Düstere Aussichten für CD-Werk

Brachte Millionen ein: die CD-Produktion in Dassow. Jetzt ist das Werk trotzdem pleite. Foto: dpa
Brachte Millionen ein: die CD-Produktion in Dassow. Jetzt ist das Werk trotzdem pleite. Foto: dpa

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12. Mai 2011, 01:22 Uhr

Grevesmühlen | Hiobsbotschaft für den Indus triestandort Dassow: Die Zukunftsaussichten für das vor einer Woche erneut in die Insolvenz gerutschte CD-Werk sind so düster wie nie zuvor. Die Voraussetzungen für den Einstieg eines neuen Investors seien "extrem schwer", sagte der vom Amtsgericht Schwerin zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte Hamburger Rechtsanwalt Dirk Decker. Er wolle "zwar alles tun, um Arbeitsplätze zu erhalten, aber ich halte die Fäden nicht in der Hand."

Die Bedingungen für einen Neuanfang sind denkbar schlecht: Derzeit laufe die Produktion zwar noch, sagte Decker. Es würden minimale Aufträge - sowohl Verpackungsaufträge als auch CD-Produktion - erledigt. Der Geschäftsbetrieb solle aufrecht erhalten werden. Um neue Aufträge werde sich bemüht. Auch die nach dem Ausbleiben der Gehaltszahlungen in Finanznot geratenen 110 Beschäftigten können zumindest in den nächsten drei Monaten durchatmen: In Kürze solle das Insolvenzausfallgeld überwiesen werden, kündigte Decker an. Doch langfristig gibt es für die ehemals größte CD-Schmiede Europas mit damals 1100 Beschäftigten nur wenig Hoffnung. Mit dem neuerlichen Zusammenbruch ist dem Werk das Eigentum am Herzstück der Produktion, dem Anlagenpark, abhanden gekommen. "Auf den Maschinen spielt die Musik", sagte Decker. Die Anlagen seien seinerzeit an den dänischen Dicentia-Konzern verkauft worden, während in der jetzt insolvent gegangenen Disc Technology Center GmbH, eine hundertprozentige Tochter der Dicentia, die Mitarbeiter angestellt seien. Damit hat weder Decker noch ein neuer Investor direkten Zugriff auf den Maschinenpark. Der liegt derzeit vielmehr beim bisherigen Insolvenzverwalter Marc Odebrecht. In Dassow gebe es einen für das Werk überlebensfähigen Maschinenbestand, erklärte Odebrecht gestern und sagte Unterstützung zu. Er wolle zusammen mit Decker nach neuen Lösungen für das CD-Werk suchen. "Es wird alles ausgelotet, was seriös ist."

Die Auswahl ist begrenzt: Als einziger Bewerber meldete die spanische Firmengruppe Iberdisc gestern erneut Interesse an. 150 Mitarbeiter wolle man beschäftigen, für die derzeit in Masse vorhandenen Aufträge sofort in die Produktion einsteigen und Dassow zu einem Technologiestandort der CD-Fertigung ausbauen, sagte Iberdisc-Manager Horst Requardt gestern und drängte auf eine schnelle Entscheidung. Branchenkenner hegen allerdings erhebliche Zweifel: Trotz des seit Monaten immer wieder erneuten Angebots und der wiederholten Kritik an der damaligen Verkaufsentscheidung an Dicentia soll der von Iberdisc vorgelegte Finanzplan Mängel aufweisen. "Ein neues Konzept muss aber finanziebar sein", meinte Odebrecht.

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