichung großer britischer Banken. Es besteht jedoch auch die Gefahr, dass die Fülle nationaler Einzelmaßnahmen mehr zur Verwirrung als zur Vertrauensbildung beiträgt. Deshalb sollte konzertierten Aktionen der Vorrang gegeben werden. Die globale Krise ist nur in möglichst enger Zusammenarbeit der Staaten und Finanzinstitutionen zu bewältigen.

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