Direkter Kurs auf WM in Südafrika

svz.de von
11. Oktober 2008, 11:00 Uhr

Dortmund - Die deutsche Nationalmannschaft bleibt nach der gewonnenen Kraftprobe gegen Russland der Favorit auf die Direkt- Qualifikation für die Fußball-Weltmeisterschaft 2010. Lukas Podolski (9.) und Michael Ballack (28.) erzielten am Samstag in Dortmund in einer herausragenden ersten Halbzeit die Tore zum 2:1 (2:0) gegen den schärfsten Rivalen im Kampf um den Gruppensieg. Wie stark die Russen sind, demonstrierten sie nach der Pause, als sie vor 65 607 Zuschauern vehement auf den Ausgleich drängten. Doch mehr als den Anschlusstreffer durch Superstar Andrej Arschawin (51.) ließ die Abwehr nicht zu, in der Debütant Rene Adler in der Schlussphase auch Glück bei einem Pfostentreffer von Alan Dsagojew hatte (88.). Mit einem weiteren Erfolg am Mittwoch in Mönchengladbach gegen Wales kann die Elf von Bundestrainer Joachim Löw in der Vorrundengruppe 4 den nächsten Schritt in Richtung Südafrika machen.

Im wahrscheinlich wichtigsten Spiel der Saison präsentierte sich die deutsche Mannschaft über weite Strecken bärenstark und überzeugte gleichermaßen durch Einsatz- und Spielfreude. Angetrieben von Rückkehrer Ballack agierte die Löw-Elf im direkten Duell gegen den Gruppen-Mitfavoriten zweikampfstark und ballsicher wie lange nicht mehr. Der Kapitän, der erstmals seit dem verlorenen EM-Finale zum Einsatz kam, gab mit seiner Leistung auf dem Rasen die passende Antwort auf die jüngsten Diskussionen um seine Führungsrolle im Team. An der Seite Ballacks, der sein 39. Tor im DFB-Trikot erzielte, trumpften auch andere auf. Vor allem Philipp Lahm und Piotr Trochowski sorgten auf der linken Seite für viel Offensivschwung, dafür zeigten sich beide im Abwehrverhalten nicht ganz fehlerfrei.

Thomas Hitzlsperger, der in der Startelf den Vorzug vor Routinier Torsten Frings erhalten hatte, verhinderte mit seinem resoluten Spiel mehrfach die gefürchteten russischen Pässe in die Spitze. Damit wurde auch Superstar Arschawin viel von seiner Gefährlichkeit genommen. Eine starke Vorstellung bot auch das Münchner Angriffsduo mit Podolski und Miroslav Klose, die sich beide immer wieder geschickt der kantigen Innenverteidigung des Gegners entzogen. Vor allem „Poldi“ spielte im Trikot mit dem Adler auf der Brust einmal mehr befreit auf und suchte aus allen Lagen den Abschluss. Die Abwehr erhielt durch die Rückkehr von Per Mertesacker wieder mehr Stabilität, auch wenn sich auf der rechten Seite ein paar Lücken auftaten. Debütant Adler im Tor agierte fehlerlos und war bei zunehmendem Druck der Russen in der Schlussphase ein Rückhalt.

Das erste Achtungszeichen setzte die Elf von Guus Hiddink, der in Roman Pawljutschenko auf seinen Top-Angreifer verzichten musste. Nach gerade einmal 210 Sekunden durfte Juri Schirkow ungehindert von der linken Seite flanken, doch der völlig frei vor Adler stehende Pavel Pogrebnjak wusste zum Glück für die Hausherren mit der Riesenchance nichts anzufangen. Die Antwort der deutschen Mannschaft ließ indes nicht lange auf sich warten. Als Klose den Ball Ballack in den Lauf spielte, verhinderte ein Reflex von Torhüter Igor Akinfejew die Führung für den Vize-Europameister (7.). Doch schon beim nächsten Angriffszug war auch der russische Keeper machtlos. Der emsige Klose bediente seinen Clubkollegen Podolski, der sich auf engstem Raum entschlossen gegen drei Russen durchsetzte und zu seinem 31. Länderspiel-Tor vollendete.

Das Tor gab noch mehr Selbstbewusstsein, auch wenn die Gäste gelegentlich gefährlich über die linke Seite vorstießen. Nachdem Trochowski (16.) aus spitzem Winkel verzogen hatte, leitete der Hamburger mit seinem Zuspiel auf Schweinsteiger das vorentscheidende 2:0 ein. Der Münchner bewies Hereingabe über die russische Abwehr viel Übersicht, und Ballack brauchte den Ball nur noch über die Linie zu drücken. Sechs Minuten später feuerte der enorm selbstbewusste Podolski einen Aufsetzer aus 20 Metern ab, den Akinfejew mit größter Mühe um den Torpfosten lenken konnte.

Der Anschlusstreffer durch Arschawin sechs Minuten nach Wiederanpfiff machte allerdings auch deutlich, dass sich die deutsche Mannschaft nicht in Sicherheit wiegen durfte. Als dem bis dahin überragenden Lahm der Ball vom Fuß spang, reagierte Alexander Anjukow am schnellsten und Arschawin drückte die scharfe Hereingabe des Verteidigers über die Linie. Danach kam Löws Elf kurzzeitig völlig aus dem Tritt, kämpfte sich aber wieder in die Partie zurück. In der 62. Minute scheiterte Trochowski noch an der Latte, danach rückte die Abwehr immer mehr in den Blickpunkt. Doch mit Glück und Geschick gelang es, den knappen Vorsprung über die Zeit zu bringen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen