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Öffentliches Forum im Crivitzer Gymnasium : Diskussionsstoff: Jugend in der DDR

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Eine Wanderausstellung thematisiert derzeit im Gymnasium am Sonnenberg in Crivitz "Jugend in der DDR". Dies war auch das Thema eines öffentlichen Forums am Dienstagabend.

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erstellt am 17.Mär.2011 | 10:54 Uhr

Eine Wanderausstellung thematisiert derzeit im Gymnasium am Sonnenberg in Crivitz "Jugend in der DDR". Dies war auch das Thema eines öffentlichen Forums am Dienstagabend, zu dem als Gastreferentin die Wissenschaftlerin Caroline Fricke eingeladen worden war. Es war ein interessanter Geschichtsabend, der jedoch dem Anspruch eines Forums nicht gerecht wurde. "Thema verfehlt, wenn es um Jugend in der DDR gehen sollte", lautete das Urteil zahlreicher Besucher vor allem aus der mittleren Generation, die nach dem Ende der Veranstaltung unzufrieden ihre Meinungen austauschten.

Das spiegelte sich schon in der kurzen Diskussion wider: "Ich muss sagen, ich habe die Jugend in der DDR ganz anders erlebt", sagte ein Besucher des Forums. "Ich bin Holländer, habe aber auch in der DDR gelebt. " Und er fügte präzisierend hinzu: "Wenn ich als Jugendlicher nach diesem Abend hier nach Hause gehen würde, hätte ich gewiss einen falschen Eindruck von Jugend in der DDR." Das sahen viele Gäste mittleren Alters genauso. "Was hier heute Abend zur Sprache kam, war doch nur eine winzige Facette des Jugendlebens", sagte eine 45-jährige Crivitzerin. "Ich muss in einem anderen Land gelebt haben, ich habe meine Jugend ganz anders in Erinnerung", fügte ein 49-Jähriger an. Ein weiterer Crivitzer ergänzte: "Der Vortrag war in Ordnung, aber das war doch die wissenschaftliche Untersuchung einer Randerscheinung, nicht die Normalität." Denn nach dem kurzen geführten Rundgang durch die aus vier Schautafeln und einer Zeitschiene bestehenden Ausstellung durch die Leiterin der Außenstelle des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR in Görslow (BStU), Corinna Kalkreuth, hatte sich der abendfüllende Vortrag vor allem mit Musikströmungen in den 80er-Jahren in der DDR und den Versuchen ihrer Kriminalisierung durch den Staat und die Stasi befasst.

Grund für den Unmut: Die Erwartungshaltung war offensichtlich sehr unterschiedlich. Denn der Vortrag an sich wie auch die Wanderausstellung aus der BStU waren durchaus geeignet, Einflussnahme und Repression der Jugend durch die SED-Diktatur anschaulich darzustellen. "Es ist die elfte Ausstellung in unserer Reihe ,Gegen das Vergessen", sagte Schulleiter Hans Schmidt. Sie werde bereits für den Geschichtsunterricht genutzt. Zudem sei im Wahlpflichtunterricht der 9. Klasse ein Zusatzprojekt zum Thema Jugend in der DDR realisiert worden, dessen Ergebnisse in einer Mappe gebündelt der Ausstellung beigefügt werden.

Der informative, wissenschaftlich fundierte Vortrag von Caroline Fricke beschäftigte sich anhand von Beispielen aus dem ehemaligen Bezirk Schwerin vor allem mit den von unterschiedlichen Musikrichtungen beeinflussten Jugendkulturen und ihrer Überwachung, Reglementierung und Unterdrückung durch die Behörden. Sie berichtete von dem grundlegenden Misstrauen des Staates gegenüber der Jugend und der Auflehnung der jungen Leute gegen Uniformität und Gleichschaltung, gegen staatliche Bevormundung und Ausgrenzung.

Fotos, Dokumente und Beispiele von Punks 1978 in Lübz und Güstrow, vom Klamottenkauf in Ungarn oder der Entwicklung der Heavy-Metal-Szene machten den Vortrag anschaulich und interessant. Spannend waren aber auch ihre Forschungsergebnisse zu den Reaktionen der Stasi, die auch in der Schweriner Region von offenen Repressionen wie Aufenthaltsverboten und Festnahmen über Bestrebungen zur Kanalisation der Jugendmusik bis zur Diffamierung, Kriminalisierung und Bespitzelung junger Leute reichten. "Es sind Beispiele für den Umgang mit Andersdenkenden, die das grundsätzliche Misstrauen der SED-Führung gegenüber der Jugend in der DDR widerspiegeln", fasste Caroline Fricke zusammen.

Gesprächsstoff für die Diskussion zu Hause mit ihren Eltern und für die nächste Geschichtsstunde hatten die zahlreich erschienenen Gymnasiasten nach dieser Veranstaltung allemal.

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