Heute wird Rolf Becker 65 : Drehorgel-Rolf startet im Trabi durch

Hat in 20 Jahren 80 Trabis verbraucht: Drehorgel-Rolf alias Rolf Becker dpa
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Hat in 20 Jahren 80 Trabis verbraucht: Drehorgel-Rolf alias Rolf Becker dpa

Seit der Wende tourt "Drehorgel-Rolf" mit einem Trabant nach Hollywood, durchquerte Afrikaund besuchte auch sonst alle Kontinente - immer begleitet von den Medien. Anders soll es heute bei seinem 65. Geburtstag zugehen.

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11. Mai 2012, 09:19 Uhr

Halle | Nach dem Fall der Mauer war der Trabi für Millionen Ostdeutsche mit einem Schlag out - nicht für "Drehorgel-Rolf". Gleich nach der Wende tourte der Hallenser mit einem Trabant nach Hollywood, durchquerte Afrika und besuchte auch sonst alle Kontinente - immer gut angekündigt und von den Medien begleitet. Anders soll es heute bei seinem 65. Geburtstag zugehen. "Ich feiere heimlich", versichert der Senior mit dem grauen Wuschelschopf, dessen Markenzeichen der schwarze Frack mit dem rotem Halstuch ist.

Den Eintritt ins Rentenalter verdrängt Rolf Becker, wie "Drehorgel-Rolf" mit bürgerlichem Namen heißt. "Alter ist für mich nicht existent. Das steht im Ausweis und gut." Und: "Ich hab nischt, was nicht ernsthaft zwickt." Noch immer könne er einen Trabi anschieben und reinspringen.

Während es der typische Senior spätestens mit 65 etwas ruhiger angehen lässt, lässt "Drehorgel-Rolf" - verheiratet und zweifacher Großvater - nicht nach. Vom vorpommerschen Grimmen bis in den Harz, von der Fußball-EM in der Ukraine bis zu den Olympischen Spielen in London sollen ihn seine Reisen 2012 führen. Er berichtet gern von seinen Erlebnissen, wird von politischen Stiftungen genauso gebucht wie von Autohäusern. In fernen Ländern wirbt er gerne für Ost-Produkte. Von seinen Aktionen lebt der quirlige Hallenser, der so manch einem auch nervig erscheint. "Drehorgel-Rolf" ist eine Marke, die es bekannt zu halten gilt - das gibt Becker zu. Schwarz-rot-gold: Schwarzer Frack, rotes Halstuch und goldene Trompete - das kehre immer wieder, wie der Trabi. 80 davon habe er in den Jahren verbraucht. Derzeit sei kein einziger auf ihn angemeldet. Er fahre einen Van. Darin kann er zur Not schlafen und einen Trabi auf dem Trailer mitnehmen.

Seit 1983 hat sich Becker dem Drehorgel-Spiel verschrieben. Zu DDR-Zeiten sei ihm achtmal Spielverbot erteilt worden, auch mit der Stasi sei er aneinandergeraten. Dabei begann in Beckers Leben alles recht harmlos: Nach der Schule lernte er Diesellokschlosser, studierte in Dresden Maschinenbau. Aber: "Das war mir alles zu langweilig. Ich wollte nicht nur Pumpen verkaufen." Er wurde Lebenskünstler.

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