Dramatische Preisunterschiede für Abfallbeseitigung - Norddeutsche Kommunen bitten Bürger für Müllabfuhr unterschiedlich zur Kasse

svz.de von
19. Oktober 2008, 06:13 Uhr

Hannover/Heidelberg - Müll ist nicht gleich Müll in Norddeutschland. Zumindest unterscheiden sich die Kommunen bei den Kosten für die Müllabfuhr erheblich. Während die Wilhelmshavener ihren Müll für rund 100 Euro im Jahr abholen lassen können, müssen die Bremer fast 180 Euro mehr an ihren Entsorgungsbetrieb zahlen. Diese Summen werden jährlich für eine vierköpfige Familie fällig, die ihre 120 Liter große Mülltonne alle zwei Wochen abholen lässt, wie das Verbraucherportal Verivox herausfand. Dieser Studie zufolge schwanken die Müllgebühren der Kommunen in Deutschlands 100 größten Städten um bis zu 500 Prozent.

Auch in den 15 norddeutschen Städten, die in der Studie untersucht wurden, gibt es erhebliche Differenzen bei den Müllgebühren. Für die Untersuchung rechneten die Verbraucherschützer Grundgebühren und zusätzlich anfallenden Kosten für die Abfallentsorgung bei den Kommunen so zusammen, dass eine vergleichbare Grundlage entstand.

Demnach bilden die Städte Wilhelmshaven (103 Euro), Schwerin (125), Wolfsburg (128), Hamburg (132) und Flensburg (141) das untere Drittel des Preisrankings. Im Mittelfeld liegen Göttingen (146), Kiel (165), Osnabrück (166), Hannover (171) und Rostock (185). Tiefer in die Tasche greifen müssen die Bürger dagegen in Braunschweig (190), Lübeck (208), Hildesheim (215) und Oldenburg (225). Spitzenreiter ist die Hansestadt Bremen: Hier bezahlen die Einwohner für die gleiche Bemessungsgrundlage rund 280 Euro im Jahr.

Zwar stellten die Verbraucherschützer für die Studie eine theoretisch einheitliche Bemessungsgrundlage zusammen, in der Praxis unterscheiden sich neben den Kosten aber auch die Leistungen und Serviceangebote der Müllabfuhren voneinander.

So werden beispielsweise in 8 der 15 norddeutschen Städte noch extra Kosten für die Leerung der Biotonne fällig. In sieben Kommunen ist die Biotonne im Preis der regulären Müllentsorgung dagegen enthalten.

In Kiel holt der Abfallwirtschaftsbetrieb (ABK) die Tonnen bis zu 15 Meter von der Straße entfernt ab, etwa aus einem Garten. In anderen Kommunen geschieht dies sogar über die doppelte Entfernung. Und wieder andere Unternehmen leerten dagegen nur Tonnen in unmittelbarer Straßennähe, sagte ein Sprecher des ABK.

Reiner Kröger vom Städte- und Gemeindetag Mecklenburg-Vorpommern betont, in einem Flächenland seien allein aufgrund größerer Anfahrtswege auch die Gebühren unterschiedlich.

Mit solchen Argumenten allein hingegen gibt sich der Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) nicht zufrieden: „Oftmals sind die Grundlagen der Gebührenkalkulation sehr intransparent und die zum Teil erheblichen Preisunterschiede nicht nachvollziehbar“, heißt es in einer verbandseigenen Preisanalyse für Betriebskosten.

Das Ergebnis dieser VNW-Untersuchung zeigt, dass auch zwischen kleineren Kommunen in der Fläche erhebliche Differenzen bestehen. Der Verband legte dazu den Mischpreis für einen Kubikmeter Müll in einem Zehn-Parteien-Mehrfamilienhaus bei wöchentlicher Leerung zugrunde.

Im Gegensatz zu Hamburg mit einem Kubikmeterpreis von 32,87 Euro verlangen demnach Kommunen in Schleswig-Holstein im Durchschnitt 43,68 Euro und in Mecklenburg-Vorpommern sogar 52,06 Euro. Auch innerhalb eines Landes wie Schleswig-Holstein sind die Unterschiede gravierend: Während der Kubikmeter in Itzehoe 17,02 Euro kostet, ist das in Schleswig mit 70,33 Euro mehr als das Vierfache.

Allein zwischen Hamburg und dem unmittelbar angrenzenden holsteinischen Norderstedt beträgt die Preisdifferenz 13,77 Euro pro Kubikmeter Müll - praktisch von einer Straße zur anderen.

Der Verband kommunale Abfallwirtschaft und Stadtreinigung im Verband kommunaler Unternehmen (VKS) kritisiert, dass bei Gebührenvergleichen wie etwa der Studie von Verivox „nur ein eingeschränktes Bild der Realitäten“ widergespiegelt werde. Unterschiedlich hohe Gebühren kämen durch verschiedene Vorgaben in den Kommunalabgabegesetzen der Bundesländer zustande.

Der Bund der Steuerzahler in Niedersachsen und Bremen übt dagegen Kritik an der erheblichen Gebührenbreite, die „nicht allein mit unterschiedlichen Leistungsspektren und verschiedenartigen Strukturen“ erklärt werden könne. Die Kommunen sollten stärker sparen und zum Beispiel kommunale Leistungen bei der Müllabfuhr in regelmäßigen Abständen ausschreiben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen