Dramatische Rettungsaktion

Dramatische Szenen spielten sich in der Nacht zum Sonnabend in der Buchholzallee 17 ab. Eine Stadtvilla, in der die DRK-Wohngruppe für Kinder und Jugendliche untergebracht ist, stand in Flammen. Acht Kinder sowie eine Erzieherin konnten gerettet werden. Ein Zehnjähriger erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Ein 17-Jähriger trug leichte Brandverletzungen an Kopf und Armen davon.

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09. November 2008, 04:14 Uhr

Parchim - Um 01.54 Uhr ertönt der Alarm: „Brand im Kinderheim in der Buchholzallee“, so die Meldung der Integrierten Leitstelle Westmecklenburg. Zu dieser Zeit befinden sich fünf Jungen und drei Mädchen im Alter von zehn bis 18 Jahren im Haus. Die 37-jährige Erzieherin hatte das Feuer bemerkt und umgehend die ersten Rettungsmaßnahmen eingeleitet. Später wird ihr bescheinigt, dass sie sehr besonnen gehandelt habe.

23 Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Parchim sowie die Besatzungen von drei Rettungstransportwagen, eines Notarztwagens und der DRK-Organisationsleiter eilen zur Unglücksstelle. Beamte des Polizeireviers Parchim sind bereits vor Ort. Die Kinder und Jugendlichen haben sich über die Feuerleiter retten können. Doch ein Junge fehlt. Beherzt klettert ein Polizeibeamter die Feuerleiter hinauf. Er muss seinen Rettungsversuch abbrechen, die Rauchentwicklung ist zu stark. „Das Treppenhaus und die obere Etage sind voller Rauch. Oben im Dachgeschoss brennt es lichterloh“, beschreibt Einsatzleiter Walfried Stapelfeldt gegenüber SVZ die dramatische Situation. Er hat inzwischen Unterstützung von der Lübzer Wehr angefordert.

Flammen schlagen aus den Fenstern und dem Dach. Die Kameraden der Parchimer Wehr gehen unter Atemschutz in das Gebäude und suchen fieberhaft nach dem Zehnjährigen. Eine Wärmebildkamera kommt zum Einsatz, in der Hoffnung, das Kind rechtzeitig finden zu können. Minuten verrinnen. Die Ungewissheit wird unerträglich. Selbst jede einzelne Schranktür in dem brennenden Haus wird geöffnet. Dann, in einem Schrank finden die Feuerwehrleute das Kind, das sich hier in seiner Todesangst versteckt hatte.

Der Zehnjährige ist bereits leblos, weil er zu viel Kohlenmonoxid eingeatmet hat. Löschmeister Maik Kostecki und Oberlöschmeister Alexander Stutz tragen den Jungen ins Freie, wo Rettungskräfte sofort mit der Reanimierung beginnen. Anschließend wird das Kind mit lebensbedrohlicher Rauchgasverletzung ins Schweriner Klinikum eingeliefert. Auch ein 17-jähriger Junge bedarf ärztlicher Behandlung. Er hat ebenfalls Rauchgas eingeatmet, aber zum Glück nicht so intensiv. Außerdem erlitt er nach Aussagen der Rettungskräfte Brandverletzungen ersten Grades im Gesicht und an den Armen. Der Jugendliche wird in die Parchimer Asklepios Klinik eingeliefert, ebenso die 37-jährige Erzieherin, die einen Schock erlitt. Die anderen Kinder bleiben derweil in Obhut der Rettungskräfte und von Mitarbeitern des DRK.

Wenige Minuten nach Bekanntwerten des Unglücks trifft auch Bürgermeister Bernd Rolly am Ort des Geschehens ein. Der Schock steht ihm regelrecht im Gesicht geschrieben: „Ich bin erschüttert“, so das Stadtoberhaupt. Rolly bietet sofort an, die Kinder vorübergehend in Spornitz unterbringen zu wollen. Eine Geste, die der Abteilungsleiterin Jugend und Soziales beim DRK-Kreisverband, Angelika Grieswald, in diesen Minuten gut tut. Doch das DRK braucht auf dieses Angebot nicht zurückzukommen, weil in der unweit entfernten anderen Wohngruppe für Kinder und Jugendliche in der Fichtestraße noch Platz ist. Dort werden die Kinder jetzt betreut, ist bereits alles in die Wege geleitet.

Es ist mittlerweile 4.30 Uhr, als der Einsatzleiter der Leitstelle melden kann, dass das Feuer aus ist. In der Zwischenzeit sind auch Brandermittler der Kriminalpolizeiinspektion Schwerin vor Ort eingetroffen. Das Gebäude wird beschlagnahmt.

Gegen 6 Uhr sind die Feuerwehrkameraden im Gerätehaus, um ihre Einsatztechnik zu ordnen. Danach fahren sie wieder zum Unglücksort, um sicherzustellen, dass Nachbrände ausgeschlossen sind.

Wie es gestern auf Nachfrage bei der Schweriner Polizeidirektion hieß, konnten die Brandermittler ihre Arbeiten noch am Sonnabend im Wesentlichen abschließen. „Jetzt gilt es, die Laboruntersuchungen voranzutreiben und die gesicherten Spuren auszuwerten“, so ein Polizeisprecher. Über die Ursache des verheerenden Unglücks und über den genauen Entstehungsort des Feuers konnte gestern noch keine klare Aussage getroffen werden. Die Höhe des Sachschadens schätzt die Polizei auf etwa 150 000 Euro.

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