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Tierpark Stralsund stellt Haustiere für therapeutisches Projekt : Dori hilft psychisch Kranken

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Liebevoll streicht Inka mit einer weichen Bürste durch das zottige Fell von Lama Dori.

Seit sie einmal in der Woche für einige Stunden im Tierpark Stralsund arbeite, sei sie viel ruhiger geworden.

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erstellt am 24.Apr.2011 | 11:08 Uhr

Stralsund | Liebevoll streicht Inka mit einer weichen Bürste durch das zottige Fell von Lama Dori. Die dreijährige Lamastute genießt das Wohlfühlprogramm sichtlich und dankt es der jungen Frau mit einem sanften Stubser ins Gesicht. Inka lächelt glücklich. Sie liebe den hautnahen Kontakt zu den Tieren, sagt die 42-jährige Bewohnerin einer Stralsunder Heim- und Pflegeeinrichtung.

Seit sie regelmäßig einmal in der Woche für einige Stunden im Tierpark Stralsund arbeite, sei sie viel ruhiger geworden, sagt sie. "Wenn ich die Tiere sehe, geht es mir gleich viel besser", gesteht auch Inkas Mitbewohner Ronny, der gerade den Pferdestall ausmistet. Es sei fast so, als wenn man sein eigenes Tier habe. Inka und Ronny gehören zu den ersten Teilnehmern eines tiertherapeutischen Behandlungsverfahrens für psychisch erkrankte Menschen, das in den nächsten Jahren in Stralsund zu einem bundesweit einzigartigen Projekt ausgebaut werden soll. Unter dem Motto "Tiere als Therapeuten" wollen der Förderverein des Tierparks, die Universitäten Rostock und Greifswald gemeinsam mit Heim- und Pflegeeinrichtungen tiertherapeutische Angebote für Patienten mit traumatischen Erlebnissen und älteren, zum Beispiel an Demenz erkrankten Menschen anbieten. Die dafür benötigten Therapeuten sollen bereits ab September von der Volkshochschule Stralsund in einem einjährigen Weiterbildungskurs für Mediziner, Pädagogen und Psychologen geschult werden.

Der kleine städtische Zoo mit seinen 120 Tierarten eigne sich ganz besonders für dieses Sozialprojekt, sagt Tierpark-Leiter Christoph Langner. "Denn viele unserer Tiere sind zahm und kennen schon den direkten Kontakt zu den Besuchern." Erste Erfahrungen der vergangenen drei Jahre hätten gezeigt, dass der Umgang mit Pferden, Ponys, Eseln, Schafen, Ziegen, aber auch Frettchen, Kaninchen, Vögeln und sogar Kois und Schildkröten oft ein Türchen zu Patienten öffne, die ansonsten nur noch sehr schwer für die Therapeuten zugänglich seien.

Vor allem Menschen mit negativen Lebenserfahrungen, zum Beispiel mit Erlebnissen sexueller Gewalt, seien oft stigmatisiert und in ihrer Interaktion so fundamental gestört, dass sie selbst mit erfahrenen Therapeuten nicht mehr ins Gespräch kämen, sagt der Stralsunder Professor für Psychiatrie, Harald Freyberger. Da helfe der vertrauensvolle, verlässliche Kontakt zu den Tieren als Mediator.

Mike Harnisch, Gesundheits- und Krankenpfleger der Stralsunder Pflege- und Heimeinrichtung Hestia, hat nur gute Erfahrungen mit den Einsätzen seiner Patienten im Zoo gemacht. "Viele von ihnen hatten anfangs null Bock, schon gar nicht auf Arbeit", sagt er. Heute würden sich fast alle um die Tierbesuche reißen. Manch einer habe zum ersten Mal wieder gelernt, so etwas wie Verantwortung zu übernehmen. In Stralsund sollen deshalb künftig in einem bundesweit einzigartigen Kompetenzzentrum entsprechende Therapeuten für den Einsatz außerhalb MV geschult werden.

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