Dramatischer Werteverlust

Der brutale Mord an einem 55-Jährigen Mann in Templin ist laut Expertenmeinung exemplarisch für eine Verrohung in einigen Teilen der Gesellschaft. Gestern wurden weitere Details des Vorfalls bekannt.

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25. Juli 2008, 07:58 Uhr

Neuruppin/Templin - Nach dem Mord an einem 55-jährigen Mann in Templin (Uckermark) haben die Täter versucht, ihr Opfer anzuzünden. Dies sei aber gescheitert, sagte die Neuruppiner Oberstaatsanwältin Lolita Lodenkämper gestern und bestätigte einen Bericht der „Potsdamer Neuesten Nachrichten“. Zwei 18 und 21-jährige Verdächtige aus der rechten Szene sitzen in Untersuchungshaft. „Ein rechtsextremes Motiv ist nicht auszuschließen“, betonte Lodenkämper. Die Leiche des 55-Jährigen war am Dienstag entdeckt worden. Der Mann erlitt den Ermittlern zufolge mehrere Schädelbrüche. „Wir gehen davon aus, dass er massive Tritte gegen den Kopf erhalten hat.“ Ob weitere Gewaltanwendung zum Tod des 55-Jährigen geführt hat, sei noch unklar. Das Gutachten zur Obduktion werde erst in zwei bis drei Wochen erwartet.

Lodenkämper bestätigte zudem, dass der 18- jährige Verdächtige am Tattag ein Shirt mit einem Bild des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß trug und auf der Kleidung des 21-Jährigen ein rechter Schriftzug prangte. Es sei aber noch offen, ob dies auf die Motivation für die Tat schließen lasse.

Mit der Tat geprahlt
Der 21-Jährige hatte in der polizeilichen Vernehmung eine Tatbeteiligung eingeräumt. Der Haftbefehl gegen ihn lautet auf Totschlag, gegen den 18-Jährigen besteht Mordverdacht. Vor dem Haftrichter schwiegen beide. Die Freundin des 21-Jährigen wurde gestern als Zeugin vernommen, nähere Angaben dazu machte die Oberstaatsanwältin aber nicht.

Laut „Bild“-Zeitung hatte die junge Frau nach der Tat ein Gespräch zwischen den beiden Verdächtigen mit angehört, in dem der 18-Jährige mit der Tat geprahlt habe. Er habe schon immer mal einen Menschen umbringen wollen, soll der 18-Jährige zu seinem Kumpel gesagt haben. Die beiden Verdächtigen und der 55-Jährige waren nach Angaben der Ermittler kurz vor der Tat zusammen gesehen worden. Alle drei waren alkoholisiert. Die beiden Verdächtigen sind vorbestraft und befanden sich auf Bewährung auf freiem Fuß.

Der Chef des Mobilen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus in Brandenburg, Dirk Wilking, beklagte im rbb-Inforadio einen „dramatischen Werteverlust in einigen Jugendszenen“. „Die Grenze zu töten ist in bestimmten Milieus offensichtlich gering.“ So zielten die rechtsextremen Szenen auf eine „Entsolidarisierung der Gesellschaft“, sie würden willkürlich Opfergruppen wählen, bei denen angenommen wird, dass sie weniger Rückhalt in der Bevölkerung haben. Als Beispiele nannte er Obdachlose, Trinker, Punks, Homosexuelle und Christen.

Die Templiner Kirchengemeinden wollten am Abend mit einer ökumenischen Andacht des Opfers und seiner Familie gedenken. „Wir wollen die Menschen wachrütteln“, sagte Pfarrer Ralf-Günther Schein. Der brutale Mord an einem 55-Jährigen Mann in Templin ist laut Expertenmeinung exemplarisch für eine Verrohung in einigen Teilen der Gesellschaft. Gestern wurden weitere Details des Vorfalls bekannt.

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