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18. November 2017 | 17:02 Uhr

Dolmetscherproblem in der Prignitz

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svz.de von
erstellt am 29.Okt.2010 | 08:22 Uhr

Wittenberge | Mit einem Fall fehlgeleiteter Asylpolitik muss sich derzeit die Prignitzer Kreisverwaltung beschäftigen. Bereits vor etlichen Wochen kamen drei Familien als Kriegsflüchtlinge aus Afghanistan in den Landkreis. Das Problem: Die Afghanen sprechen kein Wort Deutsch, auch eine Verständigung in Englisch ist mit ihnen nicht möglich. Für die Sprache der Afghanen, Persisch, fehlt allerdings ein Dolmetscher.

Während ein Großteil der administrativen Wege im Asylverfahren routiniert abläuft und auch ohne verbale Kommunikation funktioniert, stellt die Sprachbarriere an einer anderen Stelle ein nahezu unüberwindbares Hindernis dar: Drei Kinder der Familien sind im schulpflichtigen Alter und gehen derzeit in die Oberschule Wittenberge. Aber wie soll man Kinder, die kein Wort verstehen, in den Unterricht integrieren?

"Meine Kollegen haben in Eigenregie einen Deutsch-Grundkurs für die Afghanen organisiert", berichtet Schulleiterin Sigrid Neutmann. "Da funktioniert die Kommunikation zunächst aber auch nur mit Händen, Füßen und über Bilder." Ohne professionelle Übersetzung sei es nahezu unmöglich, die Schüler, die laut Neutmann aufgeschlossen und interessiert sind, in den Unterricht einzubinden. "Hier muss ein Dolmetscher her, sonst hat das keinen Sinn."

In der Kreisverwaltung steht man diesem Problem nahezu hilflos gegenüber. "Das Land verteilt Asylbewerber nach einem festgelegten Aufnahmeschlüssel, in dem Herkunft und Sprache keine Rolle spielen, auf die Landkreise", erklärt Norbert Kreutz, Leiter der Ausländerbehörde. "Derzeit kommen 3,15 Prozent aller Asyl suchenden Brandenburgs in die Prignitz." Auch für die Verwaltung sei es unangenehm, mit den Asylbewerbern nicht kommunizieren zu können. "Andere Kreise oder gar Großstädte haben es da einfacher Dolmetscher zu besorgen, aber hier bei uns gibt es keinen", so Kreutz.

In Kooperation mit dem Jugendintegrationsdienst Brandenburg versucht die Behörde nun, einen Dolmetscher zu finden, der Persisch spricht. So hätten die Kinder und ihre Familien laut Kreutz eine deutlich bessere Chance, in die Gesellschaft integriert zu werden - zumindest so lange das Asylverfahren läuft. Denn ob sie bleiben können, ist unklar. Nur rund zwei Prozent der Anträge werden positiv beschieden, allerdings ziehen sich die Verfahren teils über Jahre hin.

Insgesamt hat der Landkreis in diesem Jahr bis jetzt 39 Asylbewerber aufgenommen. 2008 waren es 13, das Jahr darauf bereits 35. Die Zahlen seien laut Ausländerbehörde zwar deutlich geringer als in den 90er Jahren, allerdings zeige sich in den vergangenen Jahren wieder ein Aufwärtstrend.

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